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Was fliegt denn da – und tut es mir weh?

veröffentlicht am 26.07.2010 um 20:08 Uhr

Von Lena Christin Ohm

Sorgfältig streicht Josephine die dunkelblaue Picknickdecke zurecht. Von kleinen Obsthäppchen bis hin zu süßer, eisgekühlter Limonade hat sie an alles gedacht – nur nicht an das lästige und störende Getier, das sie binnen kürzester Zeit belagert. Um sie und ihren Freund Bastian herum summt und surrt es. Sie wissen nicht mehr, nach welchem Insekt sie zuerst schlagen sollen. Aber muss alles gleich erschlagen werden?

Biene

Diese eifrigen, kleinen Majas ernähren sich rein vegetarisch und greifen Menschen nur an, wenn sie bedrängt werden, denn ein Stich bedeutet gleichzeitig den Tod des Tieres. Kleine Widerhaken sind dafür verantwortlich, dass der Stachel in der Haut stecken bleibt, was einen Bienen- oder Wespenstich schmerzhafter macht als den einer Hummel. Die Giftdrüse im Stachel injiziert nämlich noch so lange Gift, wie der Stachel steckt.

Bremse

Sie ist zwischen April und August an schwülen Tagen besonders aktiv. Ihr Stich ist sehr schmerzhaft spürbar, da die Mundwerkzeuge wesentlich größer sind als bei der Mücke. Das gerinnungshemmende Sekret der Bremsen ermöglicht bei relativ großen Stichwunden ein Weiterbluten. Nach dem Einstich tritt Juckreiz auf, und nach einiger Zeit bildet sich eine Quaddel. Angelockt werden Bremsen von Schweiß, und in einigen Fällen hält sie auch Kleidung nicht vom Stechen ab.

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Harmlos für Menschen: Die Schnake sticht nicht.

Hummel

Über Hummeln gibt es zwei bekannte Vorurteile: Hummeln dürften gemäß der Aerodynamik nicht fliegen können, und sie können nicht stechen. Dass dieses Tier trotzdem fliegt, ist bekannt, dass die Weibchen sehr wohl stechen können, nicht. „Trotzdem muss niemand Angst vor der Hummel haben“, beruhigt Christian Wiemeyer von der Unteren Naturschutzbehörde der Stadt Hameln, denn das Tierchen sei äußerst friedlich. Außerdem geben Hummeln vor dem Stich deutlich Warnsignale wie besonders lautes Brummen und eine ungewöhnliche Rückenlage.

Hornisse

„Sieben Stiche töten ein Pferd, drei Stiche einen Menschen“, übertreibt der Volksmund – denn das Hornissengift ähnelt dem der Wespe oder Biene und weist sogar noch eine geringere Toxizität auf. „Die große Angst vor einem Stich liegt sicherlich auch an der Größe des Tieres“, schätzt Wiemeyer. Die Königin könne durchaus 35 Millimeter groß werden, ihre Arbeiterinnen immer noch 25 Millimeter. Außerdem empfindet die Mehrheit einen Hornissenstich als schmerzhafter. „Der größere Stacheldurchmesser und die Länge des Stachels, der in tiefere, empfindlichere Hautschichten eindringen kann, sorgen für stärkere Schmerzen“, erklärt die Hautärztin Dr. Astrid Lustig. Nach Einschätzung von Christian Wiemeyer reagieren die in Deutschland unter Artenschutz stehenden Tiere im Normalfall auch nicht aggressiv, sondern suchen ihr Heil in der Flucht. Begegnungen mit Hornissen am Kaffeetisch oder beim Picknick, wo sie dem Menschen das Essen streitig machen, seien eher selten, da sie nicht an Süßspeisen naschen.

Libelle

Nach diesen schnellen Fliegern muss man weder schlagen noch sie auf eine andere Art und Weise vertreiben, denn Libellen können nicht stechen. „Es gibt einige Arten, die einen ,Legestachel’ haben. Dieser dient jedoch ausschließlich zum Ablegen der Eier“, beruhigt Wiemeyer.

Schnake

Die Schnake zählt zur Familie der Mücken, lebt aber nicht von Blut, sondern von verschiedenen Säften wie Wasser und Nektar. Andere Nahrung können Schnaken durch ihre weichen Mundwerkzeuge, die die menschliche Haut nicht durchdringen können, auch nicht aufnehmen – sie sind also für Menschen vollkommen ungefährlich.

