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Sie schwitzen, sie rennen, sie kämpfen, sie brüllen – und doch gibt es sprachlich feine Unterschiede

Wann sind Frauen im Sport eigentlich Damen?

Berlin. Birgit Prinz und Inka Grings spielen Frauenfußball, Andrea Petkovic und Sabine Lisicki Damentennis. Alle sind Leistungssportlerinnen, sie verausgaben sich und arbeiten hart. Der Schweiß perlt auf ihrer Stirn, Grasflecken oder roter Sand klebt an ihren Beinen. Alles nicht wirklich damenhaft. Trotzdem reden die meisten von Damen, wenn es um Tennis geht, und von Frauen, die wie bei der WM Fußball spielen.

veröffentlicht am 17.07.2011 um 15:48 Uhr

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Eine Frau als Dame anzusprechen, gilt als höflich. Dame klingt elegant, der Begriff hebt die Frau eine Stufe nach oben. Doch warum wird im Sport mal von Damen, mal von Frauen geredet? Und ebenso von Herren und Männern? Interessante Frage, ohne leichte Antwort. Für viele ein Thema zum Diskutieren und Mutmaßen. Der Bielefelder Sportwissenschaftler und Soziologe Klaus Cachay begründet seine klare Antwort historisch und gesellschaftlich: „Tennisspielerinnen waren nie nur Frauen, sondern Damen. Das waren die der höheren Gesellschaftsschicht. Das schleppt sich einfach weiter.“ Claudia Kugelmann, Professorin an der Fakultät für Sport- und Gesundheitswissenschaft der Technischen Universität München, vermutet die gleichen Gründe: „Tennis war immer der Weiße Sport, das war der Sport der feinen Leute, da gibt es halt Damen.“

Diese Damen trugen in der Vergangenheit beim Tennis lange Röcke. Auch heute prügeln die Profis bei offiziellen Auftritten nicht in Hosen, sondern in knappen Röcken, engen Shirts oder Kleidern die Bälle übers Netz. Die Fußballfrauen laufen dagegen in Hosen und weiteren Trikots auf. Passen die Inszenierung und das Image also nicht zum Begriff Dame? Fußballerinnen grätschen nach dem Ball und rempeln ihre Gegnerinnen an – auch nicht gerade die feine Art. „Früher hätte eine Dame nie eine Sportart mit Körperkontakt betrieben“, sagt Cachay.

Doch: Auch der Damenfußball machte vor einigen Jahrzehnten mal von sich Reden. 1955 verbot der Deutsche Fußball-Bund (DFB) Damenfußball, weil sich die Sportart für das weibliche Geschlecht nicht gehöre. Von Damen wird auch bei den gutbürgerlichen Sportarten Golf und Hockey gesprochen. Damen spielen zudem etwa Tischtennis oder gehen dem Eiskunstlauf nach.

Inka Grings, Stürmerin der deutschen Fußballfrauennationalmannschaft, bejubelt einen Treffer. Fotos: dpa

Und auch der deutsche Bob- und Schlittenverband nennt seine Athletinnen Damen, die sich kraftvoll und mutig den Eiskanal herunterstürzen. „Frauen oder Damen – das ist bei uns eine ewige Diskussion“, sagt die Sprecherin des Verbands, Margit Dengler-Paar. Vor ein paar Jahren hätte sie auch mal Frauen und Männer geschrieben, eine internationale Vorschrift gebe es nicht. „Ich bin dann bei Damen und Herren geblieben, weil ich persönlich es einfach schöner finde.“ Der deutsche Box-Sportverband spricht dagegen von Frauen, Frauen schwimmen auch oder rangeln beim Eishockey sowie Handball.

Sportwissenschaftlerin Kugelmann würde den Begriff Dame im Profisport streichen. Sie findet den Ausdruck nicht mehr zeitgemäß. „Im Hochleistungssport geht es um Leistung und Geld. Es ist Arbeit, da gibt es keine Damen, weil man mit Damen etwas anderes assoziiert, etwas Schmückendes. Das ist doch Geschichte“, meinte sie.

Unterschiedliche Sportarten, unterschiedliche Wortwahl: Mal macht Frau von sich reden, mal die Dame. So haben Frauen den Ball am Fuß, Damen den Tennisschläger in der Hand. Im Sport gibt es dazu Männer und Herren – warum nur? Damenfußball hieß es auch schon mal.

Tennis-Star Sabine Lisicki wandelt auf Steffi Grafs Spuren.



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