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So will das Hamelner Unternehmen Elektroma in die Zukunft planen, denken, investieren

Welche Krise? In der Solarbranche boomt es

Hameln (TT). Die Sonne scheint über Hameln offenbar stärker als im Rest der Republik: Während die deutsche Solarindustrie insgesamt trotz anziehender Geschäfte vorsichtig und zurückhaltend bleibt, jubelt ein hiesiges Unternehmen über „neue historische Größen“ und „einen Riesenerfolg“ im Geschäft mit der Solartechnik. Lutz Reimann, geschäftsführender Gesellschafter der Elektroma in Hameln, ist mit einer guten Portion Passion dabei, wenn er sein Faible mit Fakten untermauert: „Wir gehören zu den Marktführern im Umkreis von 30 bis 40 Kilometern. Unser Unternehmen legt in der Photovoltaik im Jahrestakt um 50 Prozent zu, in diesem Jahr sollen es sogar 100 Prozent werden.“

veröffentlicht am 30.09.2009 um 23:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Am Ende des Jahres 2009 will Reimann rund 12 000 Quadratmeter Fläche mit Solarzellen belegt haben, die in der Summe eine Jahresleistung von 1,5 Megawatt schaffen. Der Elektroma-Jahresumsatz in Höhe von 15 Millionen Euro speist sich zu 30 Prozent aus dem Solargeschäft. Dabei gehören nur zehn der insgesamt 108 Mitarbeiter zur Solarabteilung – was eine hohe Pro-Kopf-Wertschöpfung bedeutet. Reimann: „Der Erfolg resultiert aus der Überzeugung, dass die Technologie eines Tages einen großen Anteil an der Stromerzeugung haben wird. Im Jahr 2020 wird die Photovoltaik bei einem Marktanteil von zehn Prozent liegen, das wäre schon eine Nummer.“ Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist in den Augen Reimanns „ein voller Erfolg“, hat es doch Nachfrage beim Endkunden erzeugt.

Chinesen machen Druck – Europa muss reagieren

Durch einen Ordereinbruch zum Jahresbeginn spüren überregionale Branchengrößen wie Q-Cells, Solon und Phoenix Solar noch heute die Folgen dieser kleinen Solarkrise. Mittlerweile kommt es zwar zur erhofften Belebung – in Interviews auf einer Solarmesse in Hamburg wollten die Chefs der Branchengrößen aber keine Prognose wagen, ob sich diese Entwicklung zu einer nachhaltigen Erholung auswächst. Ganz anders Reimann: „Der Solarboom ist nicht zu Ende. Und wir brauchen günstige Solarenergie, denn schließlich löst der Preisverfall wieder mehr Kundennachfrage aus. Gerade wegen des Preisverfalls wird der Solarmarkt weiter boomen.“

Auch dem Druck der chinesischen Solarmodul-Hersteller kann der Elektroma-Chef etwas Gutes abgewinnen: Natürlich verlasse er sich mehr auf die deutschen Produkte, „aber auch bei den Chinesen gibt es gute Qualität“ – allerdings zu Preisen, die 10 bis 15 Prozent unter denen der deutschen Konkurrenz liegen. Es sei positiv, dass es schnell günstige Solarenergie geben kann. Bedauerlich sei lediglich, dass das EEG mit deutschem Steuergeld eigentlich deutsches Wachstum schaffen soll – diese Idee scheitert jedoch an den übergeordneten Gesetzen des Weltmarktes.

Vor kurzem hatte der Bundesverband Solarwirtschaft angekündigt, er prüfe rechtliche Schritte bei der EU gegen die chinesische Konkurrenz. Grund sei der Verdacht wettbewerbswidrigen Verhaltens. Hersteller aus China nehmen mit günstigen Modulen den deutschen Rivalen immer mehr Geschäfte ab – das Land verdoppelte seinen weltweiten Marktanteil einem Bericht der „Financial Times Deutschland“ zufolge binnen zwei Jahren auf mehr als 30 Prozent. „Wir konkurrieren mit Herstellern, die kaum Umweltstandards einhalten müssen und versteckte Subventionen bekommen“, klagte der Chef des Bitterfelder Konzerns Q-Cells, Anton Milner. So stelle die Bank of China heimischen Solarfirmen äußerst günstige Kredite zur Verfügung. Der Chef des größten chinesischen Solarkonzerns Suntech, Shi Zhengrong, hat Dumpingvorwürfe seiner deutschen Konkurrenten zurückgewiesen. „Wir haben eine Gewinnmarge von fast 20 Prozent – wie soll das mit Dumping gehen?“, fragte der Chinese. Und: „Viele deutsche Solarfirmen sind einfach nicht mehr wettbewerbsfähig.“ Die deutschen Unternehmer hätten in guten Jahren nicht genug an ihrer Effizienz gearbeitet.

Auch im Norden kommen die Mega-Solarparks

Ein Vorwurf, den Elektroma für sich nicht gelten lässt: Die Hamelner profitieren eher vom Preiskampf auf dem Herstellermarkt. Reimann sieht es fast politisch: „Die Solarenergie muss günstiger werden als die Kohlekraft und die Atomkraft. Schon im Jahr 2016 könnte das erreicht sein.“ Das in diesem Jahr vorgestellte Riesenprojekt „Desertec“ von der Münchner Rück sei „ein Ritterschlag für die Solarbranche“, die sich allein mit diesem Projekt nach Reimanns Überzeugung global regenerativ mit Energie versorgen könnte – allein das Problem der Verteilung sei heutzutage noch nicht gelöst.

Mit der Idee, auch in Deutschland im freien Gelände großflächige Megawatt-Solarparks zu bauen, kann sich Reimann – der sich schon in seiner Ausbildung bei Siemens und im Studium auf Umwelttechnik spezialisiert hatte – gut anfreunden: „Solche Projekte gibt es in Süddeutschland und jetzt auch im Norden. Dafür werden dann ausschließlich chinesische Module verwendet, weil die Rendite stimmen muss.“ Mit regionalen Solarparks gehe auch regionale Wertschöpfung einher, schließlich entstünden vor Ort auch Arbeitsplätze. So wie bei Elektroma, die in diesem Jahr drei neue Arbeitsplätze in ihrer Solarabteilung geschaffen hat. Reimann: „Sie sehen, ich glaube an den Boom.“



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