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NRW-Genossenschaft befürchtet Kostenexplosion durch Forstreform

Waldbesitzer auf neuen Wegen

Kleinenbremen/Wülpke (ly). Private Waldbesitzer befürchten als Folge der NRW-Forstreform deutlich höhere Kosten für die Bewirtschaftung ihrer Flächen. Deshalb wollen sie künftig enger zusammenrücken und neue Wege gehen.

veröffentlicht am 22.05.2008 um 00:00 Uhr

Schulterschluss: Heinrich Werkmeister (l.) und Eberhard Mundhenk

"Unsere Kosten werden sich verdreifachen", prophezeit Eberhard Mundhenke-Drögemeier, Vorsitzender der Waldwirtschaftsgenossenschaft Jakobsberg, zu der 170 Mitglieder mit zumeist kleineren Parzellen im Wesergebirge gehören. Knapp die Hälfte kommt aus Kleinenbremen und Wülpke. "Ein Förster muss viel mehr Waldbesitzer betreuen, dabei weitere Wege zurücklegen", erklärtMundhenke-Drögemeier und fragt: "Wie soll er das schaffen?" Allein ein Portaner Förster kümmert sich demnach in Zukunft um rund 1200 private Waldbesitzer statt zuletzt 170, weil das Revier von 1750 auf 1900 Hektar ausgedehnt wird und bis nach Hiddenhausen im Kreis Herford reicht. Gleichzeitig wird der Staatswald (650 Hektar in Porta, 3200 im Bereich des früheren Forstamtes Minden) herausgelöst und vom Regionalforstamt Hochstift mit Sitz Paderborn bewirtschaftet. Bislang war die Bewirtschaftung von Staatsforst und Privatwald zusammen organisiert. "Unsere Belange wurden bei der Forstreform nicht berücksichtigt", beklagt Mundhenke-Drögemeier. "Durch die Mehrkosten wird es schwierig, die gewünschte Menge Holz zu realisieren", ergänzt Heinrich Werkmeister (Kleinenbremen), Vorsitzender des Waldbauernverbandes im Altkreis Minden. Werkmeister und seine Mitstreiter fragen sich, ob Waldwirtschaftrentabel bleibt. Auf den einzelnen Waldbesitzer könnten unter anderem Kosten für die Feststellung der Grenzen zukommen, pro Hektar bis zu 300 Euro. "Diese Arbeit kann der Förster gar nicht mehr leisten." Die bisherige Rundum-Versorgung von der Grenzfindung bis zur Bezahlung wäre damit Vergangenheit. "Waldwirtschaftsgenossenschaften müssen erheblich mehr Eigenleistung erbringen, um den Strukturwandel durch größere Reviere auszugleichen", sagt Mundhenke-Drögemeier. Konkret könnte dies eine Blockbildung bei der Durchforstung bedeuten, eine grenzübergreifende Bewirtschaftung. Die Erlöse würden nach Flächengröße ausgeschüttet. "Oder Waldbesitzer pachten umliegende Parzellen, um die Kosten auf mehr Fläche zu verteilen", wie Werkmeister hinzufügt. Das Ziel, so Mundhenke-Drögemeier, seien größere Einheiten für die Bewirtschaftung. Der erholsame Waldspaziergang soll weiter kostenlos bleiben, doch für Veranstaltungen wie Waldläufe könnte ein Obolus fällig werden. Auf NRW-Umweltminister Eckard Uhlenberg und andere Entscheidungsträger sind die Waldbesitzer nicht besonders gut zu sprechen. Von Wortbruch ist die Rede. "Das Land zieht sich aus der Verantwortung zurück", kritisiert Mundhenke-Drögemeier und erinnert an ein Versprechen aus den 1970er-Jahren, wonach 85 Prozent der Kosten ersetzt würden. "Nun müssen wir die Förderung jedes Jahr beantragen und wissen nicht, in welchem Rahmen wir gefördert werden." Von einstmals 35 Forstämtern sind in Nordrhein-Westfalen 15 geblieben (Minden gehört zum Regionalforstamt OWL). Forstreviere werden teilweise drastisch vergrößert, Stellen massenhaft gestrichen. Viele Klein- und Kleinstwaldbesitzer sind jedoch angewiesen auf staatliche Pflege für relativ wenig Geld sowie die Hilfe von Förstern, vor allem bei der Holzvermarktung.

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