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Sparkasse Weserbergland legt Bilanz 2009 vor / Vorstand spricht von „Konjunkturklemme“

Warum „nicht sexy“ auch positiv sein kann

Hameln. Über 100 000 Kunden zählt die Sparkasse Weserbergland, die von 349 Mitarbeitern und 20 Azubis betreut werden. Das Institut feiert in diesem Jahr einen 100. Geburtstag und freut sich über die Bilanz 2009, die „ein gutes Plus“ offenbart. So sehen der Vorstandsvorsitzende Friedrich Wilhelm Kaup und Vorstandsmitglied Thomas Greef das Ergebnis als Erfolg eines „erdverbundenen Geschäftsmodells“. Mit ihnen sprach Redakteurin Birte Wulff.

veröffentlicht am 22.03.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Sie sprechen von dem besten Ergebnis seit Bestehen – wie sieht das aus?

Kaup: Seit der Fusion zur Sparkasse Weserbergland im Jahr 1999 haben wir in wichtigen Teilbereichen das beste Ergebnis erzielt. Unsere Kundeneinlagen sind auf 1,15 Milliarden Euro gestiegen, das Eigenkapital um zwei Prozent auf 99 Millionen Euro, und den Jahresüberschuss haben wir auf 1,9 Millionen Euro gesteigert. Erfolgreich war die Sparkasse ebenso im Bauspargeschäft mit rund 50 Millionen Euro Abschlussvolumen sowie in der Vermittlung von Versicherungen. Die wichtige Cost-Income-Ratio beträgt 66 Prozent. All das spiegelt die Bedeutung der Sparkasse Weserbergland in der Region und das enorme Vertrauen der Kunden in uns das wider. Zum 100. darf man sich da auch mal selbst loben…

Womit genau feiern Sie denn eigentlich den 100.?

Kaup: Mit der Sparkassenidee im Wirtschaftsraum an der Weser. Das Jubiläum geht auf das Gründungsdatum der ehemaligen Kreissparkasse Hameln-Pyrmont im Jahr 1910 zurück. Die Wurzeln reichen noch weiter zurück: Die Vorgängersparkassen in Bodenwerder wurde 1844, die in Polle 1854 in Bad Münder 1857 und die in Hessisch Oldendorf 1860 gegründet.

Und wie wollen Sie den Geburtstag feiern?

Kaup: Am 5. Juni mit vielen Kundenfesten bei allen 30 Geschäftsstellen, also auch dort, wo es SB-Stellen gibt – überall mit einem umfangreichen Rahmenprogramm. Wir erwarten dazu insgesamt 30 000 Gäste. Für unsere Träger, den Landkreis Hameln-Pyrmont, Hessisch Oldendorf und Bodenwerder gibt es am 1. Oktober einen Festakt, zu dem der Sparkassenpräsident kommt, und für die Mitarbeiter ist natürlich auch etwas geplant.

Was haben Sie im Krisenjahr anders gemacht als andere Institute?

Kaup: Wir haben auf unser bodenständiges Geschäftsmodell gesetzt und sind nicht den Verlockungen des schnellen, spekulativen Geldes unterlegen – wie heißt es so schön auf Englisch: „Not sexy, but solid“. Das gilt auch für die Volksbanken. Wir haben uns vorrangig in den Dienst unserer Privatkunden und des Mittelstandes in dieser Region gestellt. Solidität hat sich ausgezahlt. Das haben wir auch an der positiven Entwicklung unserer Kundeneinlagen gemerkt, und wir haben mehr Kundenkonten denn je zuvor.

Hatten Sie damit gerechnet?

Kaup: Nein, zu Beginn 2009 nicht, aber wir haben tatsächlich alle Zahlen über Plan erfüllt und ein sehr ordentliches Betriebsergebnis erzielt, das zehn Prozentpunkte über dem des Vorjahres liegt.

2009 betrug das Volumen der Kredite, das sie vergeben haben, vier Prozent weniger als im Vorjahr – woran liegt’s?

Greef: Ganz gewiss nicht an uns! Zwar übersteigen die Tilgungen bereits ausgeliehener Kredite seit einiger Zeit das Neugeschäft, aber wir haben im vergangenen Jahr drei Prozent mehr Kredite zugesagt als im Vorjahr – und dieser positive Trend hält bereits das dritte Jahr in Folge an. Wir haben also definitiv keine Kreditklemme, eher eine Konjunktur- oder sogar Demografieklemme.

