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Alte Polizei: Heftige Diskussion entspinnt sich nach Theaterstück zum Thema "Ehrenmord"

"Wegen der Ehre": Vom Recht aufs eigene Leben

Stadthagen (web). Anlässlich der "Interkulturellen Woche" in Schaumburg hat der Verein "MuKuz" das "Freie Werkstatt Theater" aus Köln mit dem Stück "Wegen der Ehre" auf die Bühne der Alten Polizei geholt. Stellenweise löste die Handlung heftige Reaktionen beim jugendlichen Publikum, Schülern der Integrierten Gesamtschule Schaumburg (IGS), der Haupt- und Realschule Am Schlosspark und der Berufsbildenden Schulen, aus.

veröffentlicht am 12.09.2007 um 00:00 Uhr

Yale (Sema Meray) hat in den Augen ihres Vaters (Vedat Erincin)

Autorin Sema Meray schrieb "Wegen der Ehre" im Jahr 2005 nach dem "Ehrenmord" an Hatun Sürücü in Berlin. Die junge Frau war mit drei Kopfschüssen von einem ihrer Brüder getötet worden. Ihr selbstbestimmtes Leben war für die Familie inakzeptabel. Schockiert von dieser Tat, schrieb Meray das Stück "Wegen der Ehre". Darin setzt sie sich mit der Bedeutung von Ehre und Familie innerhalb einer Kultur auseinander. Dargestellt wird die Handlung am Beispiel einer türkischen Familie. "Wegen der Ehre" erzählt von Yale (Sema Meray), einer in Köln geborenen Türkin, die sich nach 16 Jahren unglücklicher Ehe von ihrem Mann trennt und mit ihrer Tochter Yasemin, gespielt von Lilli Hollunder, in eine eigene Wohnung zieht. Unterstützung erfährt die alleinerziehende Mutter lediglich von ihrer besten Freundin Bea (Lena Sabine Berg). Eltern und Bruder ( Aydin Icik) lehnen das selbstbestimmte Leben Yales ab und versuchen alles, um sie zur Rückkehr in den Schoß der Familie zu bewegen. Doch Yale weigert sich und verteidigt ihre Vorstellungen eines freien Lebens. Die Konsequenzen sind hart: Der Vater (Vedat Erincin), der das Verhalten seiner Tochter als Schande für die Familie betrachtet, schreckt nicht davor zurück, Yale mit einer Waffe zu bedrohen. Das hochsensible Thema, das die Schauspieler eindringlich und ergreifend darstellten, rührte auch die Zuschauer an. Immer wieder wurden Zwischenrufe der Schüler laut, die das Bühnengeschehen kommentierten. Auch bei der der Aufführung folgenden Gesprächsrunde der fünf Akteure mit dem jugendlichen Publikum wurde heftig diskutiert. Dabei hatten die Schüler Gelegenheit, ihre Meinungen zu äußern. Auch Kritik wurde am Stück geübt. Sowohl Fragen nach dem Umgang mit den eigenen Eltern als auch den eigenen Verhaltensweisen stellten die Jugendlichen den Schauspielern. Einige Elemente des Stücks, wie zum Beispiel den Respekt vor Älteren, erkannten die Schüler in ihren eigenen Familien wieder. Auch das Thema Zwangsheirat wurde aufgegriffen und diskutiert.



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