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Schaumburger Freimaurer über Vorurteile und Gesprächskultur

Weltherrschaft? Kein Interesse ...

Landkreis. Nach seinem „Outing“ war der Auftrag weg. Der Bückeburger Ingenieur Armin Blümel weiß, warum er seinen Freimaurer-Brüdern empfiehlt, über einen Gang an die Öffentlichkeit genau nachzudenken. Die Vorurteile gegenüber den Männerbünden mit teils jahrhundetealter Geschichte sitzen manchmal tief.

veröffentlicht am 23.04.2014 um 19:28 Uhr
aktualisiert am 04.05.2014 um 15:03 Uhr

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Autor:

jan-Christoph Prüfer

Blümel ist „Meister vom Stuhl“ der Stadthäger Freimaurerloge Albrecht Wolfgang, die 2017 ihr 140-jähriges Bestehen feiert. Diese hatte kürzlich zum zweiten Mal zu einem offenen Vortragsabend über Dan Browns Vatikan-Thriller „Das verlorene Symbol“ eingeladen. Die gleiche Veranstaltung hatten die rund 30 Stadthäger Freimaurer vor drei Jahren schon einmal angeboten. Damals berichteten die Schaumburger Nachrichten, Blümel kam im Artikel zu Wort.

Kurz danach, in Reaktion auf die Berichterstattung, sprang dem Ingenieur ein Auftraggeber „mit christlichem Hintergrund“ ab. Begründung: Die Freimaurerei sei eine Ersatzreligion, die Anhänger probten in ihren geheimen Ritualen die Wiederauferstehung.

„Jungfrauen opfern und das Streben nach Weltherrschaft“, zählt Blümel schmunzelnd Attribute auf, die Laien häufig mit der Freimaurerei verbänden. Alles Unsinn, sagt er. „Bei uns musste sich auch noch nie einer umbringen, weil er insolvent gegangen ist.“

Ironischerweise werde gerade der Atheist in einer Loge wohl nicht glücklich, sagt Blümel. Freimaurer glaubten an den „großen Baumeister aller Welten“. Nur ob man an den als Christ oder Moslem oder was auch immer glaube, sei egal.

Zumindest für die Loge Albrecht Wolfgang – benannt nach dem angeblich ersten deutschen Freimaurer Graf Albrecht Wolfgang zu Schaumburg-Lippe – gelte das. Sie gehört zur übergeordneten Großloge der „Alten Freien und Angenommenen Maurer von Deutschland“. Diese ist religiös offen, im Gegensatz zu anderen Großlogen, die nur Christen aufnehmen.

Wenn es die Freimaurer also weder nach Jungfrauenblut noch nach der Weltherrschaft verlangt, was wollen sie dann? „Wir sehen uns in der Tradition des Humanismus und der Aufklärung und sehen in diesem Erbe unsere Verpflichtung für Gegenwart und Zukunft“, heißt es im Internet auf freimaurerei.de. Konkret würden die „Brüder“, wie die Freimaurer sich gegenseitig nennen, zum Beispiel für Kindergärten und die Konfirmationskleidung von Kindern aus finanziell schwächeren Familien sammeln, erklärt Blümel.

Auch die Gesprächskultur wird gepflegt, sagt der Bad Nenndorfer Freimaurer Karl Peter Lingk. Andere ausreden lassen, andere Meinungen respektieren – anders als so häufig in der Welt außerhalb der Loge gehe es nicht darum, jemanden niederzuargumentieren.

Lingk hat 1998 zur Loge Albrecht Wolfgang gefunden. Er war in den Achtzigern aus Kassel nach Schaumburg gezogen und hatte Anschluss gesucht. Zunächst habe er Vorbehalte gehabt. „Mozart und Goethe waren Freimaurer“, sagt Lingk. „Zuerst habe ich gedacht, ich passe da einfach nicht rein.“ Dabei sei der Anspruch heutiger Freimaurer an ihre Mitglieder nicht elitär. Zu den Treffen im Ratskeller kämen Akademiker, Beamte und Handwerker; ein Student sei auch dabei.

„Man kann auch als Straßenfeger dazu kommen“, sagt Meister vom Stuhl Blümel. Wichtig sei nur der Wille zur Arbeit am Ziel: „Wir wollen durch unser eigenes Leben die Welt ein bisschen besser machen.“

Armin Blümel (links) und Karl Peter Lingk zeigen das „Bijou“, das Abzeichen der Loge Albrecht Wolfgang. Darauf ist das sogenannte „Allsehende Auge“ zu sehen, das von einem Hexagramm, einem sechseckigen Stern, umschlossen wird. jcp



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