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Warten können

Geduld ist eine Tugend, die gelegentlicher Herausforderungen bedarf, um geübt und gestärkt zu werden.

veröffentlicht am 22.01.2007 um 00:00 Uhr

Autor:

Ulrich Reineking

Solche Herausforderungen können etwa darin bestehen, dass man sich seine Getränke ausgerechnet immer dann bestellt, wenn die Tresenfee gerade Handyanrufe zur Beziehungspflege erhält oder sich mit der drittbesten Freundin über ihre Erlebnisse des Wochenendes austauscht. So etwas kann angesichts sinkender Tarife oder zielgruppenorientieter Flatrate-Angebote schon mal dauern. Und wenn die viertelstündige oder gar längere Konversation dann irgendwann beendet ist, erfreut uns das Mädel hinter dem Zapfhahn huldvoll mit der Einschätzung: "Irgendwas wollten Sie doch auch noch..." Gut. An manchen Abenden spart man dadurch etliche Euro, bleibt klar im Kopf und kann sich voller Schwung den Aufgaben des nächsten Tages stellen - insofern haben solche Geduldsproben was für sich. Wie ganz anders empfinden wir dann aber Wartezeiten, die uns manche Mitmenschen beim Einkauf zumuten. Stehen da zum Beispiel minutenlang in der Schlange vor der Kasse mit vollgestopftem Einkaufswagen. Beginnen aber erst, die Ware auf das Laufband zu legen, als die Dame an der Kasse ausdrücklich dazu auffordert. Wollen dann nach Erhalt der Rechnung zunächst Beträge von 20 Euro und mehr in Münzen zahlen, stellen dann aber nach dem mehrfachen Vorzählen von reichlich Euro- und Centstücken fest, dass am Ende doch noch ein Euro fehlt und beschließen daraufhin, mit Scheckkarte zu bezahlen. Finden das dafür erforderliche Kärtchen erst, nachdem Brillenpässe, Blutspendeausweis und Dauerkarte für den Campingplatz am Steinhuder Meer auf einen Extrastapel aussortiert wurden und stellen dann fest, dass sie die Geheimzahl auch beim zweiten Anlauf falsch eingegeben haben: "Dann lass ich das beser - irgendwo muss ich auch noch einen Fünfzig-Euro-Schein haben." Und kichern neckisch in die aufgeklappte Geldbörse hinein: "Na, nun komm schon - jetzt musste doch dran glauben!" In diesem Moment fragt die Kollegin von der anderen Kasse zu uns herüber: "Sachmal, Frau Schuster, was kosten jetzt die Cornflakes im Angebot. Ich hab da gerade mal keinen Preis!" Und die von gegenüber muss mal für kleine Mädchen, die an der nächsten Kasse klingelt schon zum dritten Mal nach Wechselgeld und verweist die Wartenden auf die anderen Schlangen. Endlich, nachdem wir uns mächtig über all' die Ignoranten um uns herum aufgeregt haben, ist die Reihe an uns. Doch wo ist das Portemonnaie? Natürlich liegt der Geldbeutel irgendwo unten in der prall gefüllten Tasche, und so leeren wir lieber mal den Inhalt unseres Sakko aus: Bahncard, ein Schlüsselbund. Schmutzige Taschentücher, saubere Taschentücher. Und schließlich drei rötliche Zehner. Na siehste. Geht doch. Man muss eben nur Geduld haben...



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