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SPD zerpflückt Gutenbrunner-Gutachten / Rat will den Heilbad-Status / Edeka-Entscheidung im März

"Was hat Bad Eilsen mit Wildemann zu tun?!"

Bad Eilsen. Die Politiker von CDU und SPD haben sich am Montagabend im Haus des Gastes - einstimmig - dafür ausgesprochen, für den Kurort binnen drei Jahren das Prädikat "Heilbad" anzustreben und den dafür nötigen Masterplan auf den Weg zu bringen. Es ist die einzige Entscheidung von Substanz, die während der "Info-Ratssitzung" getroffen wird.

veröffentlicht am 13.02.2008 um 00:00 Uhr

Autor:

Thomas Wünsche

Die Entscheidung, ob der B-Plan Arensburger Straße geändert wird, um Edeka den Bau eines Neukaufs zu ermöglichen, wird dagegen auf den nächsten Sitzungstermin vertagt - voraussichtlich in der dritten Märzwoche, wenn auch der Haushalt verabschiedet werden soll. Der Grund: Heinz Gustav Wagener, Chef der Serviceagentur beim Heilbäderverband Niedersachsen und von Bürgermeister Horst Rinne (CDU) extra zur Ratssitzung geladen, kann und will den Politikern die erwartete Antwort auf die Frage, ob ein Neukauf die Anstrengungen fürs Heilbad konterkariert oder nicht, nicht geben. "Ich bin dafür der falsche Mann. Da müssen sieProfessor Gutenbrunner als Gutachter fragen", bedauert Bad Pyrmonts früherer Kurdirektor auf eine entsprechende Frage von Dr. Willi Dreves (CDU). Nur so viel: "Zumindest nach Aussage des Gutachters kann eine zusätzliche Belastung der Luft nicht toleriert werden." Der Professor indes wäre offenbar gerne zur Sitzung erschienen, aber der Termin passt nicht. Als Wagener wenig später erklärt, der Edeka-Markt sei im Ständigen Ausschuss der Serviceagentur "kein Thema" gewesen, erntet er aus den Reihen der Zuschauer ebenso schallendes wie ungläubiges Gelächter. "Sie können nichts dafür, dass Ihnen hier der Wind ins Gesicht weht", dämpft Rolf Prasuhn (CDU) die Emotionen. Tatsächlich kann Wagener in der Folge mit einer Menge Informationen zum Thema Prädikatisierung aufwarten - nur eben nicht mit den erhofften. Mit Blick auf die Argumente für den Neukauf ist es indes der Abend der SPD. Deren Vize-Vorsitzender Hans-Jürgen Winkelhake verliest gleich zu Beginn der Sitzung eine Erklärung, in welcher er die von Rinne der Einladung beigefügten Erläuterungen als "starker Tobak" und als "nicht nachvollziehbar" bezeichnet, denn: "Demnachhaben wir die Wahl, entweder ,Heilbad' oder - nur - ,Erholungsort' zu werden. Ersteres, wenn wir auf den Markt verzichten, letzteres, wenn wir darauf bestehen." Winkelhake fragt sich daher: "Sollen die Befürworter des Neukaufs als diejenigen hingestellt werden, die das Prädikat ,Heilbad' für BadEilsen verhindern?" Wie auch immer. Wer das Gutachten Gutenbrunners einmal - kritisch - lese, komme in vielen Punkten zu ganz anderen Ergebnissen. Winkelhake: "Wenn die Wiesenstraße, wie vorgeschlagen, 30 Meter in den Kurbereich hinein verlegt wird, trägt das kaum dazu bei, die Luftqualität im Zentrum von Bad Eilsen zu verbessern." Und wie vertrage sich die im Gutachten geforderte Reduzierung des Verkehrs mit dem geplanten Bau eines Carawanplatzes - mit Zufahrt von der Bahnhofstraße? Wenn das Papier ferne fordere, dass alle Grundstücke mit Erdgas versorgt werden müssen, dann sei das obsolet. "Es gibt in Bad Eilsen nur noch ein einziges, dass über eine Ölheizung verfügt." Ganz starkes Geschütz fährt der Vizefraktionschef der SPD auf, als er eine vielleicht verräterische Entgleisung auf Seite 14 des Papiers aufs Korn nimmt. Dort tauche nämlich in dem Absatz, der sich mit "Klimawechsel durch Ortsveränderung" beschäftigt, völlig unvermittelt der Ortsname "Wildemann" auf. "Das heißt für mich: Es wurde ein Gutachten für Wildemann (Oberharz) erstellt, das für Bad Eilsen lediglich angepasst wurde - den ,falschen' Ortsnamen hat man dabei versehentlich stehen gelassen." Ein Fingerzeig dafür sei auch, dass das Gutachten im Zusammenhang mit Bad Eilsen häufig von "Mittelgebirge" schreibe. Indes: Wagener bedauert, dass die Kontroverse um den Markt "so spät" geführt wird und die Diskussion diese "Unwucht" hat - "sie hätte eigentlich schon zu Beginn des Prädikatisierungsverfahrens abgeschlossen sein müssen."



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