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Das 7. Bildhauersymposium hat offiziell begonnen / Männer mit Überblick - und Kommunikationsproblemen

Warten, warten, warten - bis der Stein endlich spricht

Obernkirchen. Dienst ist Dienst, und Schnaps ist Schnaps. Daher haben alle Künstler die spendierte Flasche Grappa beim traditionellen Empfangsessen im Restaurant "Salve" in Rolfshagen stehen gelassen: Sie wird erst bei der Abschlussfeier geöffnet.

veröffentlicht am 22.08.2006 um 00:00 Uhr

Fortgeschritten: Christoph Schindler wird sich mit dem Thema "Kl

Autor:

Frank Westermann

Und so haben alle Teilnehmer gestern morgen ziemlich ausgeruht ihre Arbeit auf dem Kirchplatz aufgenommen und sich mit Elan in das Abenteuer Symposium gestürzt. Nur zwei fehlten. Ted Carrasco, der erst am späten Sonntag angekommen war und sich gestern Morgen im Obernkirchener Steinbruch "seinen" Block aussuchte, und Dominika Griesgraber, die erst spät in der Nacht in Obernkirchen eintraf und Schlaf nachholte. Am Arbeiten ist auch Itai Nyama. Der Mann aus Zimbabwe blickt auf seinen Stein - und wartet. "Jeder Stein spricht", erklärt er in gutem Englisch, "man kann hören, was in ihm steckt." Das wird der 1975 geborene und damit zu den jüngeren Teilnehmern zählende Afrikaner dann herausarbeiten. DenÜberblick hat derweil Jos Beurskens. Der Niederländer hat sich eine Leiter beschafft und schaut seinen am Boden liegenden Stein von oben an, nickt zufrieden und hebt kurz die Hände - wie Leo DiCaprio in "Titanic": Und tatsächlich: "King of the world" schallt es über den Kirchplatz. Dort ist unter den Besuchern auch ein alter Bekannter: Friedo Schange aus Telgte, der beim Symposium 2003 für die interaktive Arbeit zuständig war: Er setzte bildhauerisch um, was ein japanischer Künstler ihm via Internet vorgab. Gestern ist er zum Symposium gekommen, weil er in der Nähe weilte. Ein bisschen Neid gesteht er sofort ein: Weniger, weil er in diesem Jahr nicht mitmachen kann, sondern weil er in seiner Werkstatt derartige Blöcke gar nicht bearbeiten könnte. Schange arbeitet bildhauerisch in einer Klinik in Münster mit Behinderten. "Leider hat meine Werkstatt dort Stufen. Einen derartigen Block bekommt man da gar nicht rein." Schange nutzt die Gelegenheit, um alte Bekannten zu begrüßen: Kai Lölke und Ted Carrasco, beide Teilnehmer am sechsten Symposium. Ab heute wirdübrigens werktäglich der Film über Josef "Jupp" Franke gezeigt: "Der Herrgottsschnitzer" läuft jeweils um 19 Uhr in der Sakristei der Stiftskirche. Das Trafohäuschen, wo Burkhard und Margareta Sinn zum vierten Mal bei einem Symposium hinter dem Tresen stehen, ist morgens ab 10 Uhr geöffnet. Und unsere Zeitung hat eine Bildergalerie im Internet eröffnet: www.schaumburger-zeitung.de/bildergalerie/ . Weitere Impressionen gibt es auf den Internet-Seiten des Veranstalters: www.iobs.de . Gegen Abend, so gegen fünf Uhr, steht Itai Nyama noch vor seinem Stein. Die Konturen seines Werkes werden klarer, der Mann aus Afrika hat schon einiges weggehauen. Und, hat der Stein gesprochen? "Nein", sagt Nyama, "aber mir ist schon viel deutlicher geworden, was in ihm steckt." Und auch das "Team Obernkirchen" hat sich schon vom Symposiums-Virus infizieren lassen. An seinem Stand gibt es nicht nur Flyer und Bücher, sondern für einen Euro auch kleine Steine, die die Mitarbeiter auf dem Kirchplatz bei den Künstlern am Fuße ihrer Werke eingesammelt haben. Als Abfallprodukte sind sie auch viel zu schade.

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