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Weil der EC 135 nur bedingt für Schulung geeignet ist, gibt es 2010 neun Basis-Schulungshubschauber

Vor dem Ferrari kommt erst der Luft-Goggo

Bückeburg. Das jahrelange Drängen der Heeresflieger hat Erfolg. Nach Informationen unserer Zeitung soll in den "kommenden zwei bis drei Jahren" ein weiterer neuer Hubschraubertyp angeschafft werden. Auf dem als "Basis-Schulungshubschrauber" bezeichneten Typ sollen die Anfänger ihre ersten 45 Flugstunden absolvieren, bevor sie auf den neuen, als Schulungshubschrauber beschafften EC 135 umsteigen. Neun Exemplare eines "handesüblichen Typs" sollen ab 2010 in Bückeburg stationiert werden, bestätigte der Pressesprecher der Heeresfliegerwaffenschule, Oberstleutnant Michael Baumgärtner, auf Anfrage. Wie teuer den Steuerzahler die Zusatzbeschaffung letztendlich kommen wird, ist offen.

veröffentlicht am 23.02.2008 um 00:00 Uhr
aktualisiert am 31.10.2016 um 14:50 Uhr

Bei derÜbergabe des ersten EC 135 im Jahr 2001 war die Welt noch
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Raimund Cremers Redakteur zur Autorenseite

Wie berichtet, hatte sich der EC 135 im Praxisbetrieb für die Schulung der angehenden Piloten als ungeeignet erwiesen, weil mit dem Hubschraubertyp bestimmte, für die Ausbildung unabdingbare Flugmanöver nicht geübt werden können So etwa die so genannte Autorotation, bei der die Flugschüler den Ausfall der Turbinen simulieren und Notlandungen üben. "Als ob ein Fahrschüler auf einem Ferrari lernt", hatte die LZ getitelt. Damit die Heeresfliegerwaffenschule dennoch weiter ausbilden konnte, war die Laufzeit für den als Panzerabwehrhubschrauber konzipierten Typ Bo 105 verlängert worden. Seitdem machen die Schüler in Celle ihre ersten Flugversuche auf dem Bo 105, ehe sie nach Bückeburg kommen und auf den EC 135 wechseln. Seitens des Bundesrechnungshofes war die Beschaffung der 15 Exemplare EC 135 bereits im Ergebnisbericht 2006 heftig kritisiert und der Hubschrauber "als für die Schulung ungeeignet" eingestuft worden. Insgesamt 126,5 Millionen Euro seien ausgegeben worden, obwohl eine nachgeordnete Fachdienststelle darauf hingewiesen hatte, dass der zweimotorige EC 135 für die Schulung nicht geeignet sei und ein einmotoriger Typ beschafft werden sollte. Für die Verantwortlichen bei der Waffenschule war die geteilte Ausbildung jahrelang unbefriedigend. Die Bo 105 sei veraltet, Flugschüler sollten von Beginn an im so genannten "gläsernen Cockpit" das Fliegen lernen, anhand von Joystick, Computern und Bildschirmen, so wie es Standard beim EC 135 und den weiterführenden Typen ist: dem neuen Transporthubschrauber NH-90 oder dem Kampfhubschrauber Tiger. Mehrere Versuche, einen modernen Basis-Hubschrauber loszueisen, scheiterten. So erklärte unter anderem der damalige Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) im Interviev mit unserer Zeitung, esgebe keinen neuen Hubschrauber, zudem müssten die Verantwortlichen zur Rechenschaft gezogen werden. Nach Informationen unserer Zeitung haben nun neue Wirtschaftlichkeitsberechnungen der zuständigen Stellen den Ausschlag für die Beschaffung gegeben. Die Laufzeitverlängerung der Bo 105 sei im Endeffekt deutlich teurer als die Beschaffung der neuen neun Exemplare. Welcher Typ angeschafft wird, ist nach Aussage Baumgärtners noch offen. Derzeit werde ein Anforderungsprofil erstellt, anhand dessen die Ausschreibung erfolgt, bestätigte er gegenüber unserer Zeitung. Erst anhand der eingehenden Angebote könnten dann Aussagen getroffen werden. Da außer dem Fliegen lernen keine besonderen militärischen Anforderungen gestellt werden, sei davon auszugehen, dass ein "handelsüblicher Typ" beschafft wird. Wie teuer die Zusatzbeschaffung wird, ist offen. Wartung und Instandhaltung sollen nach Informationen unserer Zeitung aber in private Hand gegeben werden. Ob ein weiterer Hallenneubau in Achum nötig ist, ist ebenfalls noch offen.



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