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Viele leere Sitzreihen bei zweiter Bürgerversammlung / Prince Rupert School soll 780 Menschen aufnehmen

Weitere 200 Flüchtlinge bis Weihnachten

Rinteln. „Ich bin froh, dass sich die Flüchtlinge nicht über uns beschweren“, sagte Karsten Pilz, der Leiter der Steuerakademie, gestern Abend scherzhaft in seiner kurzen Begrüßungsansprache. Als Nachbar der ehemaligen Prince Rupert School, die seit Oktober als Notunterkunft fungiert, habe es, so Pilz, bislang keinerlei Probleme mit den derzeit rund 400 dort untergebrachten Flüchtlingen gegeben.

veröffentlicht am 15.12.2015 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 17.12.2015 um 12:07 Uhr

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So empfinden es offenbar auch die übrigen Rintelner. Zumindest waren zur zweiten Bürgerversammlung zur Sache gestern in der Steuerakademie ungleich weniger Besucher gekommen als noch zur ersten. Reichten beim letzten Mal die Stühle nicht aus, blieben dieses Mal zahlreiche Sitzreihen leer.

Zur Versammlung geladen hatte Bürgermeister Thomas Priemer. Er stellte unter anderem die Hauptaufgabe der Kommune heraus: die Integration der in Rinteln lebenden Asylsuchenden. Während die in der Prince Rupert School untergebrachten Flüchtlinge nicht zwingend in der Weserstadt bleiben, sondern auf andere Landkreise in Niedersachsen verteilt werden, befinden sich momentan etwa 275 weitere Asylsuchende in den beiden Gemeinschaftsunterkünften im Bahnhofs- und Kerschensteiner Weg sowie in vom Landkreis Schaumburg angemieteten Privatwohnungen.

Um die dezentrale Unterbringung weiter voranzutreiben, habe Priemer fünf seiner Mitarbeiter mit der Aufgabe betraut, weitere Wohnungen aus privater Hand zu finden, in denen Asylsuchende mit dem Landkreis als zahlenden Mieter untergebracht werden können.

Der Integrationsprozess in Rinteln sei bereits in vollem Gang. Es gebe Sprachkurse für die Erwachsenen, schulpflichtige Kinder gingen zur Schule und die Jüngeren würden künftig in Kindergärten betreut.

Alexander Götz vom Niedersächsischen Innenministerium teilte mit, dass die Anzahl der täglich in Niedersachsen ankommenden Flüchtlinge in den vergangenen zwei Wochen auf derzeit 200 bis 400 gesunken sei. Dem stehen rund 700 gegenüber, die noch im September täglich in Niedersachsen eintrafen. Wie sich die Situation jedoch weiterentwickelt, sei nicht absehbar.

Das Land Niedersachsen, so Götz weiter, werde „bis auf Weiteres“ an der Prince Rupert School als Notunterkunft festhalten. Es sei jedoch nicht geplant, aus der Notunterkunft eine „dauerhafte Erstaufnahmeeinrichtung wie in Bramsche oder Friedland“ zu machen.

Insgesamt, sagte Landrat Jörg Farr, habe der Landkreis Schaumburg in den vergangenen zwei Jahren 2300 Flüchtlinge aufgenommen. Er rechnet damit, dass in den kommenden vier Monaten 1700 weitere Menschen im Landkreis aufgenommen werden müssen.

Folglich seien weitere Gemeinschaftsunterkünfte nötig. Eine wird wie berichtet derzeit in der Herderschule in Bückeburg eingerichtet, zwei weitere in Bad Nenndorf.

Mit Blick auf die Bedeutung der Bildung bei der Integration merkte Farr an, dass 41 Prozent der Flüchtlinge minderjährig sind: 25 Prozent sind null bis sechs Jahre alt, 16 Prozent sieben bis 17 Jahre. Alle schulpflichtigen Kinder und Jugendliche sollen und können auf Schulen aller Schulformen, inklusive Sprachlernklassen, im Landkreis verteilt werden, kündigte Farr an.

Bernd Koller, Präsident des Schaumburger Kreisverbands des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), teilte mit, dass derzeit 407 Flüchtlinge in der Notunterkunft untergebracht sind. „Wir erwarten vor Weihnachten noch 200 neue Flüchtlinge“, sagte Koller. „Aber wir sind nicht über die 600 hinausgegangen, was auch ein Versprechen im Oktober gewesen war.“

Wie bereits in dieser Zeitung berichtet, ist die Registrierung der Flüchtlinge inzwischen abgeschlossen. Indes dauern die ärztlichen Untersuchungen im Kreiskrankenhaus Rinteln noch an. „130 Flüchtlinge sind inzwischen ärztlich untersucht und entsprechend auch geimpft worden“, so Koller. Allerdings fehle aktuell der Grippeimpfstoff.

Langfristig solle die Anzahl der Flüchtlinge in der Prince Rupert School noch auf 780 erhöht werden. Allerdings befinde sich das DRK dazu noch in Gesprächen mit den eigenen Mitarbeiten und anderen Einrichtungen, schließlich müssten diese zusätzlichen Menschen ja auch betreut werden.

Schließlich listete Eckhard Ilsemann, DRK-Mitarbeiter und Leiter der Notunterkunft, die vielen Angebote auf, die sich inzwischen in der Notunterkunft gebildet haben: von zwei Kindergartengruppen und 13 Deutschkursen über eine Theatergruppe und Sportaktivitäten bis zur Schach-AG und Polizeisprechstunde. Außerdem übernähmen die Flüchtlinge selbst wichtige Aufgaben: die Reinigung des Speiseraums, Sprachvermittlung und Begleitung von Flüchtlingen in Krankenhäuser (darunter drei Ärzte, ein Zahnarzt und eine Apothekerin), allgemeine Ordnungsdienste und die Organisation des Waschraums.

Abschließend richtete sich lediglich ein einziger der etwa 120 Besucher mit einer Frage an die Verantwortlichen – nicht ohne anzumerken, dass sich seine großen Bedenken, die er vorab hatte, nicht bewahrheitet hätten. Wie lange die Asylverfahren dauern würden und wie schnell im Falle eines Ablehnungsbescheides eine Abschiebung erfolge, wollte der Mann wissen. Fragen, auf die Götz im Wesentlichen nur sagen konnte, dass die Verfahren individuell voneinander abweichen und dass der Bund die Asylverfahren von derzeit durchschnittlich fünf Monate auf maximal drei verkürzen wolle.

Darüber hinaus wies Albrecht Schäffer vom Kinderschutzbund darauf hin, dass noch ehrenamtliche Lotsen gesucht würden, die den Flüchtlingen die Ankunft im Alltag erleichtern. Mehr über dieses Projekt lesen Sie in der morgigen Ausgabe unserer Zeitung.pk



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