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Der Niederländer wird in seiner Heimat nie wieder Bier bestellen / Morgen singt der Jazzchor Minden in der Stiftskirche

Warum gibt es denn nicht jedes Jahr ein Symposium?

Obernkirchen. Zwei Stunden Material hat Adolf Bartels, zweiter Vorsitzender des Veranstalters "IOBS" und mit seiner Handkamera auch Chronist des diesjährigen Symposiums, schon abgedreht, im November will er daraus eine gut 60-minütige Dokumentation zusammenstellen. Der Altbürgermeister ist in diesen Tagen, wie manch anderer auch, auf dem Kirchplatz allgegenwärtig und wird häufig angesprochen. Nahezu immer ist es die gleiche Überlegung, diedie Besucher anstellen: Könnte man das Symposium nicht jedes Jahr durchführen? Wäre es nicht schön, alle zwölf Monate mit so einem Mega-Event aufzutrumpfen? Die Idee hat durchaus etwas für sich, scheitert aber an der Praxis. So müssten erstens deutlich mehr Sponsoren aufgetrieben werden, dieneben (und in der Größenordnung) der Sparkasse Schaumburg und dem Obernkirchener Sandsteinbruch das Symposium unterstützen, zweitens wäre es wohl nicht möglich, jeden Sommer eine derartige "Man-Power" aufzutreiben, denn nicht wenige der umtriebigen Helfer haben sich für das Symposium Urlaub genommen, viertens würde eine wahre Inflation an Kunstwerken über die Stadt hereinbrechen und das Ereignis damit abwerten, und fünftens würde sich Steinbruch-Chef Klaus Köster bestimmt bedanken, wenn alle zwölf Monate eine Horde Bildhauer an seine Tür klopft und rund zehn Kubikmeter Sandstein begehrt - kostenlos, versteht sich. Nein, es wird fraglos beim gewohnten und bewährten Rhythmus bleiben: Symposium ist nur alle drei Jahre.

veröffentlicht am 26.08.2006 um 00:00 Uhr

Strenge Regeln: Von morgens um 7 bis 9.30 Uhr darf mit der Flex

Autor:

Frank Westermann

G estern war es recht ruhig auf dem Platz, vorgestern Abend war es voll. Die milde Abendsonne, die Aussicht auf gute Kunst und der traditionelle Auftritt des Männergesangvereins lockten stattliche Besucherzahlen auf den Kirchplatz. Und auch in der Kirche, im Nonnenchor und im "Raum der Stille" waren den Tag über viele Menschen unterwegs, um sich einen Überblick über die Exponate der Begleitausstellung zu verschaffen. Eine hübsche Anekdote hat Bartels auch erzählt. Am Sonntag, beim Empfangsessen der Veranstalter für die Künstler, hat er die Bildhauer mit den Farben der Stadt vertraut gemacht: unten gelb und oben weiß - wie beim Bier. Worauf Jos Beurskens dann geantwortet hat, er werde sich künftig in seiner Heimat, den Niederlanden, in der Kneipe kein Bier mehr bestellen, sondern ein "Obernkirchener". Heute und morgen darf auf dem Kirchplatz mit größeren Besuchermengen gerechnet werden, die Künstler haben sich darauf eingestellt: Ernsthaft arbeiten wird wohl niemand, jederzeit Auskunft geben wolle jeder. Denn auch daran erkennt man die Symposiums-Profis: In der ersten Hälfte wird richtig losgelegt, dann hat man in der zweiten Woche viel Zeit. Das entspannt und gibt Raum, um mögliche Fehler zu beheben oder Probleme zu lösen. Etwas zu hören, was nicht nach "Hammer trifft Meißel" klingt, gibt es auch: Im Rahmen des Bildhauer-Symposiums wird der Jazzchor Minden am morgigen Sonntag um 17 Uhr in der Stiftskirche ein Konzert geben. Der Eintritt ist frei, Spenden für das Symposium und die Arbeit des Chores sind willkommen. Der Jazzchor Minden möchte mit seinem Auftritt ganz bewusst das bedeutende Obernkirchener Kulturereignis unterstützen. Bei einem Probenwochenende auf dem Bückeberg hatten die 40 Sängerinnen und Sänger vor Jahren das Bildhauersymposium kennen und schätzen gelernt. Ihr Angebot, beim diesjährigen Symposium zu singen, wurde vom Trägerverein IOBS gern angenommen. Um die Rhythmen des Lebens kreisen die Lieder - mal fetzig, mal besinnlich - und die Arbeit des Chores. Darum macht den Mitwirkenden das Singen so viel Spaß. Der Chor hat ein treues und wachsendes Publikum, das sich von Gesang und Freude der swingenden Frauen und Männer gern anstecken lässt. Unter der Leitung des Jazzmusikers Pit Witt konnte sich der Chor seit seiner Gründung vor 17 Jahren ein vielfältiges Programm von Jazzstandards erarbeiten, macht aber auch gern Ausflüge in den Pop- oder Gospelbereich. Häufig tritt er in Kirchen auf - die Verbindung von Jazz und sakralem Raum eröffnet den Hörern neue Zugänge zu den alten Räumen. In Obernkirchen hat der Jazzchor Minden zum ersten Mal vor zwei Jahren beim Gemeindefest der ev.-luth. Kirchengemeinde gesungen, rund 250 Zuhörer waren recht begeistert. Man muss kein Prophet sein: Das wird auch dieses Mal nicht anders sein.

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