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Warum hatte Holtensen wieder den Kanal voll?

veröffentlicht am 09.10.2009 um 18:23 Uhr

Aufräumarbeiten in Holtensen

Hameln (tis). Nach sintflutartigen Regenmassen in der Nacht zu Donnerstag ist der Reimerdeskamp eine Schlammwüste, wälzt sich durch den Magnolienweg in Holtensen wieder einmal eine braune Erdlawine, stehen in der Hamelner Nordstadt etliche Keller unter Wasser. Viele betroffene Anwohner sind verärgert, fordern Abhilfe von der Stadt. „Gegen so einer Rekordregenmenge gibt es aber keinen perfekten Schutz“, bedauert Stadt-Pressesprecher Thomas Wahmes.

Es seien außergewöhnliche Regenmengen, stellenweise zwischen 60 und 70 Liter auf den Quadratmeter, innerhalb eines ganz kurzen Zeitraums im Raum Hameln niedergegangen. „Darauf ist in keiner Stadt das Kanalnetz ausgelegt, so groß kann kein Abwassersystem dimensioniert sein“, erklärt Wahmes. Erschwerend bei diesem Unwetter kam die Jahreszeit hinzu. Der Pressesprecher: „Viele Äcker waren gerade abgeerntet oder frisch eingesät, so konnte das lose Erdreich problemlos fortgespült werden.“ Außerdem verstopfte Laub auf den Straßen sehr schnell die Gullys und Kanaleinläufe, daher die Schlammmassen auf dem Reimerdeskamp, die von den Äckern, zudem an einer Hanglage gelegen, nach unten gespült wurden. „Gleiches konnte wir im Hottenbergsfeld oder an der B 217 in Hilligsfeld beobachten“, sagt Wahmes.
 Für den Pressesprecher steht aber auch fest, dass der im Jahr 2004 in Betrieb genommen innerstädtische Sammler besonders in der Nordstadt Schlimmeres verhindert hat. Dass es dort noch Keller gegeben habe, die unter Wasser gestanden hätten, liege sicher daran, dass die Abwasserleitungen aus den einzelnen Straßen diese Regenmengen einfach nicht aufnehmen konnten. „Wir hatten aber in früheren Zeiten schon bei wesentlich geringen Regenmengen vollgelaufene Keller in der Nordstadt. Das ist jetzt nicht mehr der Fall, und das zeigt die Wirksamkeit des großen Abwasser-Sammlers“, so Wahmes.
 Aus dem Bereich des Magnolienwegs in Holtensen beklagen sich viele Anwohner, dass sie nun schon zum wiederholten Mal auf ihren Grundstücken und Häusern von Schlammmassen praktisch überrollt wurden. „Wir finden aber niemanden, der dafür die Verantwortung übernimmt und für Abhilfe sorgt“, erklärt Thomas Lange als Betroffener, der jetzt bereits zum dritten Mal gegen Schlammmassen angekämpft hat. Seit Jahren führt der Holtenser Gespräche: „Die führen aber zu nichts. Der eine schiebt es auf den anderen, das sind untragbare Zustände!“
 Wahmes glaubt, hier sei es die besondere Lage der Wohnhäuser in einer Talsohle mit großen Ackerflächen hinterm Haus hinauf zum Franzosenkopf, die Probleme schaffe. Es komme zu einer Trichterwirkung, aus der das Wasser nicht schnell genug ablaufen könne. Zwar gibt es hinter den Grundstücken eine Schutzmauer zum Hang, aber auch die war einfach überspült worden.
 „Selbstverständlich sind wir bemüht mit allen Beteiligten in Holtensen eine Lösung zu finden. Doch vor solch großen Regenmengen gibt es einfach keinen optimalen Schutz“, betont Wahmes. Jetzt will die Stadtverwaltung mit der Realgemeinde und Landwirten sprechen, damit Gräben frei gehalten und ständig gepflegt werden. Burkhard Krüger, Vorsitzender des Realverbandes Holtensen, verweist darauf, dass vor 17 Jahren nach einem ähnlichen Unwetter bereits ein neuer Graben angelegt wurde. „Den haben wir erst vor vier Jahren ausbaggern lassen. Der Graben war in Ordnung, nur kann er diese Wassermassen nicht aufnehmen.“ Der Realverbandes-Vorsitzende sieht vielmehr ein Problem darin, dass hier eine Bebauung überhaupt genehmigt wurde.
 Thomas Lange wird das nicht zufriedenstellen: Er fordert mehr und größere Gräben, stärkere Abwasserleitungen, Grünsteifen, die den Schlamm aufhalten, und die regelmäßige Beseitigung des Bodens an der Schutzwand.
 Bei der Kläranlage gab es durch die Regenmassen keine nennenswerte Probleme. „Die Anlage hat die zusätzlichen Abwässer gut verkraftet, das System läuft einwandfrei“, berichtet Wahmes. Zudem gäbe es Sicherheitssysteme. Werde die Abwassermenge zu groß, werde teilweise das ankommende Regenwasser direkt in die Weser abgeleitet.

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