weather-image
22°
"Geschichten aus dem Kalletal" - ein erfreulich zu lesendes Buch von Biologie-Lehrer Oliver Droste

Wackerer Menschenschlag im Lipper Land

Rinteln/Kalletal (cok). Er hat wirklich Sinn für die unterschiedlichsten Menschentypen aus dem Lipper Land, der Autor und Biologie-Lehrer am Schlossinternat Varenholz Oliver Droste (37), dessen gerade erschienenes B uch "Geschichten aus dem Kalletal" höchst unterhaltsame Lektüre bietet, nicht nur für Heimatfreunde.

veröffentlicht am 08.12.2007 um 00:00 Uhr

0000470532-11.jpg

Der in Langenholzhausen aufgewachsene Autor beschreibt das Leben der 1950er Jahre auf "seinem" Dorf so liebevoll - mit Lehrer, Förster, Pastor, mit Jäger, Landwirt, Holzhauer, den energischen Frauen und eigenwilligen Zugezogenen - dass man glatt Lust bekommt, mitzumischen, oder zumindest gemütlich im Gasthaus "Zur Lippischen Rose" zu sitzen und zu lauschen, wenn sich die Männer des Dorfes zum Abendtrunk oder nach dem Sonntagsgottesdienst treffen, um zu klatschen und zu tratschen und dabei ihre mündliche Dorfchronik zu erstellen. Die Langenholzhauser Persönlichkeiten, um die sich die teils erfundenen, teils aus der Erinnerung an Erzähltes entstandenen Anekdoten und Geschichten ranken, sie kommen dem Leser nämlich wirklich nahe und können ihm als ein ausgesprochen wackerer Menschenschlag erscheinen: Die in den aufrechten Pastor Grotewohl verliebte Haushälterin Eusebia ebenso wie Bauer Meierböke, der den geistig behinderten Karl bei sich aufnimmt, ein Junge, der dem KZ entkam, und der Förster Zernikow, vom rechten Saulus zum linken Paulus gewandelt, nicht minder als die wunderschöne Clara Kreinjobst, die den Dorfjungmännern so sehr denKopf verdreht, dass sie sogar studieren darf, nur um aus dem Dorf zu verschwinden. Auch der ein bisschen wirre, so sympathisch naturverliebte Dorfschullehrer Albert Distelfink bleibt unbedingt in Erinnerung, und natürlich das vom Pastorensohn aus Brasilien mitgebrachte Indianermädchen Makishawka. Um dieses Kind aus dem Urwald rankt sich ein eigener Erzählstrang rund um die brutale Abholzung des brasilianischen Regenwaldes, die zur Vernichtung des gesamten Indianerstammes führte. Überhaupt lässt Oliver Droste, indem er den "fremden Blick" Makishawkas nutzt, seine Kritik an der modernen Wohlstandsgesellschaft unaufdringlich in die Erzählung einfließen. Einen Wermutstropfen gibt es allerdings: Das in Eigenregie auf den Markt gebrachte Buch hatte keinen Lektor, der die manchmal unfreiwillig komischen Satzkonstruktionen bereinigt hätte, an die man sich erst gewöhnen muss, bevor sich dann aber doch große Lesefreude einstellt. Insgesamt lösen die "Geschichten aus dem Kalletal" angenehm nostalgische Gefühle aus, vor allem bei Lesern, die einst ebenfalls in einem idyllischen "Auenland" lebten, in das sie, beengt, wie es nunmal ist, nicht unbedingt zurückkehren würden, das sie aber immer in ihrem Herzen tragen. Oliver Droste, Geschichten aus dem Kalletal, edition nove, ISDN: 9783852511511, 19,40 Euro.



Copyright © Deister- und Weserzeitung 2018
Texte und Fotos von dewezet.de sind urheberrechtlich geschützt.
Weiterverwendung nur mit Genehmigung der Chefredaktion.


Mehr Artikel zum Thema
Weiterführende Artikel
    Anzeige
    Kommentare