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Zu Besuch in Deutschlands größter Gerberei / Herstellung im Wandel der Zeit

Was passiert, wenn die Kuh aus der Haut fährt?

veröffentlicht am 04.06.2015 um 06:00 Uhr

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Hehlen. Was verbirgt sich hinter dem Namen Heller-Leder? Heller-Leder ist eine Lederfabrik, die 1920 gegründet wurde und jetzt in der vierten Generation Leder produziert. Mit 200 Mitarbeitern ist sie die größte Lederfabrik Deutschlands und zeichnet sich durch Umweltfreundlichkeit aus.

Im Gebäude klang es und sah es nach einem Geheimlabor aus. Riesige Fässer drehten sich: in ihnen wird die Haut von dem Fleisch und dem Fell der Tiere getrennt. Dieser Prozess stinkt fürchterlich. Die Arbeit ist ziemlich anstrengend, daher finden sich auch nur wenige Arbeiter für diese Tätigkeit. Es war sehr laut, aber auch etwas unheimlich mit den dumpfen Geräuschen. Dennoch hatten alle Mitarbeiter ein Lächeln im Gesicht. Angesichts der Lautstärke und den großen Maschinen hatten wir ein bisschen Angst, doch man erklärte uns, dass alle Maschinen perfekt gesichert sind.

Die Ledergerbung hat früher ein halbes Jahr gedauert, heute nur 24 Stunden. Es gibt drei verschiedene Techniken, um das Leder zu trocknen. Eine Möglichkeit ist die Vakuummaschine. Dort wird das Leder zwischen zwei Platten gelegt, die warm werden und das Wasser verdunstet. Dieser Vorgang dauert sechs Minuten. Die zweite Möglichkeit ist, dass man das Leder auf einen Rahmen spannt und es durch einen riesigen Föhn fahren lässt. Die dritte Möglichkeit besteht darin, dass man die Leder unter die Decke hängt und diese in einem Zeitraum von sechs Wochen das Wasser abgeben. Früher wurde das Leder auf eine warme Platte gelegt, wo das Wasser kondensieren konnte. Nach diesen Vorgängen ist das Leder hellblau. Danach wird getestet, ob es reißfest ist. Je weniger Chemie auf dem Leder ist, umso weicher ist es.

Damit das Leder schön aussieht, werden dann die gerissenen und beschädigten Häute aussortiert. Im oberen Teil von Heller-Leder gibt es eine eigene Etage nur für die Färberei. Bestellt ein Kunde bei Heller-Leder eine Farbe, wird er diese mit einer Genauigkeit bis zur Spitzenklasse bekommen. Alle Farben sind auf Bestellung mischbar. In der Farbhalle stehen Tausende Fässer mit bunten Farben. Durch eine Sprühmaschine wird die Bestellung mit der gemischten Farbe verglichen. Man kann auf zwei verschiedene Arten färben: Die erste Art zu färben, ist das Leder in großen Fässern mit Farbe zu tränken. Die zweite Methode besteht darin, die Häute anzusprühen. Das Sprühen erfolgt in einem Farbkarussell, unter dem ein Laufband mit Leder durchfährt. Ein eigenes „Farbbüro“ prüft die Farben nach. Heller produziert für hochwertige Möbelmarken und teure Autos, wie zum Beispiel für Porsche. Dieses Leder wird von Helcor, einer Schwesterfirma, gestanzt. Man braucht fünf Lederhäute für einen Porschesitz und 15 bis 20 für ein durchschnittliches Sofa. Eine einzige Lederhaut kostet 350 bis 400 Euro. Da das Leder von Heller-Leder besonders umweltschonend und aufwendig hergestellt wird, ist es auch so teuer. Daher haben sie auch schon viele Umweltpreise gewonnen, wie zum Beispiel den Blauen Engel, der ein hoch angesehenes Umweltsiegel ist. Zum Beispiel verbrannte man früher bei der Olivenernte viele Blätter. Der Rauch schadete der Umwelt. Heller Leder entnahm den Olivenblättern ein Extrakt, mit dem sie gerben konnten. So stoppten sie diese Umweltverschmutzung. Außerdem verfügen sie über eine Biogasanlage und eine Kläranlage. Diese ist die zweitgrößte des Landkreises Holzminden. Sie hat eine Kapazität für über 85 000 Menschen, wird aber ausschließlich für die Lederproduktion in Hehlen verwendet. Ein eigenes Labor prüft in kurzen Abständen, ob das Wasser richtig gereinigt ist. Über Teiche und Kanäle führt Heller Leder das gereinigte Wasser zurück in die Weser. Das Angebot, im Labor einmal in die Mikroskope schauen zu dürfen, begeisterte uns alle sofort. Wir würden auch einen zweiten Besuch sehr spannend finden und bedanken uns für die tolle Führung.



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