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Siegmann für Schließung der Kreisstraße 80 / Auffällig viele Wildunfälle

"Welche Ruhe! Warum lassen Sie die Bäume nicht einfach liegen?"

Möllenbeck (wm). Nach Rannenberg ist Möllenbeck das Dorf mit den meisten Wildunfällen im Bereich des Polizeikommissariats Rinteln. Was vor allem überrascht: Seit 2005 lässt sich ein kontinuierlicher Anstieg der Wildunfälle auf der Kreisstraße 80 verzeichnen - von 2003 mit drei Wildunfällen über 2005 mit fünf Unfällen auf neunUnfälle im Vorjahr.

veröffentlicht am 17.04.2007 um 00:00 Uhr

Davon, auch das eine Besonderheit, haben sich sieben Unfälle praktisch im Bereich von rund 200 Metern hinter dem Ortsausgang von Möllenbeck in Richtung Krankenhagen ereignet. Eine Erklärung dafür hat die Polizei nicht. Reinhold Siegmann, Revierförster a.D., der die Situation wie kaum ein Zweiter kennt, warnt, die Zeit, in der man mit Wildwechsel über die Straße rechnen müsse, komme jetzt. Von Ende April bis Mitte Juni grenzen die Böcke ihr Revier ab und treiben Nebenbuhler schon mal über die Fahrbahn. Von Juli bis Mitte August ist Paarungszeit im Wald, Ricken sind auf der Suche nach einem Setzrevier. Auch dann sollten Autofahrer vom Gas gehen. Aus Sicht der Forst und derÖkologie, so sieht es Siegmann, sei die geplante Einziehung der Kreisstraße 80 zwischen Möllenbeck und Krankenhagen ein Segen. Hier sei er völlig anderer Meinung als viele Kommunalpolitiker. Wer im Wald wandern wolle, brauche die Straße nicht. Er habe oft von Wandergruppen gehört, wenn die Forst die Straße habe sperren lassen, um beispielsweise Bäume zu fällen: "Welch eine Ruhe! Warum lassen Sie die Bäume nicht einfach liegen, damit hier niemand mehr fahren kann?" Es seien nämlich keineswegs nur Rehe, die Autofahrern zum Opfer fallen, sondern allgemein auch viele Kleintiere. Er habe sogar schon verendete Bussarde und Eisvögel am Straßenrand entdeckt. Dass man die Kadaver von Kleintieren oft nicht mehr an der Straße finde, habe einen einfachen Grund: Füchse wissen, dass hier problemlos Futter zu holen ist und suchen die Straße ab. Die Straße trenne im Grund ein ökologisch wertvolles Revier, ein Bachtal, das noch sauber und unbelastet sei. Hier finde man sogar noch die seltenen Bachneunaugen, die woanders für viel Geld in Gewässer eingesetzt würden. Das Thema Kreisstraße 80 steht auch am kommenden Donnerstag auf der Tagesordnung des Ortsrates Krankenhagen-Volksen, der um 19 Uhr im Feuerwehrgerätehaus Volksen tagt. Ortsbürgermeister Gerhard Werner hat sich bereits im Vorfeld festgelegt und wissen lassen, die Schließung der Straße, vor allem zu einem so frühen Zeitpunkt wie geplant, müsse verhindert werden.



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