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Dr. Fritz-Richard Bartels moniert Zustand der Wanderwege / Manch eine Strecke endet im Nirwana

"Wäre ich Kurgast - ich würde röhren vor Wut"

Eilsen (tw). "Wäre ich Kurgast in Eilsen - ich würde röhren vor Wut": Das sagt Dr. Fritz-Richard Bartels. Der frühere Steuerbeamte ärgert sich massiv über den Zustand der Wanderwege in der Samtgemeinde; und das nicht erst seit gestern. "Ein Vergleich des Ist zustandes mit dem Erscheinungsbild in den 80er-Jahren spricht Bände", weiß Bartels. Er fordert die "Wiederherstellung eines angemessenen Wanderwegenetzes".

veröffentlicht am 20.09.2008 um 00:00 Uhr

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Tatsächlich dürfte es kaum einen Einheimischen geben, der - was das Wandern angeht - aktiver gewesen ist als der 75-Jährige, der sich vor 30 Jahren in Heeßen niedergelassen hat. Wegen seiner Sachkenntnis hat ihn die Samtgemeinde gebeten, seine Erfahrungen mit dem Wegenetz zu Papier zu bringen; Bartels' Kritik soll in den Masterplan einfließen und dazu beitragen, dass Bad Eilsen im Konzert der Kurorte konkurrenzfähiger wird. Der Heeßer: "Nachdem Traditionelles wie ,Schlammpackungen' und ,Trinkkuren' kaum noch gefragt sind, sollte Bad Eilsen in Sachen Wandern etwas tun." Zumal die abwechslungsreiche und reizvolle Landschaft - an sich - ideale Voraussetzungen für diese Freizeitbeschäftigung biete. "An sich" wohlgemerkt, dennwas den Zustand der Pfade betrifft, ist "derzeit allein der Kammweg noch ein richtiger Wanderweg". Bartels wünscht sich daher, dass sich der Landkreis Schaumburg, aber auch die kreisangehörigen Gemeinden stärker für den Erhalt der Naturlandschaft einsetzen: "Ihr Bestand ist durch die Aktivitäten der gesteinsabbauenden Industrie und durch eine immer rücksichtslosere forstwirtschaftliche Nutzung ernsthaft gefährdet." Noch in den 80er-Jahren habe es im Landkreis Schaumburg ein Netz gut bezeichneter und kartierter Wanderwege gegeben; dazu hätten vor allem auch Rundwanderwege gezählt. "Wer sich heute die Mühe macht, sie mithilfe von Karten aus dieser Zeit abzuwandern, findet sie nicht mehr", weiß der Heeßer aus zigfacher eigener leidiger Erfahrung. Die Wege seien verwachsen und zum Teil auch "mutwillig durch Abfallholz versperrt". Von den einstigen Sitzgruppen oder gar Grillplätzen entlang dieser Wege fänden sich meist nur noch modrige Reste. Um gleichwohl voranzukommen, seien die Wanderer im wesentlichen auf Forststraßen angewiesen, die allerdings alles andere als angenehm zu begehen seien. "Nach Holzeinschlag befinden sie sich oft monatelang in einem verheerenden Zustand", kritisiert Bartels - und mutmaßt: "Offenbar will man Wanderer auf lauschigen Pfaden im Wald nicht mehr haben." Ein Beispiel für einen nach Holzeinschlag nicht geräumten Pfad habe der Harrl-Südweg geboten, der monatelang so gut wie nicht mehr begehbar gewesen sei. Das gleiche habe noch bis vor kurzem für die Wanderwege oberhalb von Heeßen und Luhden in Richtung Klippenturm gegolten Das Wiederherstellen des Wanderwegenetzes sei aber das Gebot der Stunde. Die immer wieder gehörte "Ausrede", das sei gegen den Willen der Waldbesitzer nicht möglich, lässt der frühere Steuerbeamte nicht gelten. "Unsere politischen Repräsentanten haben die Aufgabe, die dafür nötigen Kontakte zu knüpfen und ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen." Darüber hinaus hält Bartels es aber auch für wünschenswert, dass im Landkreis wie in der Samtgemeinde neue Wanderstrecken angelegt werden. Einige böten sich regelrecht an: "Warum", fragt der Naturfreund, "ist nicht schon längst ein Aue-Wanderweg von der Schlingmühle an aufwärts bis Langenfeld projektiert worden?" Was im Speziellen Bad Eilsen betrifft, müsse der Badeort seinen (Kur-)Gästen ein Netz von Rundwanderwegen unterschiedlicher Länge anbieten, das sich auch ohne Auto nutzen lässt. Bartels: "Für den Landkreis kann in dieser Hinsicht - von geringfügigen Ausnahmen abgesehen - nur Fehlanzeige gemeldet werden, insbesondere auch für Bad Eilsen." Dabei gebe es vorbildliches Anschauungsmaterial direkt in der Nachbarschaft. Denn wie man solche Wege anlegen kann, sei zum Beispiel in Kleinenbremen zu beobachten ... Imübrigen müssten Wanderwege so bezeichnet werden, dass sich auch Menschen, die nicht ortskundig sind, darauf zurechtfinden. Eben das sei in Eilsen längst nicht immer der Fall. "Wer den vereinzelt aufgestellten Wegetafeln folgt, landet nicht selten im Nirwana." Last, but not least müsse sich auchjemand dafür zuständig fühlen, dass die einmal angelegten Wege in einem begehbaren Zustand gehalten werden.

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