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Was bereitet Probleme beim Kunststoff-Recycling?

Die Deutschen gelten als Meister im Mülltrennen und Wiederverwerten von Plastikabfall. „Weltmeister“, sagt Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD). Aber auch das deutsche Recyclingsystem hat Schwächen. Manches soll sich in diesem Jahr ändern, manches nicht. Eine Auswahl:

veröffentlicht am 18.01.2019 um 16:21 Uhr

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1. Nicht jedes Plastik ist recycelbar – oder wird recycelt. Es gibt viele unterschiedliche Plastiksorten, nicht aus allen wird wieder ein Nutzgegenstand. Benjamin Bongardt vom Nabu nennt das Beispiel PET: Flaschen aus Polyethylenterephthalat können wieder Flaschen werden, PET-Schalen als Verpackung für Obst werden dagegen nicht recycelt. Auch Folien machen mitunter Probleme. Oft ist das Verbrennen billiger als das Wiederverwerten. Vom gesamten Plastikmüll werden laut Bundesumweltministerium rund 45 Prozent „stofflich wiederverwertet“, also nicht verbrannt. Das neue Verpackungsgesetz erhöht von diesem Jahr an die Quoten, zunächst auf 50 Prozent, 2022 sind 63 Prozent vorgesehen.

2. Manchmal geht Design vor Umwelt. Eine Waschmittelflasche wird schwarz gefärbt, eine Shampoo-Flasche ist komplett von einer dünnen bedruckten Folie umschlossen. Das mag gut aussehen – erschwert oder verhindert aber oft das Recycling, weil die Maschinen das Material nicht erkennen und sortieren können. Sei diesem Jahr müssen deswegen die Dualen Systeme von den Herstellern für schlecht recycelbare Verpackungen höhere Lizenzgebühren verlangen als für andere. Manche Hersteller wollen auch keine Recyclate, also wiederverwertetes Plastik, einsetzen, weil es zum Beispiel grau ist statt strahlend weiß.

3. Nicht das ganze Plastik landet im Recycling-System. Viele wissen gar nicht, dass sie in die Gelben Sack nur Verpackungen werfen dürfen. Also eigentlich – zum Beispiel – keine Strohhalme, aber die Folie um die Halme schon. So landet vieles im Restmüll. Eine orangefarbene Wertstofftonne, in die jedes Plastik (und Metall) hinein darf, kann den Anteil erhöhen. Es gibt sie aber nur, wo sich Kommunen und Duale Systeme darauf verständigen.

4. Irgendwann ist Schluss mit Recycling. Bei manchen Kunststoffarten, insbesondere bei PET-Flaschen, ist ein geschlossener Kreislauf möglich, aber die Regel ist das nicht. Recycling ist oft „Downcycling“: Aus PET-Einwegflaschen wird dann zum Beispiel doch keine neue Flasche, sondern Fasern für die Textilindustrie, die nicht erneut wiederverwertet werden können. Die Plastiksorten PE und PP, also die mehrheitlich eingesetzten Polyolefine, verlieren bei jeder Behandlung an Qualität.

5. Tücken des Systems. Die verschiedenen Verpackungsmüll-Entsorger – die Dualen Systeme – stehen in Konkurrenz zueinander. Immer wieder gibt es Klagen über „schwarze Schafe“, die rechtliche Schlupflöcher nutzen und Billig-Angebote auf Kosten der anderen machen, sowie Unstimmigkeiten bei den gemeldeten Abfall-Zahlen. Für Streit sorgt unter anderem Verpackungsmüll etwa aus dem Online-Versandhandel, für den niemand Lizenzgebühren gezahlt hat. Seit diesem Jahr soll die „Zentrale Stelle Verpackungsregister“, eine neue Behörde für mehr Transparenz sorgen. dpa



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