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Vor Gericht: Möllenbecker rückt Schussgerät heraus und behält MP / Es bleibt bei sechs Monaten

Waffensammler schießt zurück: Land verklagt

Möllenbeck/Bückeburg (ly). Wohnung demoliert, Ruf ruiniert: So kann's kommen, wenn im Morgengrauen ein Sondereinsatzkommando (SEK) der Polizei durch die geschlossene Haustür kommt. Sachschaden in Höhe von mindestens 10 000 Euro sollen die Beamten an jenem Morgen im Oktober vor drei Jahren angerichtet haben. "Ich bin sehr enttäuscht und fast ruiniert", klagt der Hausherr, ein Waffensammler aus Möllenbeck.

veröffentlicht am 27.11.2006 um 00:00 Uhr

"Es ist ja wohl ganz schön martialisch zugegangen", muss auch Richter Friedrich von Oertzen zustimmen. "Ich habe die Bilder gesehen", so der Präsident des Landgerichts. "Wie die Vandalen" hätten die Beamten "gehaust", sagt Rechtsanwalt Dr. Dieter Wissgott, der den 36-Jährigen vertritt. Was man nicht sieht, sind die seelischen Verletzungen eines sechsjährigen Mädchens, das während der Waffen-Razzia im Bettchen lag, aus dem Schlaf gerissen wurde und einen Schock erlitt. Jetzt schießt der Vater zurück: Vor einigen Tagen hat er Zivilklage eingereicht und will vom Land Geld sehen. Überdies war der Möllenbecker in Verruf geraten, ein Waffenhändler zu sein und Kontakte zur rechten Szene zu pflegen. Beides hat sich nicht erhärtet. Was bleibt, sind sechs Monate Freiheitsstrafe mit Bewährung wegen unerlaubten Besitzes von vollautomatischen Schusswaffen, Mitte September verhängt vom Amtsgericht Rinteln. Zwei Maschinenpistolen sowie den Lauf eines Karabiners, gedacht zur Dekoration, jedoch nicht dauerhaft unbrauchbar gemacht, hatte das SEK damals gefunden. Mit Geschick könnten die Kriegswaffen wieder scharf gemacht werden, hatte das Amtsgericht Rinteln bestätigt. In zweiter Instanz vor dem Landgericht in Bückeburg hat die Staatsanwaltschaft jetzt ihre Berufung gegen das Urteil zurückgezogen. Erstens hatte sich durch ein Gutachten herausgestellt, dass eine weitere Maschinenpistole tatsächlich unbrauchbar war. Dieses Schießeisen darf der Sammler nun behalten. Vor allem aber erklärte sich der Angeklagte zweitens bereit, ein Trainingsgerät herauszurücken, vor 15 Jahren angeblich gekauft von einem Kampfmittelräumdienst. Weil im Bewährungsbeschluss zum Rintelner Urteil keine Geldbuße enthalten war und der 36-Jährige obendrein das Gerät hätte verkaufen können, wäre er Oberstaatsanwalt Bodo Becker sonst zu billig davongekommen. Was für Ballermänner! Wie gut sie sich anfühlen, wie satt sie auf dem Richtertisch liegen. Wiederholt hatte der Sportschütze und Reservist Kontakt zu Behörden gesucht, um mit den Waffen, nach eigenen Angaben für Volljährige frei erhältlich, auf der sicheren Seite zu sein. "In meinem Haus habe ich sogar eine Gefängnistür eingebaut", berichtete der Techniker ("Mein Interesse ist rein technischer Natur"). Gefährlich wird's, wenn so etwas in die falschen Hände gerät. Mit etwas anderen Waffen, schussfähigen Nachbauten historischer Vorderlader, die sich aber ebenfalls jeder 18-Jährige kaufen kann, war ein Amokläufer (18) in eine Emsdettener Realschule gegangen. Am Ende stand ein Blutbad.

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