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"Zeit"-Koryphäen Dr. Theo Sommer und Haug von Kuenheim besuchen Fürst und "Landschaft"

"Wahnsinnig interessant, was Sie hier machen"

Bückeburg. Selbst für gestandene Hamburger Journalisten wie die beiden ehemaligen "Zeit"-Chefredakteure Dr. Theo Sommer und Haug von Kuenheim gibt es in der Provinz noch Neues über ihre Heimat zu erfahren: Etwa, dass die Schauenburger identisch sind mit den Vorfahren derer zu Schaumburg-Lippe - mithin das Fürstenhaus, damals noch als Grafen von Holstein und Stormarn, die Hansestädte Kiel und Hamburg mit begründete. Noch heute trägt daher Hamburg das Nesselblatt im Stadtwappen. "Die Namensgleichheit kannten wir nicht."

veröffentlicht am 10.05.2006 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:43 Uhr

Lob erntet Landschaft-Geschäftsführer Sigmund Graf Adelmann (M.)
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite

"Ich finde es wahnsinnig interessant, was Sie hier machen", befand denn auch Theo Sommer im Anschluss an Gespräche mit Alexander Fürst zu Schaumburg-Lippe sowie Vorstand und Geschäftsführung der "Schaumburger Landschaft", in dem Arbeit und Konzept des Schaumburger Kulturträgers erläutert worden war. Der heimische Bundestagabgeordnete Sebastian Edathy hatte die beiden großen Herren des deutschen Journalismus nach Bückeburg gelotst. Edathy: "Es existiert auch Kultur außerhalb Hamburgs; das Ihnen zu zeigen, habe ich Sie eingeladen." Vom Fürsten erfuhren die Hamburger, dass die Einnahmen aus dem "Museumsbetrieb" ausreichen, das Schloss zu unterhalten. Und das, obwohl sich durch den Bau der Umgehungsstraßen die jährlichen Besucherzahlen halbiert hätten. Auch, dass es nicht ganz einfach sei, Hinweisschilder entlang deutscher Autobahnen zu platzieren, erfuhren Sommer und Kuenheim. Sieben Jahre habe man gegen Bürokraten gekämpft, erst dann habe das Schild aufgestellt werden dürfen, erregt sich der Fürst noch heute. Einig waren sich das bekennende FDP-Mitglied Fürst Alexander und der "häufige FDP-Wähler", so Sommers Eigenbekenntnis, dass man von den Liberalen derzeit "wenig sieht und hört". Auf dem PR-Sektor seien "grässliche Fehler" gemacht worden, befand der Fürst. Edathy vermisst bei den Liberalen, dass niemand mehr für Bürgerrechtspolitik stehe, handelte sich dafür aber Widerspruch des Fürsten ein. "Die ganze Partei steht mit ihrem Programm für Bürgerrechte." Sommer merkte an, dass sich alle Parteien selbst betrügen würden, wenn sie denken, dass sie wieder Vollbeschäftigung in Deutschland erreichen könnten. "Das wird nicht mehr zu schaffen sein." Die Politik müsse daher dafür sorgen, dass sich Menschen in die Gesellschaft einordnen und überleben können. Ganz Journalisten, hatten zuvor Sommer und Kuenheim den Vorsitzenden der Schaumburger Landschaft, Klaus Henning Lemme, Geschäftsführer Sigmund Graf Adelmann und Bückeburgs Bürgermeister Reiner Brombach Löcher über die Arbeit der "Schaumburger Landschaft" in den Bauch gefragt: Wie hoch der Etat sei (500 000 Euro), wer Mitglied sei (über Kreis und Kommunen fast alle Schaumburger), um welche Themen es gehe (von Geschichte bis hin zu Zukunftsprojekten), wie es ums Verhältnis zur großen Kultur bestellt sei ("wir füllen hier in Schaumburg die Nischen"). Graf Adelmann präsentierte die zahlreichen Publikationen der Landschaft, wies darauf hin, dass etwa das Heimatkundebuch "Schaumburger Land" ein viel beachtetes Projekt sei und gerade wieder 10 000 Exemplare gedruckt würden. Diese würden nach den Sommerferien kostenlos in Schaumburgs Schulen verteilt. Sommer und Kuenheim erfuhren aber auch, dass die verstorbene "Zeit"-Herausgeberin eng mit dem Widerstandskämpfer Kurt Freiherr von Plettenberg befreundet war - dem Mann, der am Hitler-Attentat des 20. Juli 1944 beteiligt war, dem Bückeburger, den die Stadt mit einer Gedenktafel an seinem Geburtshaus (Hof-Apotheke) ehrt. "Alles sehr beeindruckend", so das einhellige Fazit Sommers und Kuenheims.

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