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Großes Interesse am Diavortrag über den Pilgeralltag auf dem Jakobsweg

"Weil der Weg irgendwann ruft"

Rinteln (ur). Ein ganz normales BBS-Klassenzimmer war von den Planern der Sommer-Uni vorgesehen für den Lichtbildvortrag von Christiane Riewerts über ihre Wanderung auf dem Jakobsweg - doch da über 80 Menschen zusammenströmten, musste die Veranstaltung kurzerhand in einen größeren Raum verlegt werden.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 10:57 Uhr

SZ-Redakteurin Christiane Riewerts berichtet denüber 80 Zuhörern

Dass die Besucher diesen Umzug in klagloser Gelassenheit mitmachten, konnte man fast schon als Einstieg in die virtuelle Pilgerreise verstehen, zu der die Vortragende einlud, denn auch bei einer solchen Wanderung muss man sich Tag für Tag auf neue Situationen einstellen und Abstand von dem Gedanken nehmen, dass alles so kommt wie vorher gedacht. Genau dies belegte Christiane Riewerts, Redakteurin unserer Zeitung, mit der ebenso farbigen wie nachvollziehbaren Schilderung ihrer Eindrücke. Bei allen idyllischen Bildern, anekdotischen Anmerkungen und Berichten von skurrilen bis nachhaltig wirkenden Begegnungen wurde deutlich, dass sich die 800 Kilometer von den Pyrenäen bis Santiago de Compostela nicht im entspannten Schongang abschreiten lassen. Durch unterschiedliche Landschaften geht es nicht nur bergauf und bergab, sondern da sind auch die Mühen der endlosen Ebene zu bewältigen, zu denen auch Herbergen mit mehrstöckig eingerichteten Schlafsälen gehören, wo sich über hundert Wanderer nach verschwitztem Tageslauf ganze vier Duschen teilen müssen. Die Vortragende hatte ihren Weg nicht mit dem Ziel angetreten, unbedingt Gesellschaft zu suchen, sondern wollte in erster Linie mit sich und ihren Gedanken allein sein. Der Weg aber hat seine eigenen Gesetze und so fanden sich denn auch in diesem Fall "Seelenverwandte" zur lockeren Pilgerfamilie zusammen, deren Mitgliederüber Tage zusammen wanderten, dann wieder eigene Wege gingen, um am Zielort auf nahezu magische Weise wieder aufeinander zu treffen. "Wie schön, wenn da ein Gilles ist, der einem beim Tragen der eigenen Last hilft, ein Franz, der abends zur Gitarre ,Über den Wolken' anstimmt oder eine Maria, diesich als heilkundige Helferin bei schmerzenden Füßen bewährt." Reizvoll, aus erster Hand von den kleinen Begebenheiten zu hören, die den Reiz einer solchen Wanderung ausmachen: Die Abende vor den Herbergen bei Wasser und Wein mit Liedern zur Gitarre, gelegentliche Andachten und das Hineinwachsen in den Brauch, überall bei Gedenkkreuzen oder Wegweisern kleine Steinchen als Symbol der Gemeinsamkeit unter Individuen abzulegen. Über 50 Prozent der jährlich über 100 000 Pilger sind Spanier - und acht Prozent Deutsche, mit zunehmender Tendenz. Dank des Buches von Hape Kerkeling - aber sicher nach diesem Vortrag für einige in Zukunft auch dank Christiane Riewerts. Warum die Menschen pilgern? "Weil der Weg sie irgendwann gerufen hat, genau wie mich", meint die Vortragende irgendwann, ganz ohne esoterische Koketterie. Und mancher hört wohl schon den Pilgerruf: "Ultreia!"



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