Wie meinen Sie das?

Greef: Gegen die schwach ausgeprägte Investitionstätigkeit in unserer Region kommen wir nicht an, insbesondere im privaten Wohnungsbau, unserem Brot-und-Butter-Geschäft. Wenn nicht gebaut wird, werden auch keine Kredite nachgefragt – wir werden hier halt kein Konjunkturwunder mehr erleben. Aber wir hoffen, dass die Menschen jetzt zum Beispiel unseren Energie-Kredit nutzen, um in energetische Maßnahmen zu investieren. Davon profitieren dann auch die heimischen Handwerker, wir natürlich auch, und die Immobilien werden werthaltiger.

Wie viel Geld könnten die Unternehmen und Privatkunden denn jetzt noch bei Ihnen an Krediten nutzen?

Greef: 700 Millionen Euro könnten wir jetzt noch vergeben, nachdem wir im Jahr 2009 98,2 Millionen Euro an Krediten neu bewilligt haben.

Kaup: Ich möchte das noch ergänzen – zu einer fairen Beratung gehört im Interesse der Kreditnehmer ein klares Wort und eine entsprechende Bodenhaftung. So erhält bei uns jeder Kunde Kredit, der diesen nach unserer Einschätzung auch wirklich zurückzahlen kann. Das sind wir unseren Sparern schuldig.

Gebaut wird weniger, sagten Sie gerade selbst – was machen Sie vor diesem Hintergrund mit den zahlreichen Grundstücken, die der Sparkasse gehören?

Kaup: Wenn man durch die Region fährt, muss man sich wirklich fragen: Wo drehen sich hier die Baukräne? Die Grundstücke werden nicht so nachgefragt wie erhofft. 300 Stück haben wir mit unseren beiden Tochterunternehmen der Sparkasse Weserbergland FinanzServices GmbH und er Erschließungsgesellschaft im Angebot. 190 davon sind erschlossen. Wir sponsoren in diesem Jahr jedes unserer verkauften Grundstücke – und denken aber auch positiv und planen neue Erschließungsgebiete, zum Beispiel in Hemeringen, wo Schule und Kita nebenan liegen.

Werfen wir einen Blick auf die Vereine und Verbände, die von der Ihnen unterstützt werden. Bekommen Sie es zu spüren, dass einige Unternehmen in der Krise die Sponsoringbudgets kürzen und geben Sie selbst auch weniger?

Kaup: Für die Sparkassenstiftungen Hameln-Pyrmont und Hessisch Oldendorf halten sich die Anträge auf einem sehr hohen Niveau. Was ich feststelle, ist, dass größere Summen beantragt werden.

Greef: Bei der Stiftung der Stadtsparkasse Bodenwerder sind tatsächlich erheblich mehr Anträge eingegangen.

Wie viel Geld stellen Sie denn bereit?

Kaup: Mit den Erträgen aus dem Stiftungskapital unserer drei eigenen Sparkassenstiftungen Hameln-Pyrmont, Bodenwerder und Hessisch Oldendorf haben wir im Jahr 2009 die ehrenamtliche Arbeit mit 103 700 Euro unterstützt, und zusammen mit der Sparkasse haben wir fast eine Million Euro Förderleistung in die Region eingebracht. Das ist jährlich nahezu gleich bleibend, und das hilft und entlastet auch die heimischen Kommunen.

Was erwarten Sie für dieses Jahr?

Kaup: Zur Region sei gesagt: Die Sache schönzureden, nützt keinem. Wir erwarten mehr Insolvenzen als noch im vergangenen Jahr 2009. Wir als Sparkasse Weserbergland werden aber weiter investieren und bauen aktuell für 1,5 Millionen Euro die Geschäftsstelle in Eimbeckhausen neu. Grohnde und Börry erhalten neue SB-Geschäftsstellen – als Flächensparkasse ist das ein klares Bekenntnis zu der Region. Denn zwei Drittel des gesamten Auftragsvolumens kommen erfahrungsgemäß dem heimischen Handwerk zu Gute.

Greef: …und weil wir wachsen, haben wir für die Kundenberatung sechs neue Mitarbeiter eingestellt.

Friedrich Wilhelm Kaup (Mitte) und Thomas Greef im Gespräch mit Dewezet-Redakteurin Birte Wulff. Die Geschäfte sind gut gelaufen, in diesem Jahr wird gefeiert. Foto: Wal



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