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"Ein Quantum Trost": 007 läuft auf seinem persönlichen Rachefeldzug 103 Minuten Amok

Vorsicht: Vertrauen kostet schnell das Leben

Irgendwann, weit nach der Mitte des Films, haben sie mit Ach und Krach einen Flugzeugabsturzüberlebt und taumeln durch eine Wüste. Wort- und blicklos, verbunden nur durch ein Gefühl: Er will seine Geliebte rächen, sie ihre ermordete Familie.

veröffentlicht am 08.11.2008 um 00:00 Uhr

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Autor:

Frank Westermann

Spaß, Verführung, Humor, Geist? Ersatzlos gestrichen in der ersten echten Fortsetzung eines Bond-Films, der ein paar Minuten nach dem Ende von "Casino Royal" einsetzt. Nahtlos beginnt Bond einen persönlichen Rachefeldzug, er nimmt alles so stark persönlich, dass ihn seine Vorgesetzte M auffordern muss, doch mal einen Gegner am Leben zu lassen - man habe möglicherweise ja auch noch ein paar Fragen. Die Welt des runderneuerten Unkaputtbaren ist unübersichtlich, Vertrauen ein rares Gut, das schnell das Leben kosten kann. Wenn man nach den Kriterien von gut und böse gehe, dann könne man den Handel gleich einstellen, muss sich M vom Minister sagen lassen. Und so legen sich die Regierungen mit jedem Schurken ins Bett, wenn er denn liefert, was auf dieser Welt knapp und begehrt ist: Wasser ist es hier. Bond, das ist jetzt ein skrupelloser Killer, der sich brutal allem entledigt, was sich ihm bei seiner persönlichen Vendetta in den Weg stellt. Von Charme kann kaum noch die Rede sein: Der Gentleman war gestern, heute ist 007 eine eiskalte Drecksau, die zynische Einzeiler raushaut und im eigenen Gefängnis langsam, aber sicher vereinsamt. Nur zweimal gibt es kleine Einblicke in den Menschen hinter der Kanone: Da hockt er in der Bar und trinkt. Alkohol halt; weit entfernt von geschüttelt oder gerührt schüttet er sein Gewissen zu. Später sitzt er mit dem Bond-Girl Olga Kurylenko mitten in einer Feuersbrunst und tröstet sie. Genauso hockte er im ersten Teil mit Vesper Lynd unter der Dusche. Bleiben die Action-Szenen. Im Wasser, in der Luft, auf der Erde und im Feuer werden die Elemente durchdekliniert, in denen Bond den Schurken Paroli bietet. Doch den hohen Standard von "Casino Royal" können sie nicht halten, ganz im Gegenteil: Schon die erste Actionsequenz - eine Verfolgungsjagd im Auto - wirkt zerschnipselt und zerfahren, und auch die spektakuläre Flucht in einem Transportflugzeug ist an ihrem Schluss sichtlich am Computer entstanden. Das große Finale ist dann ganz nett, aber nicht sonderlich aufregend. Mathieu Amalric bleibt als Oberschurke blass, warum Vesper Lynd sterben musste, wird nicht aufgeklärt - alles hängt auf dieser immer unübersichtlicher werdenden Welt irgendwie mit allem zusammen, legt der Film nahe. So wird es dann wohl sein.



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