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So kämpfen die Bewerber um Stimmen

Wahlkampf: Jeder Kandidat hat seine eigene Strategie

Obernkirchen. Wer Astrid Semler , Einzelbewerberin für das Amt des ersten hauptamtlichen Bürgermeisters, sucht, muss nicht weit gehen: Zumeist ist sie auf dem Marktplatz anzutreffen, wo sie das Gespräch mit dem Bürger sucht. Und auch findet: 200 Einzelgespräche hat die Obernkirchnerin in den letzten Tagen und Wochen geführt, "gute Gespräche",wie sie sagt.

veröffentlicht am 10.06.2006 um 00:00 Uhr

Autor:

Frank Westermann

Da, wo die Menschen sind, da will sie Wahlkampf machen, und so hat Astrid Semler am Muttertag in der Fußgängerzone Rosen verteilt, alle Haushalte mit einem Pfingstgruß bedacht und auf dem Marktplatz zum Volleyball-Turnier einen Stand aufgebaut, an dem die Bürger mit der Kandidatin Gespräche führen und Kummerkarten ausfüllen konnten. "Auf Menschen zuzugehen, das liegt mir", meint Semler. In der Stadt Blumen zu verteilen, das habe er auch einen Momentüberlegt, gesteht Thomas Stübke von den Grünen, "aber das wäre dann nicht ich selbst". Authentisch soll sein Wahlkampf werden, "so wie es meine Politik in den letzten fünf Jahren auch war". Daher werde er vor allem an die Bürger herantreten, die im ehrenamtlichen Bereich tätig sind, um sie dort zu unterstützen. Seine erste Aktion wardas Anmieten des Bückeburger Kinos Anfang Mai, wo er zusammen mit den Bückeburger Grünen den Film "Die Wolke" zeigte. Der Erlös wurde für Tschernobyl- Kinder in Not gespendet. Beim Beachvolleyball-Turnier sponserte er den Spielern den Freibad-Besuch. Derzeit bereitet er mit einer kleinen Gruppe die Auftaktveranstaltung "Lokales Bündnis für Familien in Obernkirchen" vor. "Ich will Dinge aufbauen, die Obernkirchen voranbringen", sagt Stübke. "Bewährtes erhalten, Neues gestalten" und "Aufgabe Zukunft" - unter diesen beiden Mottos zieht Wolfgang Seele in den Wahlkampf. Der Einzelbewerber hat dafür den ehemaligen Quelle-Shop in der Fußgängerzone angemietet, dort ist seit gestern Nachmittag sein Wahlkampfbüro. Seele will den Fokus auf seine berufliche Kompetenz richten, immerhin ist er als Kämmerer Herr der Finanzen. "Aber ich werde mir nicht anmaßen, zu erklären, dass ich derjenige bin, der dem Haushalt auf die Sprünge hilft," sagt Seele. Dafür bedürfe es vieler Mosaiksteine. Immerhin: Die Stadt habe ein "Riesenpfund", mit dem sie wuchern könne und auf das er setzen werden: Das ehrenamtliche Engagement müsse unterstützt und erweitert werden. Nicht erweitert, sondern renoviert hat Martin Schulze-Elvert das Büro der CDU in der Langen Straße: Dort ist jetzt sein Wahlkampfbüro, heute um 10 Uhr ist Eröffnung mit Sekt. "100 Prozent Obernkirchen" ist sein Motto, bisher hat er eher im Verborgenen gearbeitet und für seinen Wahlkampf die administrativen Punkte abgearbeitet: T-Shirts, Flyer, Internet-Aufritt - "die komplette Werbelinie", sagt der Kandidat. "Heute fällt für meinen Wahlkampf der Startschuss", erklärt der einzige Bürgermeisterbewerber, der im Vorfeld noch eine interne Wahl um das Kandidatenamt gewinnen musste. Schulze-Elvert stellt sich auf einen langen Wahlkampf ein, sieht dies aber durchaus als Chance - als ehemaliger Marathon-Mann sollte es am langen Atem nicht mangeln. Bernd Kirsch von der Gruppe "WIR für Obernkirchen" hat seinen Wahlkampf eher inoffiziell begonnen: Er hat im Schulzentrum einen Film gezeigt, der Möglichkeiten für die Schule von morgen aufzeigen will. Sein Wahlkampf soll auf mehreren Eckpfeilern stehen; Flyer verteilen, auf die Webseiten hinweisen, Gespräche führen, von Haus zu Haus gehen, sich mit einem Stand auf den Marktplatz stellen. Weiterhin will Kirsch gemeinsam mit Peter Schulz das Projekt "Personennahverkehr zwischen Obernkirchen und Stadthagen" vorstellen, seine Frau Stefanie will ein leerstehendes Geschäft anmieten, um dort eine große Playmobil-Landschaft auszustellen, um so auch auf den Wirtschaftsstandort Obernkirchen aufmerksam zu machen. Kirsch fühlt sich fit für das Rathaus-Amt: Er habe ein Seminar besucht, das sich mit Doppik befasste - der so genannten doppelten Buchführung, die auf die Kommunen zukommt. Um sich dem Wähler vorzustellen, wird Oliver Schäfer mit den SPD-Kandidaten, die in den Ortsteilen für Stadt- und Ortsrat kandidieren, von Haus zu Haus gehen: Immerhin wird ja in der Bergstadt nicht nur der Bürgermeister gewählt. Ansonsten setzt der SPD-Kandidat auf Themenveranstaltungen: Drei bis vier sind nach seinen Angaben geplant, die erste wird es Ende des Monats zum Thema "Schule und Bildung" geben. Der Internet-Auftritt ist selbstverständlich, die Wahlprospekte wird Schäfer erst in der heißen Phase des Wahlkampfes verteilen: "Der Schwerpunkt meines Wahlkampfes liegt auf den letzten vier Wochen."

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