weather-image
11°

...auch wenn sie sich das Schulzentrum teilen

Warum AEG und IGS nicht wirklich zusammenwachsen können...

Hameln. Von Zusammenwachsen zweier Schulen ist im politischen Diskurs um das Schulzentrum Nord immer wieder die Rede. Doch wie weit können zwei Schulen überhaupt zusammenwachsen, die unterschiedliche pädagogische Konzepte verfolgen? Viel Gemeinsames gibt es laut der Schulleitung nicht.

veröffentlicht am 06.03.2016 um 17:08 Uhr
aktualisiert am 16.03.2016 um 08:10 Uhr

270_008_7843402_hm101_Schulzentrum_Nord_Wal_0703.jpg

Autor:

von Andrea Tiedemann

Die „gemeinsame Adressbildung“ – das ist es, was Architekt Ulrich Zech bei seinem Entwurf des Schulzentrums Nord immer besonders wichtig war. Vom Zusammenwachsen zweier Schulen war im politischen Diskurs immer wieder die Rede – am kommenden Mittwoch soll der Rat über das Geld für das Schulzentrum Nord beschließen. Doch wie weit können zwei Schulen überhaupt zusammenwachsen, die unterschiedliche pädagogische Konzepte verfolgen?

Wolfgang Weber, Leiter des Albert-Einstein-Gymnasiums, stellt klar: „Es gibt keinen Einheitsbrei.“ Er verstehe nicht, wie man überhaupt auf die Idee kommen könne, dass AEG und IGS zusammenwachsen – schließlich unterschieden sich die Schülertypen der beiden Schulen stark. Während das grundsätzliche Ziel des Gymnasiums immer noch sei, alle Schüler zum Studium zu befähigen, stehe bei der IGS der gemeinsame Unterricht von Schülern unterschiedlicher Interessen im Vordergrund. Hier sei das Ziel, jeden Schüler – auf individueller Ebene – zu einem passenden Abschluss zu führen.

Was kann es also an wirklichen inhaltlichen Gemeinsamkeiten geben – abseits von gemeinsamer Mensa- und Büchereinutzung?

Gemeinsamer Unterricht in manchen Bereichen sei zwar theoretisch „denkbar“, so Weber, aber erst, wenn klar sei, wie die Oberstufe geregelt werde. Im Sek-I-Bereich hingegen sei dies schlicht nicht möglich, weil das AEG Notenzeugnisse vergibt und das IGS Berichtszeugnisse. Auch Gudrun Kruppe, Leiterin der IGS, ist nicht ganz klar, wie sich die Politik bei den Plänen des Schulzentrums Nord eigentlich ein Zusammenwachsen vorgestellt hat. „Ein gemeinsamer Stundenplan ist jedenfalls nicht möglich.“

Ist die „gemeinsame Adressbildung“ also ein rein formaler Akt? Eine Art „Corporate Identity“ für das Schulzentrum, mit dem sich Schüler beider Schulen identifizieren können, gebe es „mit Sicherheit nicht“, so Kruppe. Was aber nicht bedeuten soll, dass die Schulen nicht – in sinnvollen Bereichen – kooperieren.

„Deutliche Zunahme von Steuerungsproblemen

im Schulbereich“

Ob hierfür allerdings ein gemeinsames Gebäude der Schulen wirklich nötig gewesen wäre, ist fraglich. „Wir arrangieren uns recht gut“, sagt Kruppe, „genauso gut wäre aber auch eine Trennung möglich“. Und für den Fall, dass die Schülerzahlen der Schulen steigen, sei Kruppe jedenfalls keine Anbau-Option für das Schulzentrum bekannt.

Weber fordert, weg von den ideologischen Vorstellungen der Politik zu kommen – und stattdessen mehr in die Schulen hineinzugucken. Das komme nicht nur bei der Frage des Schulzentrums, sondern bei der gesamten Schulentwicklungsplanung zu kurz, sind sich Weber und Kruppe einig. Denn neben der Sichtweise der Politik sollten auch die der Verwaltung und der Schulen intensiver mit einbezogen werden. Der pädagogische Ansatz und damit das Interesse und das Wohl der Schüler stehe dabei im Vordergrund, so die Schulleiter – um eine langfristige und nachhaltige Schulplanung zu gewährleisten. Früher, so schreiben die Schulleiter, habe man die verschiedenen Sichtweisen in Workshops zusammengeführt, um so zu möglichst abgesicherten Entscheidungen zu kommen. „Dies ist vor einigen Jahren aufgegeben worden und wir nehmen seitdem eine deutliche Zunahme von Steuerungsproblemen im Schulbereich wahr“, schreiben Weber und Kruppe. Sie fordern, diese Art der Zusammenarbeit wieder aufzunehmen.

Gute Schule, schädliche Debatte?

Die Diskussion über die Kosten des Schulzentrums Nord sei für das AEG schädlich, kritisiert Leiter Wolfgang Weber. Eltern würden verunsichert und seien zögerlich bei den Anmeldungen. Durch die „Sparbremse“ der Verwaltung habe es einen Einbruch der Anmeldezahlen gegeben. Dabei sei das AEG eine gute Schule, betont Weber – und belegt dies mit dem Ergebnis der jüngsten Niedersächsischen Schulinspektion. „Ein hervorragendes Ergebnis“, so habe der Kommentar des zuständigen schulfachlichen Dezernenten, Andreas Blasche-Hesse, gelautet, teil die Schule mit. Die Inspektion selbst gibt auf Anfrage keine Auskunft über das Ergebnis. Grundlage für die Wertung seien 47 Unterrichtsbesuche gewesen, so Weber. Als Beispiel habe die Inspektion den hohen Anteil von 60 Prozent problemorientierter Aufgaben genannt. Auch die Sozialformen Plenum, Einzelarbeit und kooperative Lernformen hätten etwa gleich Anteile. In mehreren ausführlichen Gesprächsrunden mit der Schulleitung, den Lehrkräften und Mitarbeitern, den Schülervertretern und den Elternvertretern sei der Eindruck bestätigt worden, dass auch bei der Ausgestaltung der schulischen Prozesse „ein hohes Niveau und damit ein prima Ergebnis“ erreicht worden sei, zitiert das AEG die Inspektoren. Neben dem schuleigenen Arbeitsplan und dem Sprachenportfolio sei besonders die Zusammenarbeit der Lehrkräfte und Mitarbeiter gelobt worden, so Weber.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2019
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Anzeige
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare
    Kontakt
    Redaktion
    E-Mail: redaktion@dewezet.de
    Telefon: 05151 - 200 420/432
    Anzeigen
    Anzeigen (Online): Online-Service-Center
    Anzeigen (Telefonisch): 05151 / 200 - 666
    Abo-Service
    Abo-Service (Online): Online-Service-Center
    Abo-Service (Telefonisch): 05151 / 200 777

    Keine Zeitung bekommen? Hier zur Zustell-Reklamation.
    X
    Kontakt