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Berufsfischer aus Polle warnt vor zunehmender Weserversalzung / Widerstand gegen "Kali+Salz"-Pläne

"Weniger Bachflohkrebse - schlechtes Zeichen"

Weserbergland (fhm). Seit 1984 ist Fritz Köster selbstständiger Berufsfischer. Der Mann aus Polle kennt sich aus mit der Weser. Und er weiß sofort, wenn etwas nicht stimmt. "In diesem Jahr sind die Fänge geringer geworden." Und noch etwas anderes beunruhigt ihn. "Der Rückgang der Bachflohkrebse ist ein schlechtes Zeichen." Dieser etwaein bis zwei Zentimeter kleine Krebs spielt in der Nahrungskette der Weser eine wichtige Rolle. "Wenn der Bachflohkrebs da ist, sind auch die Fische da."

veröffentlicht am 10.12.2007 um 00:00 Uhr

Im vergangenen Jahr habe er noch bei jedem Fang unzählige kleine Krebse im Netz gehabt. Auch wenn man die Steine im Uferbereich der Weser umdrehte, konnte man sie sehen. "In diesem Jahr ist fast gar nichts mehr vorhanden", sagt Köster und dreht zum Beweis einen Stein am Ufer um. "Nichts, gar nichts." Gerade im Winterhalbjahr müsste man etwas sehen, denn dann ziehen sich die kleinen Tiere unter diese Steine zurück. "Aber in diesem Jahr nicht." Der Bachflohkrebs lebt Süßwasser. Zum Leben ist für ihn der Salzgehalt entscheidend. "Als die Werke in der damaligen DDR vor der Wende noch ihr Salzwasser in Werra und Weser leiteten, gab es diesen Krebs hier nicht", sagt der Fischer aus Polle. Damals lebte ein salzresistenter Krebs im Fluss. Erst als nach dem Ende derDDR die Kali-Werke in Thüringen die Produktion umstellten, Umweltrichtlinien eingehalten wurden und der Salz-Grenzwert der Weser nicht mehr überschritten wurde, kehrte der Bachflohkrebs in den Fluss zurück. "Damit kamen auch andere Fischarten wieder, das war ein gutes Zeichen für den Zustand der Weser", so Köster. Er könne sich aber vorstellen, warum er dieses wichtige Tier in diesem Herbst kaum noch in der Weser findet und die Fangzahlen zurückgehen. "Kali + Salz gibt zu, mit Lkw Salzwasser in die Weser zu transportieren." Seit Mai geschehe dies und er sehe damit eine direkte Verbindung zur Tierwelt in der Weser. "Im vergangenen Jahr stimmte noch alles mit den Fischen." Was Kali + Salz vorhat mit dem Bau der Pipeline, sieht er als große Gefahr für den Zustand der Weser. "Wir werden uns das nicht bieten lassen", kündigt Fritz Köster Widerstand gegen die Kali + Salz-Pläne an. "Die Weser ist unsere Lebensader. Das, was nach 1990 erreicht wurde an Verbesserung der Wasserqualität, darf nicht wieder kaputt gemacht werden", fordert der Berufsfischer. Heinrich Henke, früher wie Fritz Köster Berufsfischer, teilt die Erfahrungen seines Kollegen. Der Rückgang des Bachflohkrebses sei kein gutes Zeichen, bestätigt er. Fischereiaufseher Uwe Grützner klagt wie andere Kollegen aus dem Anglerverein Polle über rückläufige Fänge. "Was der Kormoran nicht schafft, schafft das Salz", vermutet Grützner. Sprecher des Niedersächsischen Umwelt- und des Landwirtschaftsministeriums reagieren mit großem Interesse auf die Beobachtungen von Fritz Köster und seinen Kollegen. Allerdings werde zu dieser speziellen Frage keine eigene Untersuchungsreihe durchgeführt. Und ähnliche Ergebnisse, die diese Beobachtungen bestätigen, lägen derzeit nicht vor. Allerdings nehme man diesen Hinweis sehr ernst. Karl-Jürgen Schlösser, Vorsitzender der Weserfischereigenossenschaft Hameln, sieht die ganze Angelegenheit als sehr problematisch an. "Die Erfahrungen, von denen Fritz Köster spricht, machen andere Fischer an der Weser auch", bestätigt Schlösser. Dass demnächst ein "Runder Tisch" mit Kali +Salz eingerichtet wird, sieht er als Alibi-Aktion. "Das soll die Leute nur beruhigen, und am Ende passiert doch nichts." Karsten Brauer, Vorsitzender des Landesfischereiverbandes Niedersachsen, hat andere Erkenntnisse als Fritz Köster. Allerdings trete durch die Zuflüsse in seinem Bereich der Weser ein Verdünnungseffekt ein. Brauer ist in der Nähe von Nienburg ansässig. Er könne das in der Form aus seinen Erfahrungen nicht bestätigen, könne sich das aber vorstellen. Für Fritz Köster ist die Sache klar. Die Einleitungen von Kali +Salz haben mit seinen Erfahrungen etwas zu tun. Für ihn steht fest: Gegen die Pläne von Kali +Salz, per Pipeline demnächst Salzwasser in Werra und Weser zu leiten, werde er sich wehren. "Eine gesunde Weser dient uns allen. Dafür müssen wir uns einsetzen", fordert Fischer Köster.



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