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"Sinnesfreuden" im Ratskeller: Köstliches Essen, lustige Reime, gute Musik

Was passiert, wenn ein Kochüber die Weinprobe das Kochen vergisst

Rinteln (cok). Die "Sinnesfreuden", das ist eine seit Jahren vom Kulturring traditionell im dunklen September organisierte Veranstaltung, bei der Wortspiel, Musik und ein köstliches Herbstmenü im Ratskeller eine anregende und unterhaltsame Verbindung eingehen. So waren wieder alle Plätze im stimmungsvollen Kellergewölbe am Marktplatz ausgebucht, als Herbert Röhrkasten, begleitet von der Jazzcombo "Jazz-Talk", die Gäste mit allerlei Texten aus den Poesiealbum Wilhelm-Busch-verwandter Dichter unterhielt.

veröffentlicht am 12.11.2007 um 00:00 Uhr

Herbert Röhrkasten schenkte dem Publikum nichts. Foto: cok

Neu am diesjährigen Sinnesfreudenabend war, dass nicht Ulrich Schwabe, der in diesem Jahr starb, sondern nun Thomas Rathkolb als Geschäftsführer der Restaurants "Stadtkater" und "Waldkater" (aus dessen Küche das Essen geliefert wurde) die Gekommenen begrüßte, wobei sich im Laufe des Abends erwies: Die Menüfolge, die unter seiner Regie entstand, musste in nichts hinter denen seines Vorgängers zurückstehen. Kein Gast, den die "kräftige Brühe von Edelpilzen" nicht begeistert hätte, der nicht mit Hochgenuss das auf der Zunge zergehende "Zanderfilet unter Kartoffelkruste mit glacierten Navetten und Rauchspecksoße" oder die zarteste "lackierte Perlhuhnbrust mit Süßholz-Gewürzjus, Wirsingköpfen und Rahmpolenta" zu genießen wusste und mit erfreutem Staunen feststellte, dass sich unter dem "Birnenmousse im Baumkuchenmantel" ein ungewöhnlich geschmackvolles Quittenkompott entdecken ließ. Diese soüberzeugenden Geschmackssensationen konnten auch nicht durch Herbert Röhrkastens anfangs etwas gewöhnungsbedürftige Textauswahl beeinträchtig werden, und das wollte was heißen, denn der geübte Barde hatte sich nicht gescheut, auch solche Reimereien zum Besten zu geben, die manch drastische Unappetitlichkeit zum Thema hatten, wie zum Beispiel die Yorki-Trilogie von "Ody", einem Wilhelm-Busch-Preisträger, der genüsslich die tragischen Tode dreier Yorkshire-Terrier beschreibt: "Nichts verblieb von den Gebeinen/ die vom Husky, dem perfiden,/ wohlverdaut und ausgeschieden,/ irgendwo im Grünen liegen,/ gut besucht von vielen Fliegen,/ die Frau Basedow beneidet,/ weil sie fern des Leichnams leidet,/ während Fliegen sich und Maden/ in Pepitas Aura baden". Dafür aber trug er später, neben Kästner, Busch und Robert Gernhardt mit hochamüsanter Schauspielkunst Fritz Eckengas "Der Wein war ein Gedicht" vor, in dem ein Koch so lange hin und her probiert, ob der weiße oder der rote Wein besser zum Essen passt, bis er ganz und gar betrunken und das Essen ganz und gar hinüber ist. Dazu die souveräne musikalische Begleitung von "Jazz-Talk" - das war ein echtes Vergnügen. Bis nach Mitternacht zogen sich die "Sinnenfreuden" hin, wobei auch im Ratskeller gute Weine in Strömen flossen. Bis zum nächsten Jahr also, zur selben Zeit, am selben Ort.



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