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Geschichtswerkstatt der Realschule mit Schülerfriedenspreis 2007 ausgezeichnet / Positives Beispiel

Weiteres Kapitel in der Herder-Erfolgsgeschichte

Hannover/Bückeburg (bus). Die recht umfangreiche Erfolgsgeschichte der von Klaus Maiwald geleiteten Geschichtswerkstatt der Bückeburger Herderschule enthält seit Montag ein weiteres Anerkennungskapitel. An diesem Tag verlieh die niedersächsische Kultusministerin Elisabeth Heister-Neumann im Gästehaus der Landesregierung der von Schulleiterin Christiane Marx begleiteten Werkstatt-Delegation den Schülerfriedenspreis 2007. Sie betrachte die Schüler als positive Beispiele und nachahmenswerte Vorbilder, sagte die Ministerin während der Preisverleihung.

veröffentlicht am 11.06.2008 um 00:00 Uhr

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Anlass der aktuellen, mit 500 Euro dotierten Auszeichnung war der von den Bückeburger Realschülern im April 2007 in Zusammenarbeit mit der Realschule Lahde absolvierte Gedenkmarsch "Nach Hannover in den Tod". Mit der Aktion erinnerte die Werkstatt an den "Todesmarsch" von etwa 800 Insassen des "Arbeitserziehungslagers" (AEL) Lahde in die Hauptstadt Niedersachsens, dem im April 1945 weit mehr als 100 Häftlinge zum Opfer gefallen waren. Die Schüler hatten die etwa 60 Kilometer lange Strecke zu Fuß bewältigt und große regionale wie überregionale Aufmerksamkeit geweckt. Der in Artikel 1 des Grundgesetzes formulierte Satz "die Würde des Menschen ist unantastbar" besitze für Vergangenheit und Gegenwart gleichermaßen Gültigkeit, betonte Heister-Neumann. Das "tolle, hohe und dauerhafte Engagement" der Schüler nehme eine wichtige Rolle beim Abbau von Vorurteilen ein. Die Landesregierung wolle, erläuterte die Ministerin,mit der Verleihung des Friedenspreises "beispielhaft vor Augen führen, wie viel an den niedersächsischen Schulen für ein friedliches Miteinander getan" werde. Heister-Neumanns Lob galt außer den Bückeburgern auch Schülervertretern aus Hannover (Kurt-Schwitters-Gymnasium), Rotenburg/Wümme (Ratsgymnasium) und Achim (Hauptschule). Der Friedenspreis 2007 ist bereits die vierte Auszeichnung der Geschichtswerkstatt durch die Landesregierung. 1997 war die Jury auf den Einsatz der Schüler zur Errichtung von Gedenktafeln aufmerksam geworden, die an den Obernkirchener Karl Abel (Schaumburgs erster Landesminister nach dem Zweiten Weltkrieg), die auf dem Friedhof der Reformierten Kirche in Bückeburg bestatteten Zwangsarbeiter und das Geschehen um die Bückeburger Synagoge erinnerten. 2001 war der erfolgreiche Antrag, Pastor Wilhelm Mensching, der im Pfarrhaus Petzen die Jüdin Ruth Lilienthal versteckt und vor dem sicheren Tod gerettet hatte, posthum in der israelischen Gedenkstätte Yad Vashem als "Gerechter unter den Völkern" zu würdigen, Anlass des Preisgewinns. Im Vorjahr zeichnete das Ministerium das Projekt "Wegweiser auf den Spuren von Zwangsarbeit in Schaumburg und Petershagen/Lahde", das die Nachforschungen mehrerer Schülergenrenationen in einer Dokumentation zusammenfasst, aus. Geschichtlicher Hintergrund: Im Mai 1943 wurde das AEL Liebenau (Kreis Nienburg) aufgelöst und nach Lahde verlegt. Hier war, aufgrund eines Vertrages der Geheimen Staatspolizei Hannover mit dem Unternehmen "Preußen Elektra", der Bau eines kriegswichtigen Strom liefernden Großkraftwerkes geplant. Während der 22 Monate des Bestehens des Lahder Lagers sind von den etwa 8000 Insassen637 Menschen ums Leben gekommen. Im April 1945 wurden die noch marschfähigen Häftlinge auf den "Todesmarsch" nach Hannover getrieben. Die Strapazen des Marsches forderten selbst mindestens zehn Todesopfer, weitere etwa 100 "Lahder" wurden am 6. April 1945 auf dem Seelhorster Friedhof in Hannover erschossen. Bezugsquelle: Die Dokumentation ist in den Buchhandlungen Frommhold und Scheck sowie in der Herderschule zum Preis von 5 Euro erhältlich.

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