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Warum Fleisch und Wurst plötzlich in den Biomüll gehören und was das für Folgen hat

Was soll der Braten auf dem Kompost?

Hameln-Pyrmont. Seit Anfang des Jahres gilt: In die Biotonne dürfen auch Fleischabfälle, während es für die Restmülltonne keine Mengenrabatte mehr gibt. Das wirft Fragen auf. Antworten gibt Sabine Thimm, Betriebsleiterin der Kreisabfallwirtschaft (KAW) Hameln Pyrmont. 

veröffentlicht am 16.01.2016 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 27.10.2016 um 11:41 Uhr

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Autor:

Interview: Dorothee Balzereit
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Hameln-Pyrmont. Seit Anfang des Jahres gilt: In die Biotonne dürfen auch Fleischabfälle, während es für die Restmülltonne keine Mengenrabatte mehr gibt. Das wirft Fragen auf. Antworten gibt Sabine Thimm, Betriebsleiterin der Kreisabfallwirtschaft (KAW) Hameln Pyrmont.

Frau Thimm, Fleisch und Wurst sollen nicht mehr in die Restmülltonne, sondern in die Biotonne oder auf den Komposthaufen. Birgt das nicht die Gefahr, dass Ratten oder anderes Ungeziefer angezogen werden?

Für die Biotonne nicht, bei der Eigenkompostierung sind das sicher nicht ganz unproblematische Stoffe, deswegen empfehlen wir die Nutzung der Biotonne.

Wird Fleisch im Kompost genauso schnell abgebaut wie pflanzliche Reste?

Fleisch sicherlich, bei den Knochen kann es natürlich länger dauern.

Gibt es besondere Regeln des Kompostierens, wenn ich Fleischabfälle auf meinen eigenen Kompost werfen will?

Man muss natürlich wie bei den anderen organischen Abfällen aktiv kompostieren, das heißt, dass ich den Kompost umsetze, den Kreislauf in Gang bringe. Beim Thermokomposter ist es etwas einfacher, weil er gegen Ungeziefer und Waschbären geschützt ist. Wenn ich eine offene Kompostierung habe, muss ich den Kompost unterarbeiten. Kompostieren heißt nicht oben draufwerfen.

Dürfen alle Fleischabfälle in die Biotonne oder gibt es Ausnahmen, wie rohes Fleisch und unbehandelte Knochen ?

Das ist nach unserer Satzung nicht ausgeschlossen. Das Kreislaufwirtschaftsgesetz des Bundes sieht eine Unterscheidung nicht vor. Das ist so ein bisschen das Problem: Das Gesetz sagt, sämtliche organischen Abfälle sind getrennt von anderem Müll zu erfassen und zu verwerten, und das geht nun mal nur über die Biotonne oder Eigenkompostierung. Ich persönlich würde das auch nicht auf meinen Komposthaufen werfen. Deswegen empfehlen wir jedem Kunden, insbesondere für diese Stoffe, die Biotonne zu nehmen. Organik ist Organik, und es ist gesetzlich vorgegeben, dass das im Restmüll nichts mehr zu suchen hat.

Wenn ich diese Stoffe nicht mehr in die Restmülltonne werfen kann und der Kompost nur eingeschränkt zu empfehlen ist, wird mir die Biotonne dann nicht quasi aufgezwungen?

Nein, ich kann ja kompostieren. Das obliegt der Entscheidung des Abfallerzeugers. Dann wird er eben aktiver kompostieren müssen. Wir empfehlen die Biotonne nur. Sie ist ja auch günstiger, um die Leute davon zu überzeugen, sich dieser Problematik zu entledigen.

Warum ist es der KAW überhaupt so wichtig dass dieser Müll in die Biotonne kommt?

Wichtig ist es uns, weil dieses Material relativ teuer entsorgt wird. Das muss ökologisch und ökonomisch schon gar nicht sein. Insofern ist es im Interesse aller Gebührenzahler, diese Stoffströme zu trennen und so wenig Organik wie möglich in die Müllverbrennungsanlage fahren zu lassen. Das ist unser Anspruch vor Ort, dass diese Trennung besser klappt. Über die letzte Hausmüllanalyse 2012 haben wir noch sehr viel Organik in den Restmülltonnen gefunden, sowohl bei Eigenkompostierern als auch – in etwas geringerem Maß – bei Biotonnennutzern. Und letzten Endes gibt es das Kreislaufwirtschaftsgesetz, was wir mit unserer Satzung als Ortsgesetzgeber umzusetzen haben. Da haben wir keine Entscheidungsfreiheit. Aber jeder Gebührenzahler an sich sollte auch schon das Bestreben haben, weil er letzten Endes partizipieren wird über seine Gebühr.

Die Vorstellung, dass eine Biotonne mit Fleischresten an Hochsommertagen enorm stinkt, liegt nahe. Ist das nicht eine Zumutung für den Bürger?

Wir empfehlen, Zeitungspapier oder Küchenrolle einzuarbeiten. Plastiktüten gehören nicht in die Biotonne. Man sollte eine gute Mischung mit Gartenabfällen hinbekommen. Die Tonne sollte natürlich nicht in der prallen Sonne stehen.

Und was ist mit den grünen Tüten für die Biotonnen, die es seit einiger Zeit gibt?

Die empfehlen wir nicht. Sicherlich verrotten die Tüten irgendwann, sie werden aber von den Verwertungsanlagen als Störstoff erkannt. Von den Entsorgern werden sie nicht empfohlen, und wir wollen sie in der Biotonne nicht haben.

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