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Vor Gericht: Hausfrau verzehrt Eis im Laden / 150 Euro Geldstrafe

Wegen 1,50 Euro vier Wochen hinter Gitter? Amtsrichter dagegen

Rinteln (maf). Eine 59-jährige Hausfrau, die in einem Einkaufsmarkt ein Eis im Wert von 1,50 Euro verzehrt und nicht bezahlt hatte, ist nun wegen Diebstahls zu einer Geldstrafe von 150 Euro verurteilt worden. Gleichzeitig hob Amtsrichter Christian Rost den Haftbefehl gegen die seit einer Woche in Untersuchungshaft sitzende notorische Diebin auf.

veröffentlicht am 04.09.2008 um 00:00 Uhr

An einem Juniabend 2006 betrat die Angeklagte ein Rintelner Warenhaus und ging mit einem Einkaufskorb durch den Markt. Ein aufmerksamer Detektiv beobachtete dann, wie die Frau ein Eis an sich nahm und die Verpackungöffnete. Die Rintelnerin aß das Eis und warf danach die Hülle unter ein Regal. Anschließend ging sie zur Kasse und zahlte die übrigen Waren. Nachdem der Kaufhausdetektiv die 59-Jährige hinter der Kassenzone auf den Diebstahl angesprochen hatte, bezahlte sie nachträglich an der Information das verzehrte Eis. Vor Gericht bestritt die Angeklagte jegliche Diebstahlsabsicht. "Ich weiß nur, dass es mir an dem Tag sehr schlecht ging", sagte die Rintelnerin und verwies auf Probleme mit ihrem Blutzucker. Sie habe das Eis gegessen und die Verpackung oben auf den Einkaufskorb gelegt, meinte die Hausfrau. Die Verpackung sei dann runtergefallen. Für diesen Ladendiebstahl sollte sich die 59-Jährige bereits vor einem Monat vor dem Amtsgericht verantworten. Als sie zur Hauptverhandlung nicht erschien, erging gegen sie Haftbefehl. Vor einer Woche wurde die Frau festgenommen und in Untersuchungshaft gebracht. Für die Justiz ist die Rintelnerin kein unbeschriebenes Blatt: Seit 1978 ist sie knapp ein Dutzend Mal wegen Diebstahls belangt worden. Staatsanwalt Dr. Markus Schreiber sprach von einem "30-jährigen Dienstjubiläum" der Angeklagten im Bereich des Diebstahls und forderte eine Freiheitsstrafe von einem Monat für die neuerliche Tat. "Für 1,50 Euro kommt bei mir keiner ins Gefängnis", äußerte Richter Rost und verurteilte die Frau zu einer Geldstrafe von 150 Euro.

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