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Keine Woche ohne Ankündigung: "Abwasserbetrieb spült Kanalleitungen"

Warum der Toilettendeckel klappert und Fett gefährlicher ist als Fäkalien

Rinteln (wm). Keine Woche ohne eine Spülwarnung: "Prüfen Sie ihre Entwässerungsanlage auf einen ordnungsgemäßen Zustand, schließen Sie ihre Rückstauventile - soweit vorhanden" schreibt dann der Abwasserbetrieb der Stadt und viele Bürger rätseln, was tun, wenn sie keine Rückstauventile haben - und warum werden eigentlich ständig die Kanäle gespült?

veröffentlicht am 27.02.2009 um 07:21 Uhr

Der Spülkopf, den hier Frank Bredemeier zeigt, räumt mit satten

Das müsse etwas mit der Spartaste an der Toilettenspülung zu tun haben, mutmaßt eine Leserin am Telefon, vermutlich laufe wegen der Ökowelle nicht mehr genügend Wasser durch die Kanäle. Peter Koller, technischer Leiter des Abwasserbetriebes, gibt Entwarnung: Nein, niemand, der Wasser spare, müsse ein schlechtes Gewissen haben. Wegen der Spartaste müssten die Kanäle nicht gespült werden. Bei einem modernen Trennsystem hätten die Schmutzwasserkanäle ein besonderes Profil, unten schmal, oben breit, die umgekehrte Birnenform, dazu ein Gefälle, das für die richtige Fließgeschwindigkeit sorgt. Der geringere Wasserdurchlauf durch eine Spartaste, schilderte Koller, könne langfristig allenfalls für den Haushalt selbst ein Problem bringen. In den Hausleitungen setzt sich nämlich mit der Zeit Urinstein fest. Was dagegen die Kanäle verstopfen kann, ist die selbe Substanz, vor der auch Kardiologen warnen: Fett, das über Geschirrspülmaschinen und die Küchenspüle in den Ausguss läuft. Fett klebt an den Rohrwänden fest und ist nur mit einem Hochdruckreiniger abzukriegen. Würde man hier nicht spülen, wäre das für Ratten wie ein gedeckter Tisch. Das freigelöste "Material" wird dann abgesaugt in eine Kammer des Spülwagens und zur Kläranlage transportiert. Weil professionell betriebene Küchen, also Gaststätten, besonders viel Fett verarbeiten, ist hier der Betrieb eines so genannten Fettabscheiders Vorschrift - das ist aufwändig und teuer. Die Versuchung liegt nahe, an der Reinigung zu sparen. Beim Abwasserbetrieb gibt es deshalb ein regelrechtes Fettabscheider-Kataster - jederneue Gaststättenbetrieb wird gemeldet und sollte es wegen Fettablagerungen im Kanal Probleme geben, ist der Sünder meist schnell gefunden. Diese Hochdruckspülung bringt es mit sich, dass dann in den Häusern "der Toilettendeckel klappert", wie verschreckte Bürger schon der Spülwagenbesatzung gemeldet haben. Es ist der Luftdruck, der sich bis in die Hausleitungen fortsetzt. Für Hauseigentümer ist so ein Spülvorgang auch ein guter Test, ob Hausentwässerung wie Entlüftung in Ordnung sind: Läuft nämlich Wasser aus der Badewanne oder Toilette, stimmt etwas nicht. Dann empfiehlt es sich, den Abwasserbetrieb zu verständigen. Auch wer ein Rückstauventil einbauen lassen möchte, dem rät Koller eine Rücksprache mit dem Abwasserbetrieb. Sinnvoll sei diese Technik bei Räumen, die unter dem Straßenniveau liegen, beispielsweise bei Hanglage. Der Spülwagen im Gegenwert eines kleinen Einfamilienhauses ist übrigens High Tech: 400 PS, 330 Liter Spülwasser pro Minute. Im Jahr 1993 hat der Abwasserbetrieb ein Kanalkataster erstellt, mit einer Kamera sind Schäden im Kanalsystem geortet - und, erläuterte Koller, auch inzwischen beseitigt worden. Ohnehin mache sich der Normalbürger kaum eine Vorstellung von der weit verzweigten "Unterwelt" zu seinen Füßen und von dem Aufwand, der betrieben werden muss, um das System intakt zu halten. So unterhält und steuert der Abwasserbetrieb unter anderem drei Kläranlagen, 40 Hauptpumpwerke, 169 kleine Pumpwerke, elf Sonderbauwerke wie Regenrückhaltebecken und rund 270 Kilometer Kanal. Es istübrigens nicht so, dass der Spülwagen laufend unterwegs wäre: Er kommt meist nur einmal im Jahr und dass es so oft in der Zeitung steht, hat einen einfachen Grund: Rinteln hat viele Straßen. Die nächsten Kanäle werden übrigens vom 9. bis 13. Juli in den Straßen Unter der Frankenburg, Zum Tannengarten, Alte Poststraße und Am Moorhof gespült.



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