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Friedrich Wilhelm Vespermann kennt jede Ecke an seinem Bergmannsweg

Wandern und Walken am Wochenende

Brünnighausen/Dörpe (ist). „Hier wird gelaufen wie verrückt“, sagt Friedrich Wilhelm Vespermann. Es ist ein trüber Mittwochvormittag im Oktober am Waldsaum oberhalb der Dörfer Brünnighausen und Dörpe sowie der Siedlung Salzburg. Innerhalb von einer halben Stunde Inspektionstour auf dem Bergmannsweg ist der 66-jährige Dörper auf die mittlerweile dritte Wandergruppe aus Ronnenberg, Hameln und Hannover getroffen. „Am Wochenende ist hier der Bär los“, sagt Vespermann, wirft einen abgebrochenen Ast beiseite und kickt einen Steinbrocken vom Weg. Zwei- bis dreimal pro Woche räumt er mit Seitenschneider oder auch Motorsense den schmalen Pfad frei.

veröffentlicht am 30.10.2009 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 02.11.2009 um 12:32 Uhr

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Brünnighausen/Dörpe (ist). „Hier wird gelaufen wie verrückt“, sagt Friedrich Wilhelm Vespermann. Es ist ein trüber Mittwochvormittag im Oktober am Waldsaum oberhalb der Dörfer Brünnighausen und Dörpe sowie der Siedlung Salzburg. Innerhalb von einer halben Stunde Inspektionstour auf dem Bergmannsweg ist der 66-jährige Dörper auf die mittlerweile dritte Wandergruppe aus Ronnenberg, Hameln und Hannover getroffen. „Am Wochenende ist hier der Bär los“, sagt Vespermann, wirft einen abgebrochenen Ast beiseite und kickt einen Steinbrocken vom Weg. Zwei- bis dreimal pro Woche räumt er mit Seitenschneider oder auch Motorsense den schmalen Pfad frei. Schweres Gerät werde zunehmend überflüssig, sagt er. Seit der abgeschlossenen Aktivierung des historischen Bergmannsweges von Bad Münder bis Osterwald vor einem Vierteljahr sorgen die zahlreichen Wanderer ganz von selbst durch ihre Fußarbeit für angenehme Begehbarkeit: insgesamt 21,5 Kilometer Wandergenuss über sieben Holz- und Steinbrücken mit Walderlebnis zur einen, Panoramablick auf die weite, grünhügelige Landschaft des Naturparks Weserbergland zur anderen Seite. Über 21,5 Kilometer Anflug einer Ahnung, wie Erschöpfung nach langer Schicht und Müdigkeit nach kurzer Ruhepause sicheres Navigationssystem der historischen Kumpelpendler waren: Über Hunderte von Metern verläuft der schmale Trampelpfad schnurgerade durch Blattwerktunnel und Buchenarkaden.

Aus der ganz persönlichen und privaten Familienidee der Brüder Heinrich und Wilhelm Vespermann von der Wiederbelebung und Entdeckung des Bergmannsweges, den auch der Vater tagtäglich gegangen war, ist ein von der Europäischen Union gefördertes Leader-Projekt der Region „Östliches Weserbergland“ geworden. Das „kleine Pflänzchen“, wie mancher vor sechs Jahren gespöttelt habe, könne sich sehen lassen, sagt Vespermann stolz und habe vielfältige Unterstützung erfahren – von der Gemeinde, lokalen Handwerksbetrieben, dem Revierförster Karl-Heinz Plate aus Brünnighausen, freiwilligen Arbeitseinsätzen von Dörper und Brünnighäuser Bürgern wie Friedrich Wilhelm Wittkopp, Manfred Kaminski und vielen anderen. Doch nicht überall erfahre er derartigen Zuspruch. Die waldbodenweiche und gleichzeitig trockene Trittstrecke findet derzeit an der Grenze der Revierförstereien Brünnighausen/Osterwald ein Ende. Der Wandererzuspruch gehe hier gegen Null. Angeliefertes Mineralgemisch liegt in diesem Bereich bereit, darf

aber nicht eingebracht werden. „Der Wald ist nicht nur für die Spaziergänger da“, argumentiert Helmut Welge, Revierförster in Osterwald. Parallel zum Bergmannsweg habe man schon den oberen und unteren Weg in diesem Bereich. Beide würden lebhaft von Nordic Walkern genutzt. Und beim gewünschten Einbringen von Mineralgemisch in nur ein „Matschloch“ werde es auf Dauer nicht bleiben. Der Weg würde dann nicht mehr dem Anspruch der EU-Förderung genügen, wonach Premiumwege nicht befestigt sein dürfen. „Aber ich werde weitermachen“, sagt Vespermann, „solange die Füße mich tragen.“

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Als Dank und zur Anerkennung seines ehrenamtlichen Engagements ist er als Teilnehmer am Wettbewerb „Unbezahlbar und freiwillig – der Niedersachsenpreis für Bürgerengagement“ am 31. Oktober von der Niedersächsischen Staatskanzlei nach Hannover eingeladen.

Friedrich Wilhelm Vespermann inspiziert das charakteristische Schild (links) am Bergmannsweg. Er führt durch idyllische Landschaften (re.). Die Wege werden von vielen Wanderern geschätzt.

Fotos: ist

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