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2013 endet das Kehrmonopol der Bezirksschornsteinfeger / 18 Dienstleister sind es im Landkreis

Was bringt die Revolution auf dem Dach?

Hameln (roh). Im September vergangenen Jahres titelte die renommierte Süddeutsche Zeitung: „Revolution auf den Dächern“. Gemeint war damit die Ende November 2008 in Kraft tretende Änderung des Schornsteinfegergesetzes, die auf Druck der EU zustande gekommen war. Die Revolution in der Gesetzesänderung: Das fast 80 Jahre währende Kehrmonopol der Bezirksschornsteinfeger endet 2013 mit der dann endgültigen Freigabe bestimmter Tätigkeiten im Schornsteinfegerwesen für alle Schornsteinfeger. Bis zum 1. Januar 2013 gilt eine Übergangsregelung.

veröffentlicht am 30.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Marco Schulenburg in seinem Bezirk in der Bahnhofstraße: „

Der Landkreis Hameln-Pyrmont wird derzeit von 18 Bezirksschornsteinfegern versorgt. Allerdings verbleiben auch nach 2013 wichtige Aufgaben in den Händen der Bezirksschornsteinfeger. Kreismeister Martin Wassermann klärt auf: „Die Feuerstättenschau bleibt weiterhin Aufgabe der Bezirksschornsteinfeger.“ Wer aber Kehrungen und Messungen der Feuerstätten vornehme, das entscheide der Kunde ab 2013 selbst, so Wassermann weiter.

Aber der Kunde entscheidet nicht nur selbst, sondern er trägt auch mehr Verantwortung, wie der Schornsteinfegermeister erklärt: „Bisher ist es Aufgabe der Bezirksschornsteinfeger, die Prüfintervalle einzuhalten und die Kunden über den nächsten Prüftermin zu informieren. Ab 2013 muss der Kunde selbst darauf achten.“ In der Übergangsphase sollen die Bezirksschornsteinfeger für jede Feuerstätte einen sogenannten Feuerstättenbescheid erstellen. Da jeder Bezirksschornsteinfeger im Landkreis in etwa gleich viele Feuerstätten betreut – laut Wassermann zwischen zehn- und fünfzehntausend – scheint das vom Gesetzgeber eingeräumte Zeitfenster von rund fünf Jahren ausreichend.

Doch das ist graue Theorie, wie Wassermann feststellt: „Es gibt zwar einen Entwurf für einen Feuerstättenbescheid, der aber von der Innung noch nicht freigegeben wurde.“ Die Software, die für die Erfassung der Daten auf das neue Gesetz umgestellt werden muss, sei noch nicht fertig. So sammeln die 18 Bezirksschornsteinfeger derzeit Daten aller Feuerstätten, sofern die nicht ohnehin vorliegen, in der Hoffnung, dass sie bald mit dem Versenden der Bescheide beginnen können. Denn ohne einen solchen Bescheid kann ein Kunde gar keinen anderen Schornsteinfeger beauftragen. „Der Feuerstättenbescheid ist zwingend notwendig, um Kehr- oder Meßaufträge auszuführen“, weiß Wassermann. Und sein Kollege, Schornsteinfegermeister Marco Schulenburg, der für Bezirksschornsteinfeger Arno Grabowsky arbeitet, stimmt dem zu: „Bei uns im Betrieb gibt es zu jeder Feuerstätte eine penibel geführte Dokumentation, so dass wir im Grunde genommen schon loslegen könnten.“

Von der Änderung des Gesetzes erhofft sich der 35-jährige vor allem einen fairen Wettbewerb und eine Steigerung des Angebots und des Service. Der Profi macht sich aber auch Sorgen um die Sicherheit: „Wenn ausländische Anbieter versuchen sollten, über Preisdumping an Aufträge zu kommen, dann wird die Qualität leiden.“ Viele Kunden indes fürchten sich vor einem Anstieg der Bürokratie, wie Bezirksschornsteinfeger Wassermann in Gesprächen mit Kunden und Kollegen immer wieder erfährt. Dass sich die Beendigung des Kehrmonopols positiv auf die Preise auswirkt, bezweifelt Wassermann. „Wir haben in Deutschland mit etwa 22 Euro für eine Kehrung ein erschreckend niedriges Preisniveau“, sagt er und führt aus, dass man in der Schweiz rund 50, in Holland und Frankreich sogar um die 70 Euro für eine Kehrung berappen müsse. „In England und Frankreich werden Schornsteinfeger händeringend gesucht“, sagt Wassermann. Ironie des Gesetzes: Zwar dürfen unter bestimmten Voraussetzungen ab 2013 – und unter Auflagen bereits schon jetzt – ausländische Schornsteinfeger in Deutschland aktiv werden, ihren deutschen Kollegen ist eine Tätigkeit außerhalb Deutschlands verboten.

Wie sich die Preise nach 2013 entwickeln, ist derzeit Spekulation. Dem Vernehmen nach werden es aber vor allem die ländlichen Haushalte sein, die mit Preissteigerungen von bis zu 60 Prozent zu rechnen haben, während in der Stadt bestenfalls mit einem gleich bleibenden Preis gerechnet wird. „Entscheidend sind die Anfahrtzeiten“, erklärt Wassermann. Während man in der Stadt quasi Haus an Haus zu versorgen habe, entstehen durch die zum Teil kleinen Dörfer höhere Kosten.

Im Nachbarland Österreich ist die Freigabe bestimmter Schornsteinfegertätigkeiten bereits Realität. „Den Schornsteinfeger gewechselt haben dort aber lediglich fünf Prozent“, sagt Wassermann und befürchtet eine überbordende Bürokratie. „Planungssicherheit gibt es für uns derzeit nicht. Wir machen unsere Arbeit wie bisher und werden nach 2013 unsere Dienstleistung mit noch mehr Service bereichern.“



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