Stechmücke

Nach diesem kleinen Insekt würde wahrscheinlich jeder schlagen. Meistens bemerkt man es jedoch nicht, wenn die speziell angepassten Mundwerkzeuge der weiblichen Stechmücke die Haut durchstechen. Dabei sondern sie einen Blutgerinnungshemmer und ein leichtes Narkotikum ab, was neben dem Juckreiz auch für Rötung und Schwellung verantwortlich ist. Um der Mückengefahr zu entkommen, sollte man im Sommer Seen oder Teiche meiden.

Stubenfliege

Sie wird häufig mit der gemeinen Stechfliege verwechselt, ist jedoch kein Blutsauger. Die einzige direkte Gefahr für den Menschen besteht durch die mögliche Übertragung von Krankheitserreger auf Lebensmittel.

Wespe

Ein oft, aber nicht gern gesehener Gast beim Picknick. Dabei ist Wespe nicht gleich Wespe. „Im Augenblick fliegt die Sächsische und die Mittlere Wespe, beides äußerst friedfertige Tiere, die kein menschliches Essen mögen“, sagt Wiemeyer. Diese Wespen hätten der Behörde bisher noch keine Probleme bereitet.

Dafür rechne er mit mehr ärgerlichen und gestochenen Leuten, sobald die Deutschen, Gemeinen und Kurzkopf-Wespen wieder unterwegs sind, denn die seien diejenigen, die ans Essen gingen und dabei in einer Bedrohungssituation zustechen würden. Dann heißt es: Ruhig bleiben! Hektische, schlagende Bewegungen reizen sie nur.

Wadenstecher

Diese Fliege, auch als Gemeine Stechfliege bekannt, sieht aus wie eine große Stubenfliege, fügt dem Menschen aber schmerzhafte Stiche zu. Im Gegensatz zu den Bremsen oder den meisten Mücken stechen beide Geschlechter und saugen Blut. Der Saugvorgang dauert etwa acht Minuten. Der Wadenstecher fliegt von Juni bis Oktober, vermehrt jedoch im Spätherbst.

Tipps: Was kann man machen, um beim Essen im Freien nicht zerstochen zu werden?

Obstbäume als Picknickplatz meiden.

Helle Decken verwenden, da Insekten ungern auf hellen Stoffen landen.

Keine bunten, flatternden Kleidungsstücke anziehen.

Parfüm und Schweiß ziehen Stechinsekten an.

Da es bei all diesen Ratschlägen aber keine Gewähr gibt, ist Vorsorge ratsam, damit es nicht zu Stichen kommen kann. „Autan“ ist zum Beispiel ein beliebtes Abwehrprodukt gegen Mücken. Durchgehend positive Rückmeldungen hat ebenfalls das Fenistil-Gel gegen Juckreiz bekommen.

Kühlen sollte man die Einstichstelle auf jeden Fall und auch eine leichte Cortison-Creme kann Linderung verschaffen. Bei allergischen Reaktionen sollten Patienten umgehend den Arzt aufsuchen. Denn nur die können stärkere Cortison-Cremes oder das Notfallset für Allergiker verordnen.

Sommerzeit ist Picknickzeit. Ob auf der Decke oder der Terrasse – überall wird draußen gegessen. Da kommen auch schon mal ungewollte Besucher vorbeigeflogen, die uns unser Essen streitig machen. Aber welche Insekten stechen und welche sind harmlos?

Hornissen stehen unter Artenschutz: Sie sind nicht aggressiv und suchen normalerweise ihr Heil in der Flucht.

Wunderschön anzuschauen und völlig harmlos: Libellen stechen nicht.

Fiese Quaddeln bilden sich nach dem schmerzhaften Stich einer Bremse.

Nicht alle Wespenarten bereiten Probleme. Gefährlich sind die Stiche für Allergiker.

Völlig harmlos, aber oft nervig: die Stubenfliege.

Sie wird häufig mit der gemeinen Stechfliege verwechsel, ist aber kein Blutsauger. Allerdings kann sie Krankheitserreger auf Lebensmittel übertragen.



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