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Morgen offene Tür am Benser Weg

Wärme aus der Biogasanlage spart tausende Liter Öl

Bensen (pj). Mit einem lockeren Gespräch zwischen Dr. Ferdinand Dohme und Rüdiger Bartling hat sie begonnen, die Geschichte der Biogasanlage in Bensen. Viele tausend Euro musste der Unternehmer jedes Jahr für das Öl hinblättern, das benötigt wurde, um die Häuser zu heizen, in denen die Pilze wachsen. Eine Biogasanlage wäre die Lösung, waren sich der Höfinger Bauer und Dr. Dohme einig.

veröffentlicht am 08.07.2010 um 19:00 Uhr
aktualisiert am 01.03.2018 um 17:01 Uhr

Als nächster Beteiligter wurde Walter Reineke aus Pötzen einbezogen, der ohnehin für Dohme-Champions arbeitete. Der Pötzener war ebenso von der Idee begeistert wir Dieter Bartling aus Haddessen und Alexander Sommermeier aus Fischbeck, die wiederum bereits mit Rüdiger Bartling zusammenarbeiteten. Die Bauern und der Höfinger Unternehmer entwickelten ein Konzept, das in erster Linie darauf abzielt, die Wärme einer Biogasanlage zu nutzen. Dass auch Strom eingespeist wird, ist für die Rentabilität natürlich der Hauptaspekt, denn das bringt gutes Geld.

Als die Pläne für den Bau einer Biogasanlage reiften, wurde von der Errichtung einer 500-kW-Anlage ausgegangen. Anfang 2006 konnten die Pläne bei der Stadt eingereicht werden. Es bedurfte der Änderung des Flächennutzungsplans. Kurz vor Weihnachten des gleichen Jahres konnte der Bauantrag eingereicht werden. Für eine 700-kW-Anlage hatten sich die Gesellschafter entschieden, da dieser effektiver arbeitet, als die ursprünglich angedachte kleinere Version. Außerdem war die Technik so weit fortgeschritten, dass für die große Anlage nur noch ein Blockheizkraftwerk benötigt wird – bis dahin waren zwei Motoren für die Größenordnung notwendig.

Inzwischen hatte sich der Widerstand gegen die Anlage formiert. Vor allem in Bensen hatten Dorfbewohner arge Bedenken gegen die Biogasanlage, die unweit des Friedhofs an der Verbindungsstraße nach Höfingen entstehen sollte. Bürgerversammlung und Ortsratssitzungen, in denen Bedenken formuliert wurden, folgten. Im Juli 2007 war dann Baubeginn.

Die Biogasanlage zwischen Höfingen und Bensen kann morgen besichtigt werden. Fotos: pj

„Wir können heute behaupten, dass sich all die Befürchtungen nicht bestätigt haben“, freut sich Rüdiger Bartling. Alexander Sommermeier führt dies darauf zurück, dass „immer Wert darauf gelegt wurde, dass die Anlage sauber arbeitet“. Dennoch lief es bisher nicht problemlos. Allerdings war es die Technik, die für Aufregung sorgte. Im Vorjahr flog der große Motor auseinander, in der großen Tür zum Maschinenraum sind noch heute die Einschläge zu sehen. Seit die Biogasanlage das erste Mal angefahren und einige Wochen nach dem Ausfall der Maschine wieder hochgefahren wurde, hatten die Betreiber „Glück mit der Biologie“, wie Rüdiger Bartling und Alexander Sommermeier betonnen.

Walter Reineke führt aus, dass beim ersten Anlauf – Einweihung war am 22. November 2007 – es nur vier Wochen gedauert hatte und noch vor Weihnachten bereits auf Volllast gefahren werden konnte. Dass es so gut klappt, führen die Bauern darauf zurück, dass sie sich ganz genau kundig gemacht haben, bevor sie sich zum Bau entschlossen hatten. „Wir haben mehrere Anlagen besichtigt, mit Fachleuten Gespräche geführt, und wir haben Messen besucht“, sagt Alexander Sommermeier. Außerdem sei die Betreuung durch die Fachfirmen sehr gut, lobt Walter Reineke.

Die Biogasanlage in Bensen wird allein mit Mais betrieben. 240 Hektar bauen die fünf beteiligten Landwirte dafür an. Sechs weitere Bauern liefern auch noch an. Die gesamte Anbaufläche der Anlagenbetreiber beläuft sich auf rund 750 Hektar. „Hiermit können wir eine vernünftige Fruchtfolge durchführen“, betont Walter Reineke. Die Flächen, auf denen Mais angebaut wird, liegen zu 95 Prozent nicht weiter als fünf bis sechs Kilometer vom Verbindungsweg zwischen Höfingen und Bensen entfernt. An zehn Tagen im Herbst wird die Maisernte abgewickelt. „Wir sehen zu, dass wir möglichst nicht die Dörfer berühren, in den Nachtstunden wird kein Mais gehäckselt“, betont Walter Reineke. Schmunzelnd fügen Rüdiger Bartling und Alexander Sommermeier an, dass im Vorjahr ein Bensener gefragt habe, wann die Ernte beginne, zu diesem Zeitpunkt aber bereits 50 Prozent des Maises in den Fahrsilagen neben der Anlage gelegen habe. Walter Reineke verheimlicht aber auch nicht, dass es bei der Anlieferung einmal Schwierigkeiten gab. „Wir haben mit der Stadtverwaltung und dem Lohnunternehmer gesprochen und diesen gebeten, noch mehr Rücksicht zu nehmen – und es klappte.“

Zu den 699 Kilowatt elektrisch, die pro Stunde produziert werden, kommen 550 Kilowatt thermisch. 20 Prozent der Wärme sind für den Eigenbedarf, denn die Bakterien brauchen eine bestimmte Temperatur. 80 Prozent wird über eine 600 Meter lange Leitung zum Pilzzuchtbetrieb Dohme geführt. Dort werden damit über 300 000 Liter Heizöl im Jahr ersetzt.

„Da wir auch bei der Ernte nur kurze Wege haben, ergibt sich eine sehr gute CO2-Bilanz“, betont Walter Reineke. Hinzu komme, dass das Substrat, das am Ende in der Biogasanlage übrig bleibt, in der Championfabrik Hühnermist ersetze, der auch von weiter her angeliefert werden müsse. Das Substrat ist darüber hinaus nahezu geruchsneutral und, auf die Äcker ausgebracht, ein guter Nährstoff für den Maisanbau. Das ist auch der Grund, warum die sechs Zulieferer, die nicht zur Gesellschaft gehören, gern das Substrat wieder abnehmen. „Sie bekommen es kostenfrei“, wie Rüdiger Bartling erklärt.

Morgen wollen die Gesellschafter der Biogasanlage ein Versprechen einlösen. „Wir haben bei der Bürgerversammlung zugesagt, dass wir zu einem Tag der offenen Tür einladen“, sagt Walter Reineke – „und dieses Versprechen wollen wir jetzt einlösen“. Am morgigen Sonnabend kann die Anlage am Benser Weg zwischen 10 und 16 Uhr besichtigt werden. Es gibt Bratwurst und natürlich die Höfinger Pilzpfanne, Bier und antialkoholische Getränke. „Wir hoffen auf viele Gäste“, erklären die Betreiber.



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