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Tragischer Tod eines Landschaftsgärtners: Im Krankenhaus das falsche Medikament verabreicht?

"Vor Gericht interessiert meine Geschichte nicht!"

Rinteln (cok). Wie man aus einem ganz normalen Familienleben in einen Albtraum stürzen kann, das erlebte Kornelia Albert vor zehn Jahren, als ihr damals 35-jähriger Mann Norbert unerwartet schwer erkrankte und innerhalb von vier Tagen im Rintelner Kreiskrankenhaus starb. Da der Verdacht bestand, ein falsch verabreichtes Medikament könnte die Todesursache gewesen sein, begannein juristisches Verfahren, das bis heute noch keinen Abschluss gefunden hat.

veröffentlicht am 01.06.2007 um 00:00 Uhr

Seit zehn Jahren erlebt Kornelia Albert einen nicht endenden Alb

"Der Tod meines Mannes war schrecklich", sagt die gelernte Krankenschwester und Mutter von drei Kindern. "Aber schrecklich ist außerdem, dass ich seit zehn Jahren nicht zur Ruhe komme, wegen der Gerichtsverfahren, die immer und immer weitergetragen werden. Vor Gericht kommt man sich vor wie eine Sache, und das eigentliche Geschehen, die tragische Geschichte meiner Familie, die interessiert in Wirklichkeit niemanden." 1997 war der bis dahin gesunde, wenn auch stark rauchende und etwas korpulente Landschaftsgärtner Norbert Albert nach einer schweren Grippe mit akutem Herzflimmern vom Hausarzt ins Kreiskrankenhaus eingewiesen worden, damit sein Herz durch eine Elektroschock-Therapie wieder seinen Rhythmus finden sollte. Da diese und andere Therapien nicht anschlugen, wurde ihm ein übliches Medikament verabreicht, dessen Einnahme aber in seltenen Fällen zum Herzstillstand führen kann, ein Wissen, dass einige Zeit zuvor in den entsprechenden Richtlinien für Internisten dokumentiert worden war. Im Kreiskrankenhaus hatte man aber keine zusätzliche Gefährdung gesehen, der Patient wurde nicht auf der Intensivstation behandelt und auch nicht entsprechend kontrolliert. Als Kornelia Albert am Adventssonntag mit den drei kleinen Kindern ahnungslos für einen Besuch ins Krankenzimmer kam, entdeckte sie ihren Mann leblos daliegend. Alle Reanimationsbemühungen schlugen fehl - die internistische Station stand unter Schock, und der leitende Arzt - wie in solchen Fällen durchaus üblich - erstattete Selbstanzeige. Noch mitten vor den Scherben ihrer Familie stehend, musste Kornelia Albert sich eine Anwältin besorgen und sich auf eine juristische Auseinandersetzung vorbereiten. "Ich wurde da reingeschubst", sagt sie. "Von selbst wäre ich gar nicht darauf gekommen, Anzeige zu erstatten!" Und wenn immerhin noch die Chance besteht, dass ihr möglicherweise ein Schadenersatzgeld zugesprochen wird, so ist sie sich sicher, dass die Bitterkeit damit kaum aufgewogen werden kann, die die gerichtlichen Anhörungen und Verhandlungen, die kalten Anwaltsbriefe und die Rechtfertigungsstrategien der Gegenseite in ihr ausgelöst haben. Nach langen Gutachterauseinandersetzungen und vielen Anhörungen waren die Richter vor drei Jahren zu dem Schluss gekommen, dass ein Fehlverhalten auf Seiten des Kreiskrankenhauses vorgelegen habe. Dieses Urteil aber wurde ein Jahr später wegen Verfahrensfehlern aufgehoben und nun hatte es gerade wieder eine Anhörung darüber gegeben, ob eine Wiederaufnahme des Falles beschlossen werden solle. "Ach - da sind Sie ja schon wieder", heißt es da in meine Richtung", so Kornelia Albert. "Dabei war es gewiss nicht meine Schuld, dass sich alles so lange hinzieht." Ihre Kinder sind jetzt junge Erwachsene, die demnächst zu studieren beginnen werden. "Wir haben es ja gemeistert, ich habe das doch ganz gut hingekriegt", sagt sie. "Aber um der Kinder Willen werde ich weiterkämpfen." Im Juni fällt die Entscheidung, ob alles nochmal fast wie von vorn beginnt.



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