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Dach und Carport illegal ausgebaut - Kerstin Eggert weiß von nichts / Bauamt untersagt Nutzung

Vorbesitzer treibt Hauskäuferin in Verzweiflung

Bückeburg. Sehr beengte Feiertage hatüber den Jahreswechsel die Bückeburgerin Kerstin Eggert mit ihren vier Kindern Christian (18), Nadine (15), Daniel (13) und Kenneth (7) verbringen müssen. Als Besitzerin eines Winkelbungalows mit zwei Wohnungen, den sie bereits 2003 für stolze 120 000 Euro erworben hat, hatte ihr das Bauamt der Stadt Bückeburg kurzfristig die Dachgeschosswohnung stillgelegt und wegen Einsturzgefahr jegliches Betreten untersagt. Seitdem muss die alleinerziehende Mutter mit ihren vier Kindern im Erdgeschoss wohnen und leben. Gerade einmal zwei Zimmer sowie Küche und Bad stehen zur Verfügung.

veröffentlicht am 05.01.2007 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:50 Uhr

Kerstin Eggert und Sohn Kenneth, umgeben von illegal errichteten
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite

Bei einerÜberprüfung hatte das Bauamt herausgefunden, dass das Dachgeschoss mit seinen 55 Quadratmetern vom Vorbesitzer des Hauses illegal - ohne Baugenehmigung - ausgebaut worden war. Die Tragfähigkeit der Erdgeschossdecke war für eine Wohnnutzung nicht ausgelegt, auch der Brandschutz war nicht gewährleistet. Viel zu dünne Holzbalken und einfache Pappkartons als Dämmung stellte ein eigens von der neuen Besitzerin beauftragter Bausachverständiger unter anderem fest. Und schrieb in sein Gutachten, dass "Gefahr für Leib und Leben besteht". Die Behebung aller Schäden unddie Herstellung der Statik zur Nutzung als Wohnraum würde mindestens 50 000 Euro kosten, so der Gutachter weiter. Geld, dass die alleinerziehende Mutter, die zu allemÜberfluss gerade auch noch ihre Arbeit verloren hat, natürlich nicht hat. Seit die Schreiben von Bauamt und Statiker eingingen, herrscht im Hause der Eggerts Krisenstimmung. "Wir können so auf Dauer nicht leben. Ich weiß nicht, wohin mit meinen Kindern", schildert Kerstin Eggert im Gespräch mit unserer Zeitung. "Zum Glück ist der 18-Jährige jetzt ausgezogen, weil er eine Lehre in einer anderen Stadt macht." Zum Glück erlaubte es ihr die Stadt noch, wenigstens die Möbel im Obergeschoss stehen zu lassen: "Sonst hätten wir hier überhaupt keinen Platz mehr." Zwei Schuldige hat Kerstin Eggert für die Misere - "ich vermute sogar ein Komplott" - ausgemacht: den Vorbesitzer und die Immobilienabteilung eines heimischen Geldinstituts, über die das Haus vermakelt worden ist. Samt einer daneben gelegenen Gaststätte standen beide Objekte - auf einem Grundstück errichtet und mit mehreren Versorgungsleitungen untereinander verbunden - zunächst zur Versteigerung. Erst später wurde das - abgetrennte - Wohnhaus auf dem freien Markt veräußert, danach dann auch die Gaststätte. Inzwischen hat Kerstin Eggert einen Anwalt eingeschaltet, der ihre Interessen vertreten soll. Denn: Entweder vom Vorbesitzer oder aber von dem Geldinstitut will sie 50 000 Euro Schadensersatz, damit sie das Obergeschoss wieder bewohnbar machen kann. "Ich binüber das Ohr gehauen worden, der eine hätte mich informieren müssen oder aber der andere prüfen, ob alle Genehmigungen vorliegen." Unterstützung erfährt sie von ihren Anwalt, dem Obernkirchener Dirk Linnemann. Wie der auf Anfrage unserer Zeitung mitteilte, werde er sich - zunächst - an den Vorbesitzer halten: "Obwohl da wohl nichts zu holen ist, da die Immobilie seinerzeit zur Versteigerung anstand." Er habe Klage eingereicht gegen den Verkäufer wegen arglistiger Täuschung und verlange Schadensersatz. Gleichzeitig sei Prozesskostenhilfe beantragt worden. "Wenn diesem Antrag stattgegeben wird, sind wir ein Stück weiter." Sein Fazit: "Hier ist ein armer Schlucker über das Ohr gehauen worden, bei dem Vorgang hat die Bank keine rühmliche Rolle gespielt." Wie das Verfahren auch ausgeht, für Kerstin Eggert dürfte es danach noch immer nicht ausgestanden sein. Denn außer der Stilllegung des Dachgeschosses hat ihr die Stadt die Nutzung von zwei Carports untersagt. Auch diese wurden vom Vorbesitzer ohne Genehmigung errichtet. Immerhin ist hier leichter Abhilfe zu schaffen: durch einen nachträglichen gestellten Bauantrag. Anders sieht es dagegen mit den Leitungen aus,über die beide Häuser nach wie vor verbunden sind. Erst kürzlich brach eine Wasserleitung. 400 Kubikmeter Wasser ergossen sich in einen Keller. Über wessen Wasseruhr lief das Wasser? Natürlich über den von Kerstin Eggert: "Dabei war die klare Aussage der Immobilienabteilung, dass es getrennteLeitungen gibt."



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