weather-image
25°
Dahle: "Das muss mir mal einer erklären" / Brand: "Runkel hat negative Entscheidungen mitgetragen" / Bövers: "Lassen Runkel nicht fallen"

Wahlnachlese: CDU sieht krassen Widerspruch - SPD hat Erklärung

Nenndorf/Rodenberg (bab/fox). Das Ergebnis der Landtagswahl in Schaumburg ist außergewöhnlich. Wie berichtet, hat Joachim Runkel (Suthfeld, CDU) seinen Sitz im Landtag verloren. Die Wähler haben Heiner Bartling sein Direktmandat am Sonntag zurückgegeben. "Ich bin wie alle fassungslos", beschreibt der CDU-Amtsverbandsvorsitzende der Samtgemeinde Rodenberg, Volker Dahle, seine Reaktion auf das Wahlergebnis für Joachim Runkel.

veröffentlicht am 30.01.2008 um 00:00 Uhr

Dahle ist absolut ratlos, weshalb die Schaumburger mit ihrer Zweitstimme deutlich gemacht haben, die CDU in der Regierung sehen zu wollen, aber dann Heiner Bartling gewählt haben. "Das verstehe ich nicht", sagt Dahle. Die CDU solle weitermachen, aber die Schaumburger wollen keinen heimischen Kandidaten im Regierungslager haben? "Das muss mir mal einer erklären", fordert Dahle. Für ihn ist dieser Widerspruch nicht logisch zu begründen. "Das macht doch nur Sinn, wenn Schaumburg mit einem Abgeordneten in der Regierung vertreten ist." "Ich habe Runkel als einen sehr fleißigen, kompetenten Abgeordneten kennen gelernt", der stets umgehend reagiert habe, wenn die Rodenberger Anfragen hatten, so Dahle. Es seien alle erschrocken, dass der Suthfelder den Einzug ins Parlament verpasst habe. Die Vorsitzende des Rodenberger SPD-Samtgemeindeverbands kann sich das Wahlverhalten schon eher erklären. "Runkel hat alle Entscheidungen, die für Schaumburg negativ waren, voll mitgetragen", sagt Marina Brand über dessen parlamentarische Arbeit. Die Divergenz zu den Zweitstimmen erklärt sich Brand durch die Persönlichkeit von Ministerpräsident Christian Wulff. Sie habe im Wahlkampf auch bei SPD-Wählern erfahren, dass diese Wulff als den sympathischeren Kandidaten ansahen. "Die Zweitstimme ist eine Wulff-Stimme", meint sie. "Natürlich sehr zufrieden", ist die Vorsitzende des SPD-Verbandes über das Abschneiden von Bartling, der in "Schaumburg gute Arbeit gemacht hat". Sie hätte sich gewünscht, dass das Thema Bildung noch mehr Zustimmung von den Wählern bekommen hätte. Das Gesamtergebnis sei enttäuschend. "Ich hättenicht gedacht, dass die SPD noch mehr verliert." Brand sagt offen, dass es unter diesen Umständen für sie nicht dramatisch ist, keinen Schaumburger im Regierungslager zu haben. "Ich hätte Herrn Runkel nicht als meine Hilfe angesehen." "Wir lassen Joachim Runkel nicht fallen" - so hat Nenndorfs CDU-Samtgemeindeverbandsvorsitzender Werner Bövers (Hohnhorst) sich zum Ausscheiden des Suthfelders aus dem Niedersächsischen Landtag geäußert. "Ich bin sehr traurig und enttäuscht über dieses Ergebnis und hätte nicht damit gerechnet", sagt Bövers. Runkel sei im Gegensatz zu Heiner Bartling, der am Wahlsonntag sein Direktmandat zurückerhalten hatte, ein ausgesprochener Fachmann was wirtschaftliche Belange angehe. Vorwüfe macht Bövers Runkel indes nicht, auch gebe es keine direkten Konsequenzen, so der Vorsitzende: "Er hat alles richtig gemacht." Die Samtgemeinde-CDU wolle an ihrer Strategie festhalten. Die Wahlbeteiligung macht Bövers zu schaffen. Mit rund 63 Prozent auf Samtgemeindeebene liege man im Vergleich zum Landesdurchschnitt zwar auf akzeptablem Niveau. Jedoch seien in Bad Nenndorf lediglich 53 Prozent der Wahlberechtigten zur Urne gegangen. Daran sei zu arbeiten. Als Hauptgrund für diese Entwicklung nannte Bövers das schlechte Wetter, als Grund für Runkels Verlust des Direktmandates die Zerschneidung des Wahlkreises sowie das Abwandern der Erststimmen an die Linke, Grünen und FDP. Dies versteht Bövers nicht: "Die fehlen uns letztlich bei Runkel. Da müssen wird nun Aufklärungsarbeit leisten." Udo Husmann, SPD-Samtgemeindevorsitzender in Nenndorf, ist hoch zufriedenüber Bartlings Abschneiden, sieht jedoch ebenfalls Probleme beim Wetter. "Für viele ältere Menschen war es kaum möglich, zu den Wahllokalen zu gelangen." Außerdem erkennt Husmann eine Strategie in der Terminierung des Wahltermins kurz nach Weihnachten. "Da war es kaum möglich, etwas in Bewegung zu bringen." Die Beteiligung in Bad Nenndorf, wo die SPD nur rund 28,3 Prozent für die Zweitstimmen erhalten hatte, empfindet Husmann als "schwierige Situation". Die Linke habe in der Kurstadt stark zugelegt. In der Konsequenz wolle die Samtgemeinde-SPD nun ihre Präsenz erhöhen, die Situation jedoch vorerst genau analysieren. Ein Problem hat den Sozialdemokraten in Nenndorf vor der Wahl jedoch stark zu Schaffen gemacht, wie Husmann berichtet: "Mir ist aufgefallen, das viele SPD-Wahlplakate abgerissen worden sind." Am Hallenbad sei dies "permanent" der Fall gewesen. Kurz vor der Wahl am Sonntag seien zudem vier Plakate vom Bahnhofszaun in Haste verschwunden, "Runkel hing jedoch noch", so Husmann.

Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.

Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Anzeige
    Kommentare