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Bezirksschornsteinfeger Rainer Wiede wird verabschiedet - jetzt ist Frank Rinne für Rinteln zuständig

Wechsel bei den "schwarzen Glücksbringen"

Rinteln (cok). In jedem Rintelner Haus ist er schon gewesen und hat geprüft, ob mit der Heizungsanlage auch alles in Ordnung ist - der Bezirksschornsteinfeger Rainer Wiede, der nun offiziell aus seinem Amt verabschiedet wurde, genau zu einem Zeitpunkt, da sich der Schornsteinfegerberuf von Grund auf wandelt.

veröffentlicht am 21.12.2007 um 00:00 Uhr

Handschlag zum Abschied und Neubeginn: Rainer Wiede, Landrat Hei

"Du sagst gerade zur richtigen Zeit tschüss", meinte Innungsobermeister Gerhard Kahler in seiner interessanten Verabschiedungsrede, bei der neben einigen Kollegen und Freunden auch Kreisrätin Ursula Müller-Krahtz und Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier anwesend waren. Mit Beginn des Jahres 2008 tritt ein neues Schornsteinfegergesetz in Kraft, das erstmals einen Wettbewerb in die Bezirksschornsteinfegerei hinein trägt. Nicht mehr der Staat nämlich ernennt dann die Schornsteinfeger und teilt ihnen feste Bezirke zu, sondern jeder Schornsteinfegermeister kann frei um Kunden werben. Rainer Wiede, der vor 50 Jahren seine Lehre begann und seit 1990 Bezirksschornsteinfeger in Rinteln und Todenmann war, er lächelte vergnügt und nickte seinem Amtsnachfolger Frank Rinne zu, der bisher in Hameln tätig war und nun den Rintelner Bezirk übernimmt. Der blieb ganz gelassen, ist er doch schon gut vorbereitet auf eine Konkurrenz. Als geprüfter Energieberater und bald Fachberater für Innenraum-Lufthygiene und Brandschutz kann er seine Klientel in Zukunft auch um die sich immer mehr aufdrängenden Fragen rund um das Einsparen von Heizenergie beraten. Rainer Wiede selbst hat in der langen Zeit seiner Berufstätigkeit allerlei Veränderungen mitgemacht. Während er anfangs noch in der traditionell schwarzen Schornsteinfegerkleidung mit hohem Hut und Fegerwerkzeug durch die Gegend radelte, die Füße selbst bei Minustemperaturen noch nackt in den Schuhen - ein nicht ganz aufklärbarer Brauch unter den Kollegen -, wurde der Auftritt der "schwarzen Glücksbringer" in den siebziger Jahren sehr viel nüchterner, ging es doch mit den Ölheizungen nicht mehr so sehr darum, verrußte Schornsteine zu entsotten, sondern zu prüfen, ob die Emissionswerte auch den gesetzlichen Vorgaben entsprachen. Damals warenüber 50 Prozent der Anlagen zu bemängeln, und als in den achtziger Jahren vermehrt Gasheizungen dazu kamen, sah es nicht viel besser aus. Die Verordnungen gestatteten, dass ein Fünftel der Heizenergie nutzlos durch den Schornstein entschwand - und trotzdem konnten so viele Heizungsanlagen die inheutigen Augen absurd großzügigen Grenzwerte nicht einhalten. Wo bereits umgedacht worden war und Wohnungen luftdicht abgeschlossene Fenster besaßen, entstand für Besitzer einer defekten Heizung die große Gefahr, durch austretendes Kohlenmonoxyd zu sterben. Bevor die regelmäßigen Abgasmessungen eingeführt wurden, gab es regelmäßig Tote durch Abgasvergiftungen. Während dann aber die Bezirksschornsteinfegerarbeit in ganz ruhigen Bahnen verlief - einmal im Jahr wird jede Anlage im Bezirk geprüft und auch festgestellt, ob gemäß der neuen Energieeinsparungsverordnung eventuell ein Heizungsanlagenaustausch gefordert ist -, kommt auf den neuen Bezirksschornsteinfeger durch den bevorstehenden Wettbewerb mit anderen Schornsteinfegermeistern (die selbstverständlich auch aus den europäischen Nachbarländern stammen können) eine bewegtere Zeit zu. Frank Rinne aber ist durchaus optimistisch und freut sich auf seine erweiterten Aufgaben. "Wir haben ja eineÜbergangszeit von fünf Jahren", sagt er. "Unser Handwerk wird sich neu finden, indem wir ein neues Dienstleistungsangebot entwickeln. Es wird anders, sicher, aber nicht unbedingt schwerer."



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