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Nach dem Unglücksfall am Bahnübergang Hohnhorst: Jurist aus Obernkirchen sieht die Sicherungspflicht verletzt

Wegen vierfacher Tötung: Anzeige gegen die Bahn AG

Hohnhorst (tes). Seit dem Unfall am Bahnübergang Hohnhorst, bei dem im Juni vier Menschen ums Leben gekommen sind, beschäftigen sich nicht nur die Bürger mit der Gefahrenquelle auf der Hauptstraße. Jetzt ist die Situation am unbeschrankten Bahnübergang ein Fall für die Staatsanwaltschaft Bückeburg: Gegen die Bahn liegt eine Anzeige vor - wegen vierfacher Tötung.

veröffentlicht am 27.02.2009 um 14:48 Uhr

Im Rahmen der Aufzeichnung der Sendung "Jetzt reicht's" von NDR 1 Niedersachsen hat sich Rechtsanwalt Friedbert Wittum zu Wort gemeldet: "Ich vertrete ein Opfer, dasüberlebt hat." Mehr noch: "Am 22. Juni, nach dem letzten tödlichen Unfall, habe ich Strafanzeige wegen vierfacher Tötung gestellt", verkündete der Jurist aus Obernkirchen. Dessen Mandantin war ebenfalls zur Streitsendung im Hohnhorster Gasthaus Wille erschienen. Bärbel Beißner war 1990 an dem Bahnübergang mit ihrem Auto mit einem Zug kollidiert. Ebenso wie die tödlich verunglückte Fahrerin aus Wunstorf hatte Beißner das Rotlicht übersehen. "Es stimmt, dass man das Licht nicht sehen kann. Ich bin damals ebenfalls bei Rot rübergefahren, weil ich von der Sonne geblendet wurde." Der Wagen wurde ebenfalls vom Zug mitgeschleift. Doch Beißner hatte mehr Glück als die Familie, sie überlebte. Es folgte eine gegenseitige Klageerhebung und ein langwieriges Gerichtsverfahren. Ergebnis: Beißner musste etwa 100 000 Euro Schadenersatz an die Bahn zahlen. Mittlerweile wohnt sie in Rinteln, doch als sie von dem tragischen Unglück erfuhr, sei alles wieder hochgekommen. "Das nuss ein Ende haben", will Beißner die Bahn endlich zum Handeln bewegen, "damit nicht noch mehr Menschen ins Unglück gerissen werden." Ziel der Anzeige sei,öffentlichen Druck zu erzeugen, bestätigte Wittum: "Ich erwarte, dass die Staatsanwaltschaft eingreift." Die Ermittlungen liefen bereits. Diese sollen auch klären, wer bei der Bahn verantwortlich ist. Unstrittig sei für den Juristen: "Die Bahn ist ausreichend vorgewarnt worden. Anfangs konnten die Verantwortlichen noch behaupten, dass sie nichts gewusst hätten. Nach mittlerweile sieben Toten sollte diese Argumentation jedoch schwerfallen." Denn: "Wem bekannt ist, dass er eine gefährliche Anlage betreibt und nicht reagiert, handelt zumindest fahrlässig", verwies der Rechtsanwalt zudem auf ein BGH-Urteil. Demnach bestehe eine zusätzliche Sicherungspflicht seitens der Bahn. Wenn die Gefahrenquelle nicht schnell behoben werden könne, seien alternative Sofortmaßnahmen einzuleiten. "In diesem Fall müsste ein Lotse an den Bahnübergang gestellt werden", nannte Wittum ein Beispiel. Jonas Buchholz, der als offizieller Vertreter der Bahn AG an der Radiodebatte teilnahm, sprach davon, dass der Bahnübergang seit dem Unfall der Mandantin "unauffällig" geblieben sei. Bei der Antwort riss dem Juristen der Geduldsfaden: "Die Bahn ist schuld, schuld, schuld", schrie der Obernkirchener ins Mikrofon. Ein ausführlicher Bericht zu der Debatte folgt.

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