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Gans statt Fisch: Zum Fest tischen nicht alle Wochenmarktbeschicker ihre eigenen Produkte auf

Weihnachten darf man schon mal fremdgehen

Hameln (kar). „Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht“, sagt der Volksmund. Tatsächlich aßen früher die Bauern fast ausschließlich das, was sie selbst anbauten. Aus guten Gründen: Die Nahrung lag praktisch vor der Hoftür, musste nicht gekauft werden, und der Landwirt wusste, was in seinen Produkten steckt. Heute erlebt man bei Lebensmitteln ja oft böse Überraschungen. Nicht auf dem Wochenmarkt: Da schwören die Konsumenten auf ihre Lieblings-Marktbeschicker und verlassen sich auf die Qualität der Produkte. Und zu Weihnachten kommt natürlich nur das Beste auf die Festtafel.

veröffentlicht am 23.12.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 16.03.2010 um 11:37 Uhr

Ente und Sellerie haben bei Marianne Piepenbrink Tradition. Der

Hameln (kar). „Was der Bauer nicht kennt, das isst er nicht“, sagt der Volksmund. Tatsächlich aßen früher die Bauern fast ausschließlich das, was sie selbst anbauten. Aus guten Gründen: Die Nahrung lag praktisch vor der Hoftür, musste nicht gekauft werden, und der Landwirt wusste, was in seinen Produkten steckt. Heute erlebt man bei Lebensmitteln ja oft böse Überraschungen. Nicht auf dem Wochenmarkt: Da schwören die Konsumenten auf ihre Lieblings-Marktbeschicker und verlassen sich auf die Qualität der Produkte. Und zu Weihnachten kommt natürlich nur das Beste auf die Festtafel.

Was aber tischen die Beschicker selbst auf? Suchen sie die Abwechslung und greifen zu den Produkten ihres Standnachbarn? Oder halten sie es mit ihren bäuerlichen Vorfahren und bereiten – frei nach dem Motto „Da weiß ich, was ich hab“ – ihr Festtagsessen lieber mit eigenen Waren zu? Wird’s ganz traditionell oder ganz anders?

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Karpfen gab’s schon vor dem Fest: Ganz auf Fisch aber will Norbert Meyer nicht verzichten.

Geflügel macht auch bei vielen Marktbeschickern zu Weihnachten das Rennen. Aus Tradition. Und da ist es egal, ob sie sonst Fisch, Käse, Rind oder Schwein verkaufen. Es gibt aber auch andere, die zum Fest eigene Produkte bevorzugen oder sogar von allem etwas auf den Tisch bringen. Norbert Meyer zum Beispiel: Bei dem Fisch-Experten gibt’s zum Fest natürlich Fisch, keinen Karpfen zwar: „Davon hatten wir schon in der Vorweihnachtszeit jede Menge“, sagt Meyer. Aber „kalten Fisch“: Lachs, Garnelen, Hummerschwänze. Und Heringsalat: Der wird bei Meyers mit Kaninchen zubereitet. Und, na klar, ein Braten gehört auch auf die Tafel: „Wild“, meint Meyer. Denn Sohn Alex ist Jäger: Da kommt der Festbraten direkt aus heimischen Wäldern.

Marianne Piepenbrink aus Halvestorf schiebt eine Ente in den Ofen: „Dazu gibt’s Rotkohl. Und Sellerie-Salat.“ Ein Muss für die Schwiegermutter. Die schwört auf Ente und Sellerie. Letzterer kommt selbstverständlich vom eigenen Hof, wird gekocht und mit Salz, Pfeffer, Essig, etwas Zucker, Zwiebeln, Sahne und Zitrone zu einem Salat verarbeitet, der bei Piepenbrinks Tradition hat. Achim Pook behält von seinen Enten zum Fest eine für sich selbst zurück. Dazu kommen eigene Kartoffeln und Rotkohl auf den Tisch. Gabriele Reich von der Landfleischerei Christoph bleibt ihren Produkten treu. Nix Ente: „Wir machen einen schönen Kalbsrollbraten mit Champignons“, sagt sie. Und auch Peter Schmelter von der gleichnamigen Lamm-, Wild- und Ross-Schlachterei verlässt sich auf sein Fleisch: „Es gibt Wildschwein. Oder vielleicht Pferderouladen. Die drei Gänse, die ich hatte, hab’ ich verkauft.“ Und bei Stefan Geyer gibt’s Käse-Fondue? „Nein“, sagt der Käse-Experte: „Ich bereite ein Kokos-Huhn zu.“ Das holt er sich nebenan, bei Udo Hanf von Schmitz-Frischgeflügel. Und bei dem gibt’s dafür im Gegenzug das Käse-Fondue zum Fest? „Nein, Gans“, sagt Hanf. Die hat sich auch schon Anke Daniel von Fisch-Otto aus Rehburg-Loccum gesichert. „Schlimm, nicht?“, meint sie mit einem Augenzwinkern: „Ich verkaufe das ganze Jahr Fisch und esse dann zu Weihnachten Gans....“ Macht doch nichts. Den Fisch essen andere. Und Anke Daniel hat ein ganz leckeres Rezept für ihre Gans: „Sie wird mit Pflaumen gefüllt und mit Wein übergossen. Dazu gibt’s Rotkohl und selbst gemachte Tuchknödel.“

Sie verkauft zwar das ganze Jahr über Fisch – zum Fest aber hat sie sich eine Gans vom Marktbeschicker gegenüber gesichert: Anke Daniel von Fisch-Otto aus Rehburg-Loccum bereitet ihren Festtagsbraten sehr lecker und aufwendig zu.

Fotos: kar



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