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Angeklagter will Freispruch / Staatsanwalt fordert höhere Strafe

Vor Gericht: Oralsex auf Feldweg

Rinteln (maf). Vom Rintelner Amtsgericht wegen Vergewaltigung zu einer Jugendstrafe von zweieinhalb Jahren verurteilt, wird der Prozess gegen einen 22-jährigen Rintelner in einem Berufungsverfahren neu aufgerollt. Staatsanwalt Dr. Malte Rabe von Kühlewein wirft dem Angeklagten vor, im Dezember 2005 eine damals 15 Jahre alten Schülerin in einem Auto auf einem Feldweg zum Oralsex genötigt zu haben.

veröffentlicht am 15.11.2008 um 00:00 Uhr

Der Fall beschäftigt die Justiz seit langem. In erster Instanz befasste sich das Jugendschöffengericht in Rinteln von April bis Juli dieses Jahres an insgesamt neun Verhandlungstagen mit diesem Sexualstrafverfahren. Der erste Anlauf im Frühjahr geriet schon bald ins Stocken, weil die beiden damaligen Verteidiger des 22-Jährigen eine Vielzahl von unterschiedlichen Anträgen stellten. Im Mai platzte der Prozess daraufhin nach sechs Verhandlungstagen aus Zeitgründen. Bereits am vierten Prozesstag musste der Angeklagte, der zu jener Zeit als Angestellter tätig war, nach einer belastenden Zeugenaussage wegen Verdunklungsgefahr in Untersuchungshaft. Als die Hauptverhandlung am sechsten Tag abgebrochen wurde, erweiterte das Gericht den Haftbefehl und dehnte ihn auf den Haftgrund der Fluchtgefahr aus. Im Juli dieses Jahres fand der zweite Anlauf statt. Der Rintelner, der seitdem von Rechtsanwalt Ralf Jordan verteidigt wird,äußerte sich erstmals zum Tatvorwurf. Er gab an, das Mädchen habe freiwillig mitgemacht. Das Gericht glaubte jedoch der Schülerin und ging von erzwungenem Oralverkehr aus. Nach drei Verhandlungstagen wurde das Urteil gefällt: 30 Monate Gefängnis für den Rintelner, der zudem 6000 Euro Schmerzensgeld an das Mädchen zahlen sollte. Gegen diese Entscheidung ging der Angeklagte in die Berufung. Er will nun einen Freispruch erreichen. Aber auch die Staatsanwaltschaft legte Rechtsmittel ein. Ihr Ziel: eine härtere Bestrafung des heute 22-Jährigen. In der Neuauflage des Prozesses vor dem Bückeburger Landgericht äußerte sich jetzt der Angeklagte - er sitzt weiterhin in Untersuchungshaft - unter Ausschluss der Öffentlichkeit zu dem Vorfall. Anschließend hörte die Erste Große Jugendkammer unter Vorsitz von Richterin Dr. Birgit Brüninghaus vier Stunden lang die Eltern und zwei Brüder der Schülerin. Der Vater, der am nächsten Tag von dem Geschehen in der Feldmark erfahren hatte, erklärte, er habe noch am selben Abend ein Telefonat mit dem Angeklagten geführt. Dieser habe ihm erzählt, dass er gar nicht da gewesen sei, sondern sich zwei Wochen auf Montage befunden habe. Derältere Bruder der Schülerin berichtete, dass er beobachtet habe, wie seine Schwester an jenem Dezemberabend in das Auto eingestiegen sei. Auch der jüngere Bruder wiederholte im Wesentlichen seine frühere Einlassung. Demnach hatte ihn der Angeklagte vor längerer Zeit Geld und die Bezahlung des Führerscheins angeboten, wenn er eine Falschaussage bei Gericht mache.



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