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Herzspezialist mahnt: Auch beim Breitensport solltenärztliche Kontrollen Routine werden

Warum Volksläufer gefährlich leben...

Rinteln (wm). Sport wird als Lebenselixier in jedem Alter propagiert, auch für Senioren. Das sei zwar grundsätzlich richtig, doch sollte sich jeder, der sich vom Sofa erhebt und sportlich werden will, beispielsweise in einem Fitnessstudio, zuerst von einem Arzt untersuchen lassen, ehe er loslegt. So die dringende Empfehlung des Rintelner Herzspezialisten Dr. Thorsten Figura. Dr. Figura hatte sich im Rahmen von Vorträgen von Chefarzt Dr. Horst-Helmut Krause und Dr. Christian Vielhauer von der Inneren Abteilung des Kreiskrankenhauses über die zunehmende Diagnose Herzklappenfehler im Rahmen eines Arzt-Patienten-Seminars speziell mit dem Thema Sport beschäftigt.

veröffentlicht am 18.11.2008 um 00:00 Uhr

Ärzte raten: Auch vor einem Volkslauf wie dem Rintelner Volksban

Gerade im Breitensport werde - anders als bei den Profis - der Arzt erst zurate gezogen, wenn es ernsthafte Probleme gibt. Für Figura erschreckend: Beim London-Marathon mit 4000 Teilnehmern habe eine Umfrage unter den Läufern ergeben, dass 98 Prozent keine Kenntnis ihres persönlichen Risikoprofils hatten - einfach zu ermitteln über Blutdruck, Blutzucker und Cholesterinwerte. Im Grunde, mahnte Dr. Figura, sollten Veranstalter von Volksläufen wie dem Rintelner Volksbanklauf darauf dringen, dass Teilnehmer bei der Anmeldung auch ein ärztliches Attest vorlegen. Eine solche Untersuchung sei für Freizeitsportler völlig problemlos. Figura: Bereits mit einem EKG könne man 80 Prozent der plötzlichen Herztode im Sport verhindern. Nicht umsonst sei bei Bundesligaprofis die jährliche fachärztliche Untersuchung mit Ruhe- und Belastungs-EKG und Herz-Ultraschallkontrolle bereits Routine. Dass regelmäßiges Ausdauertraining grundsätzlich zu empfehlen ist, weil man damit die Chance hat, länger und gesünder zu leben, steht für Dr. Figura wie seine Kollegen außer Frage: Bei entsprechendem Training könne ein 60-Jähriger so fit sein wie ein untrainierter 40-Jähriger. Auch wer bereits eine Herzerkrankung habe, müsse - in Absprache mit seinem Arzt - nicht auf Sport verzichten, sondern sollte angepasst trainieren. Entscheidend sei hier die Diagnose. Unabhängig davon sollte man dabei gewisse Regeln beachten. So seien Tennis, Badminton und Wettkampfsportarten, bei denen die Grenze der Leistungsfähigkeit schnell überschritten werde, für Senioren wie bereits vorgeschädigte Personen nicht ratsam. Besser sei Ausdauersport wie moderates Joggen, Radfahren oder Wandern. Grundsätzlich gelte: Bei Atemnot, Übelkeit, Schmerzen oder starkem Schwitzen sollte man das Training sofort abbrechen. Lange Zeit hätten Rehabilitationskliniken Herzpatienten das Schwimmen verboten - eine Einschätzung, von der man inzwischen abgerückt sei. Patienten sollten nur beachten, dass die Wassertemperatur nicht zu hoch ist (beispielsweise in Thermen) und die Belastungsfähigkeit zuerst auf einem Fahrradergometer geprüft wird. Wer einen Cardioverter-Defibrillator (AICD) trägt, sollte allerdings auf den Schwimmsport verzichten und Patienten, die Marcumar einnehmen, wegen der Verletzungsgefahr Wettkampf- wie Kontaktsport meiden.



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