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"Luises Transenstadel" geizt beim "Zauber der Travestie" im Kursaal nicht mit Reizen und deftigen Sprüchen

Vorne hochgeschlossen und hinten eine offene Breitseite

Bad Eilsen (sig). Könnte das vielleicht doch eine Frau sein, oder ist da wirklich ein Mann in Frauenkleider geschlüpft? Sind die weiblichen Formen echt, oder ist doch alles nur aufgepeppte Makulatur, einfach eine Summe geschickter Täuschungen, die Zuschauer in die Irre führen sollen? Solche und ähnliche Fragen hielten die Spannung beim "Zauber der Travestie" im Eilser Kursaal aufrecht, einer Veranstaltung der Kurverwaltung, die wieder für ein absolut volles Haus sorgte.

veröffentlicht am 02.10.2006 um 00:00 Uhr

"Fräulein Luise".

Nicht ganz zufällig ist die Feststellung, dass es gerade vermehrt Frauen sind, die sich solche Abende nicht entgehen lassen. Sie haben offensichtlich viel Spaß daran, sich als Spürnase zu betätigen. Vielleicht sind sie auch nur besonders neugierig auf die Art und Weise, wie Männer damit umgehen, mit den Hosen auch alles geschlechtspezifische Gehabe ablegen zu müssen. Wie bewegen sie sich in den hochhackigen, eleganten Schuhen, den wallenden und zuweilen auch eng anliegenden Gewändern? Verrät sie vielleicht der nicht so gekonnte Hüftschwung oder das verrutsche Dekolleté? Bleibt die Perücke auch bei flotten Drehungen dort sitzen, wo sie hingehört? Können Frauenbeine so stabile Waden haben? Glatt rasiert sind sie allzumal. Und wenn es dort an den nötigen Fingerzeigen fehlt: Vielleicht verrät ja die Stimme, welches Wesen sich hinter der Kleiderrolle verbirgt. So ein Stückchen Voyeurismus steckt ja in jedem Menschen. "Fräulein Luise", die sich am Ende ihrer Auftritte abschminkt und damit die Neugierde der Zuschauer befriedigt, hat in ihrem (besser seinem) Transenstadel eine auch zahlenmäßig stattliche Darstellercrew beieinander. Sie ist - in welchen Zusammensetzungen auch immer - für allerlei Überraschungen gut und sorgt vor allem vom ersten Augenblick an für reichlich Stimmung. Berührungsängste gibt es da nicht. Nahezu alle Akteure steigen ruckzuck von der Bühne hinab und sorgen dafür, dass auch der letzte Besucher im Saal nicht vor "Zugriffen" sicher ist. Die Skala reicht von der Sitzprobe auf dem Schoß eines Zuschauers über das Herumfuchteln mit einem Staubwedel bis zur Ankündigung "Du bist mein Typ, wir sehen uns nach der Vorstellung". Da wird auch schon mal ein männlicher Gast zur Tanzeinlage oder zum "Tete-a-tete" auf die Bühne geholt. Kein Zweifel: Auch bei der Kostümierung wird viel Aufwand getrieben, was die Menge des Stoffes, die Fülle und die farbliche Zusammenstellung angeht. Und trotzdem wird mit den körperlichen Reizen nicht gegeizt. Ein einziger (überwiegend weiblicher) Aufschrei ging durch den Saal, als ein von den Körpermaßen her stattlicher Akteur seine fast blanke Rückseite präsentierte, während er vorne hochgeschlossen herumlief. "Fräulein Luise" hingegen hatte den Mut, wenig figurbetonte, ja sogar "abtörnende" Unterwäsche zu zeigen. Keineswegs zimperlich ist die bunte Künstlerschar mit ihren Frotzeleien, Anspielungen und Witzen. Da geht es richtig zur Sache, aber das Publikum hat offensichtlich Spaß daran, nimmt nichts übel und erwartet immer noch weitere Steigerungen. Ein kräftiger Schuss Frivolität gehört eben dazu zu einem solchen Programm. Für die schärfsten Witze sorgte Elke Winter, deren Redefluss sich wirklich nicht stoppen ließ. Dazu gab es aber auch richtig mitreißende Gesangsdarbietungen, erfreulicherweise in der Mehrzahl nicht Play Back. Neben Elke Winter und der Luise taten sich auf diesem Feld besonders Denisse Zambrana und "Donna la Belle" hervor. Wohltönende Künstlernamen gehören zu diesem Metier. Wenn der Gesang dann auch mithalten kann, stört es den Zuschauer nicht. Das trifft jedenfalls auf das neue Showprogramm dieser in der Tat schräg-schrillen und nicht selten deftig gepfefferten, aber durchweg mitreißenden Revue zu. "Fräulein Luise" darf mit ihrem Transenstadel wiederkommen. Die Weichen sind gestellt. Am 3. November 2007 wird der Kursaal ein weiteres Mal bis auf den letzten Platz gefüllt sein.

Was Unmengen von Stoff so alles verhüllen können, zeigt das Bild
  • Was Unmengen von Stoff so alles verhüllen können, zeigt das Bild oben. Männer aus der Reserve locken und auf die Bühne holen (unten) - das ist immer ein Erfolg versprechendes Rezept bei den Travestie-Künstlern. Fotos: sig
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