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Fürst Adolf zu Schaumburg-Lippe erneuert Bad Eilsen von Grund auf / Im Visier der Planer ist das betuchte Bürgertum

Weltbadflair für die in die Jahre gekommene Kurfrische

Bad Eilsen. Hermann Löns hatte nicht übertrieben, als er vor dem Ersten Weltkrieg in seiner bissigen Satire "Duodez" über Bad Eilsen urteilte: "Wer im Gespräch Dinge, von denen man in guter Gesellschaft nicht spricht und über die die Landes-Zeitung nicht berichten darf, erwähnt ... wie zum Beispiel ... die unzeitgemäßen Baulichkeiten des fürstlichen Bad Eilsen, das von dem preußischen Bad Nenndorf völlig überflügelt wird ..., der stößt auf eiskalte Gesichter und verschlossene Lippen, niemand prostet ihn mehr an, und erledigt ist er!"

veröffentlicht am 11.05.2007 um 00:00 Uhr

Autor:

Friedrich Winkelhake

Tatsächlich konnte man Anfang des 20. Jahrhunderts mit den Kuranlagen und dem Kurpark keinen großen Staat mehr machen. Vor allem die beiden Pensionshäuser, das Große und das Kleine Logierhaus, wurden immerhin 1805 und 1810 erbaut und hielten den hygienischen Anforderungen nicht mehr stand. Die vierBadehäuser und das zugehörige Maschinenhaus erstreckten sich entlang der jetzigen Julianen-Promenade von der Harrlallee bis auf die heutige Feuerwerkswiese und waren nicht mehr konkurrenzfähig mit den nahen Bädern Nenndorf, Pyrmont, Salzuflen und Oeynhausen. Auch die gesellschaftlichen Säle und Räume im Restaurationsgebäude und der Kursaal wirkten nicht mehr zeitgemäß. Fürst Adolf zu Schaumburg-Lippe als Besitzer des Bades holte sich nun den Berliner Professor Baumgart, der ihm auch das Bückeburger Mausoleum erbaut hatte, und ließ ihn eines der schönsten und elegantesten Hotels Europas errichten, den Fürstenhof. Auch das mit der Wandelhalle verbundene Kurmittelhaus entstand. Nun konnte man sich rühmen, moderne Kuranlagen anbieten zu können, die mit vielen bekannten deutschen Bädern mithalten konnten. Die Kleinbahn, uns bekannt als Eilser Minchen, konnte etwa zusammen mit den neuen Hotel- und Kuranlagen 1918 eingeweiht werden. Nach der schlimmen Inflationszeit Anfang der 1920er Jahre ging es dann weiter: Fürst Adolf ließ das Badehotel, den Theater- und Kursaal bauen, ließ den Kurpark mit Steingarten, Rosengarten und Feuerwerkswiese neu anlegen und erneuerte die Brunnenstube Georgenbrunnen. Die zuständigen Herrschaften in der Fürstlichen Hofkammer und Kurdirektor Nievert ließen es damit aber nicht bewenden. Ein fürstlicher Badeort mitten in einem reinen Bauerndorf? Auch das änderte man: Der gesamte Ort sollte den Hauch eines Weltbades erhalten. Anfang der 20er Jahre ging es erst richtig los in Bad Eilsen. Das gesamte Gelände östlich des Harrl, bisher Weiden und Ackerflächen, kaufte die Hofkammer von den Landwirten auf, parzellierte das Gelände, versah es mit der nötigen Infrastruktur, also mit Straßen, Trinkwasseranschlüssen, Elektrizität und Kanalsystemen und bot es wohlhabenden Interessenten als Bauland an. In großen Tageszeitungen wurden die Grundstücke angeboten. Es wurde geworben mit der Nähe zum Fürstlichen Bad mit seinen Kuranlagen, zum Kurpark und dem nahen Wald. Strenge Auflagen in den Kaufverträgen sorgten dafür, dass so gebaut wurde, wie es sich die fürstliche Hofkammer für ihr neues Weltbad wünschte. Baupläne mussten von der Hofkammer genehmigt werden. Die Bebauung musste innerhalb eines Jahres abgeschlossen sein. Eigentlich kamen hier nur Villengebäude, Pensionshäuser und Hotels in Frage. Auch bei Wohnhäusern stellte man Bedingungen zur Beteiligung am Bettenangebot, das man in der Saison für Kurgäste zur Verfügung zu stellen hatte. Der Verkauf der meist recht großflächigen Grundstücke an wohlhabende Bürger ermöglichte auch parkähnliche Gartengestaltung, die zu Spaziergängen der Kurgäste durch das neue und schöne Villenviertel einlud und den Ort erheblich aufwertete. Etwa 25 Villen, Pensionen und Hotels entstanden in relativ kurzer Zeit in diesem neuen Ortsteil. Allen Eilsern werden vor allem noch Haus Eden und Bienchen, die Pensionshäuser Schlösschen und Ingeborg sowie Haus Waldblick und Haus Hannover in Erinnerung sein. Bis zur zwangsweisen Belegung aller Villen durch die Mitarbeiter der Focke-Wulf-Werke und die spätere Beschlagnahme durch die britische Besatzungsmacht trug das Villenviertel dazu bei, dass sich in Bad Eilsen die Großen des Landes tummelten.



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