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Solidarität mit einem unterdrückten Volk / Meinberg: "Zur Seite stehen und den Mund öffnen"

"Was geht uns hier das Schicksal von Tibet an?"

Obernkirchen. Es grenzt an die Länder Nepal, Bhutan, Indien und Myanmar, es ist fast so groß wie Westeuropa, die durchschnittliche Temperatur liegt bei einem Grad: Tibet, das Dach der Welt, wirft eine Frage auf - was geht uns hier das Schicksal der Menschen eigentlich an? Schließlich sei man hier in Obernkirchen eine kleine Kirchengemeinde, also weit weg, zudem handle es sich bei den Menschen dort nicht einmal um Christen, sondern um Buddhisten

veröffentlicht am 17.06.2008 um 00:00 Uhr

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Autor:

Frank Westermann

"Viel", meint Wilhelm Meinberg und zählt auf der Solidaritätsveranstaltung für das besetzte "Autonome Gebiet Tibet", wie es offiziell heißt, gleich drei Gründe auf. Erstens: Die eigene Betroffenheit mit dem Schicksal der durch die Chinesen unterdrückten Tibeter, schließlich sei man als Christ aufgerufen, "zur Seite zu stehen und den Mund zu öffnen". Die nächsten Mitmenschen, das seien heute nicht mehr nur diejenigen, die man persönlich kenne, sondern auch jene, "über die wir etwas erfahren". So würden jene Menschen nicht vergessen werden. Dass über Tibet geredet und für das Land demonstriert werde, das sei gut so:"Die mächtigen Staaten bewegen sich nur, wenn sie dazu gedrängt werden." Der zweite Grund sei die Religionsfreiheit. Als Christ könne man seinen Glauben öffentlich bekennen, das müsse auch für andere Religionen möglich sein: "Das verbindet uns, auch wenn uns die unterschiedlichen Gottesvorstellungen trennen." Und drittens: Gott wünsche eine Welt, in der die Menschen miteinander leben. Auch in Tibet müssten sich Güte und Treue begegnen, Frieden und Gerechtigkeit sich küssen, wie es in Psalm 85 heißt. Dieser Psalm wird auch auf einem schwarzen Armband zitiert, mit dem im Vorfeld und während der Olympischen Spiele sowieder Paralympics im Sommer 2008 Christen ein sichtbares Zeichen des Protestes gegen Menschenrechtsverletzungen in China und Tibet setzen. Dazu hat Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann aufgerufen. Elke Schönbeck, die zusammen mit ihrem Bruder Ralf die Solidaritätsveranstaltung organisiert hatte, erinnerte an die Toten seit dem Einmarsch der chinesischen Armee: Hunderttausende Opfer forderte die Besetzung. Die Großmächte der Welt hätten Tibet damals in Stich gelassen und auf die angebliche unklare Rechtslage verwiesen, erläuterte Elke Schönbeck. Von 6000 Klöstern beim Einmarsch der Chinesen hätten nur acht überlebt, alle anderen seien geplündert und zerstört worden. Heute nutze China Tibet, um dort seinen Atommüll komplett zu entsorgen, willkürliche Verhaftungen, Folter und Zwangssterilisationen seien an der Tagesordnung. Die Menschenrechtsverletzungen seien immer schlimmer geworden, Menschenrechtsaktivisten seien tot oder in Haft. Zudem gab es im Gemeindezentrum einen kleinen Filmüber Tibet, der aber selten über folkloreprächtige Bilder hinausfand: arme, aber hart arbeitende Bauern, die die ochsenähnlichen Yaks vor den Pflug spannen und "am spirituellsten Ort der Welt" (O-Ton Film) die Scholle bestellen. Einen kleinen Misston gab es am Ende der Veranstaltung, als ein Schaumburgerüber seine gute Erfahrungen im und mit dem Land der Mitte berichten wollte und sich von einem anderen Zuhörer brüsk mehrfach unterbrechen und belehren lassen musste: Hier sei Tibet und nicht China das Thema. Das war inhaltlich vielleicht richtig, im Ton indes inakzeptabel: Die Kirche sollte als Ort, an dem jeder frei und vor allem zu Ende sprechen kann, eine sichere Bank bleiben. Nach einer guten Stunde wurde vor der Roten Schule die tibetische Flagge gehisst, die Nationalhymne erklang dazu aus den Kassettenrekorder. Gut 60 Zuhörer gingen in der Gewissheit nach Hause, dass Tibet auch in Obernkirchen jeden etwas angeht.



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