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Nach mehrjähriger Pause tourt Circus Fliegenpilz durch 14 Städte in Norddeutschland

Vor dem Neustart: Reiz der Manege lockt

Emmerthal (cb). Auf dem Hof mitten in Esperde herrscht seit Jahren wieder einmal hektische Betriebsamkeit. Im früheren Winterquartier von Circus Fliegenpilz, um den es lange ruhig geworden war, erinnert wenig an die Glitzerwelt der Manegen. Vor allem ausrangierte Wagen aus dem Fuhrpark, die wohl eher bei den Tüftlern unter Oldtimerfreunden das Herz höherschlagen lassen und auf den Verkauf warten, sind abgestellt, in einer Scheune zeigt Bodo Hölscher aber auch restaurierte nostalgische Zirkuswagen, die zuletzt als Requisite für die Kino-Verfilmung des Kinderbuch-Klassikers „Fünf Freunde“ dienten. Ein kleiner Raum dient als Besprechungszimmer und Büro. Kartons mit Plakaten und Eintrittskarten liegen dort bereit. Nach mehrjähriger Pause rüstet sich Circus Fliegenpilz zum Neustart – ab dieser Woche tourt er durch 14 Städte in Norddeutschland. Premiere feiert er am Freitag in Hameln, wo der 1981 von Bodo Hölscher und seiner Frau Beatrix gegründete Zirkus zuletzt 1999 gastierte. Die Erwartungen an das Comeback, nachdem die letzte Tournee drei Jahre zurückliegt und auch davor meist eine kurze Saison auf dem Programm gestanden hatte: „Wir wollen wieder zu alten Ehren zurück mit dem Circus der neuen Generation“, sagt Bodo Hölscher, nachdem dessen Sohn Sven nun mit ins Geschäft eingestiegen ist.

veröffentlicht am 19.09.2012 um 06:00 Uhr
aktualisiert am 30.10.2016 um 05:21 Uhr

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Zu Glanzzeiten zählten Kenner den Zirkus mit zu den fünf besten Unternehmen, die durch Deutschland tourten. Vor allem das Programm „Circus unter Wasser“ galt als Publikumsmagnet. In guten Jahren reiste Hölscher mit 150 Mitarbeitern durch Deutschland. Probleme in den späteren Jahren verhehlt er nicht. „Pleite aber waren wir nie“, auch wenn dieser Begriff in der Google-Suchmaschine mit an vorderster Stelle auftaucht, wenn Circus Fliegenpilz eingegeben wird. Für den Zirkuschef war es nur eine Zeit ohne Tournee. Ob Tiere, das typische Zelt mit dem weiß gepunkteten roten Dach oder Fuhrpark – alles sei im Eigenbesitz geblieben. Stattdessen tauchte Hölscher, nun unter dem Titel Tierlehrer, regelmäßig bei Frank Elstner in der ARD-Wissenschaftsshow im Fernsehen auf und gab Gastspiele, wenn in verschiedenen Orten, wie auch in diesem Winter in Ulm, ein Weihnachtscircus auf dem Programm steht. Das hat ihm nicht mehr gereicht. „Wenn man fast 30 Jahre Circus gemacht hat, dann fehlt einem etwas“, sagt Hölscher, der Höhen und Tiefen erlebt hat. Den Ausschlag gab nun, dass Sohn Sven, der bereits in der Manege von Circus Krone stand und zuletzt mit Ehefrau Stephanie einen Kinder-Projektzirkus in München führte, mit ins Tourneegeschäft einsteigen wollte.

„Ein hartes Stück Arbeit“, sagt Bodo Hölscher über die Vorbereitungen, die seit Juli laufen. Aber genau das ist es, was für den 55-Jährigen den Reiz ausmacht. „Da bin ich gefordert, immer wieder heißt es: Chef, es gibt ein Problem“, erzählt er. Und das hört er derzeit im Endspurt vor der Premiere häufig. Fachpersonal gebe es kaum noch, Helfer hinter den Kulissen müssten angelernt werden, nicht alles Inventar sei in der Vergangenheit den Anforderungen entsprechend gewartet worden, die auf den Plakaten genannte Internetadresse sei noch nicht freigeschaltet, listet er auf.

Davon solle aber das Publikum nichts mehr spüren, wenn Circus Fliegenpilz, der als „Ihr Emmerthaler Heimat-Circus aus Esperde“ auf den Plakaten wirbt, die Saison mit zunächst kleiner Mannschaft von rund 40 Frauen und Männern startet. Eine bunte, originelle und ausgefallene Mischung kündigt Hölscher in der Manege an. Tierdressuren, Akrobatik und Wildwestshow bilden Schwerpunkte. Der 30-jährige Sven Hölscher verspricht mit dem spektakulären Sprungturm-Trampolin eine Kombination aus Artistik und Comedy, sein Vater wartet mit seiner Klassiknummer, den Exoten, auf. Nach dem Auftakt in Hameln geht es bis Dezember besonders durch Städte in Ostfriesland („Ich bin auf Langeoog geboren“, begründet Hölscher) und Schleswig-Holstein („In Bad Segeberg bin ich aufgewachsen und zur Schule gegangen“). Ausgewählt seien vor allem Orte, in denen der Circus Fliegenpilz einst in der Vergangenheit Erfolge feierte und nun dort auf frühere Fans hofft. Bodo Hölscher: „Wir wollen uns wieder den Rang in der Circus-Branche zurückerobern, den wir einmal hatten.“

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  • Fernsehen statt Manege: In der jüngsten Vergangenheit war Bodo Hölscher (re.) regelmäßig mit seinen Tieren bei Frank Elstners Sendung „Die große Show der Naturwunder“ zu Gast. Foto: SWR
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  • Der Klassiker von Bodo Hölscher: die Exotennummer mit Zebras, Guanakos (Wildlama), Kamel sowie Steppen- und Watussirind. Foto: pr

Die Gastspiele in Hameln finden am Freitag und Samstag ab 15.30 und 19.30 Uhr, am Sonntag ab 11 und 14.30 Uhr auf dem Schützenplatz Klütstraße statt.

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