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Waldemar Ottos "Übergang" - für Hameln ein einziger Glücksfall

Von Richard Peter
Hameln. Künstlerisch ist Waldemar Ottos "Der Übergang" ganz sicher eine der bedeutendsten Plastiken, auf die man in Hameln treffen kann – und klar auch, wo sie steht: vor dem Kunstkreis natürlich, der die bereits 1975 entstandene Arbeit hatte erwerben können. Und wie so oft spielte auch hier der Zufall mit, der von Charlotte Flemes, der Ehrenvorsitzenden des Kunstkreises, ausführlich in ihren Erinnerungen „Vieles gibt uns die Zeit“ beschrieben wird.

veröffentlicht am 06.08.2010 um 11:00 Uhr
aktualisiert am 22.09.2011 um 11:28 Uhr

Von Richard Peter
Hameln. Künstlerisch ist Waldemar Ottos "Der Übergang" ganz sicher eine der bedeutendsten Plastiken, auf die man in Hameln treffen kann – und klar auch, wo sie steht: vor dem Kunstkreis natürlich, der die bereits 1975 entstandene Arbeit hatte erwerben können. Und wie so oft spielte auch hier der Zufall mit, der von Charlotte Flemes, der Ehrenvorsitzenden des Kunstkreises, ausführlich in ihren Erinnerungen „Vieles gibt uns die Zeit“ beschrieben wird, als der Vorstands-Freundeskreis sich auf den Weg zur Neuen Darmstädter Sezession machte, um dort „Plastiken auf der Ziegelhütte“ zu besichtigen. Die Überraschung bei über 200 Werken von 60 Bildhauern: Alle Hamelner Stimmen vereinigten sich auf Waldemar Otto und seine Plastiken.
 Otto, 1928 in Petrikau in Polen, dem ehemaligen Ostpreußen, geboren, studierte in Berlin, wurde Assistent an der Technischen Hochschule Braunschweig, erhielt eine Professur in Berlin und Bremen und hat sich in Worpswede angesiedelt und dort ein Atelier bezogen.
 Als erster Schritt wurde eine Ausstellung mit Werken von Waldemar Otto in Hameln geplant. Und angesichts der Arbeiten, die beim Publikum gut angekommen waren, wurde auch ein lang gehegter Wunsch wieder virulent, für den Studio-Bau eine Plastik zu erwerben. Die Wahl bestand zwischen Ottos „Adam“ und dem „Übergang“, der jetzt seit so vielen Jahren ganz einfach zum Kunstkreis gehört. Es geht, wie Charlotte Flemes schreibt, um Auswanderung. „Ein Mann lässt das eine Stadium hinter sich und sucht ein vor ihm liegendes, das er bereits mit der Hand berührt. Die Negativform im hinteren Wandelement deutet auf die Lücke hin, die jeder reißt, der seine Heimat verlässt, während das ungegliederte vordere Wandelement die ihm noch unbekannte Situation kenntlich macht.“
 Für Dietrich Bukart, Nachfolger von Charlotte Flemes im Kunstkreis, erinnert die Figur eher an Sisyphus. Ein Mann überwindet eine Mauer, indem er sie durchbricht, um erneut vor einer Mauer zu stehe. Für Burkart ist die Plastik aber auch positiv ein Symbol, wie er einmal sagte, ein „Bekentnis zu immer neuen Ufern“.
 Die Fähigkeit Hindernisse zu überwinden, geradezu Inbegriff des Lebens, das einem immer wieder neue Wände in den Weg stellt, die zu überwinden sind. Und insofern auch Sinnbild der Kunst, die ständig diesen Prozess des Überwindens begleitet. Ein schöneres Symbol für den Kunstkreis ließe sich vermutlich gar nicht finden, und dass die Plastik so zentral ihren Platz gefunden hat, ist für Hameln ein einziger Glücksfall.



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