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Vor Gericht: 21-jähriger Stadthäger legt Feuer auf altem Schachtgelände / Zehn Monaten Jugendstrafe

Vor Brandstiftung tüchtig "die Kante gegeben"

Auhagen/Stadthagen (ej). Ein 21-jähriger Mann aus Stadthagen ist vom Jugendschöffengericht der Kreisstadt wegen Brandstiftung und versuchten gemeinschaftlichen Diebstahls zu einer Jugendstrafe von zehn Monaten verurteilt worden. Damit verbunden ist für den alkoholkranken Täter eine Bewährungszeit von drei Jahren sowie die Auflage, an einer Therapie teilzunehmen.

veröffentlicht am 29.08.2006 um 00:00 Uhr

Dem Verurteilten wurde zur Last gelegt, im November vergangenen Jahres einen Brand auf dem Gelände der alten Schachtanlage in Auhagen verursacht zu haben. Dabei ist ein Schaden von 20 000 Euro entstanden. Der Eigentümer der Anlage hatte abgebrannte Stromhäuschen als Lager für Baumaterialien genutzt. Vier Wochen später war der junge Mann zudem an einem versuchten Einbruch in Bückeburg beteiligt. Dort wollte er sich Zugang zu einem Tabakladen verschaffen, um Rauchutensilien für den Canabis-Konsum zu stehlen. "Vorher waren wir saufen und haben Gras geraucht", erinnert sich der 21-Jährige, der zurzeit an der Volkshochschule seinen Hauptschulabschluss nachholt. Zur Aufklärung des Hauptanklagepunktes, der Brandstiftung, konnte der Heranwachsende während der Verhandlung allerdings nichts beitragen. Er wisse nur, dass er am Vorabend der Tat von seiner Freundin verlassen wordensei und sich daraufhin "die Kante gegeben" habe. Zu diesem Zeitpunkt befand er sich noch in Bückeburg, dem Wohnort der Frau. Wie er am darauf folgenden Tag nach Auhagen gekommen ist, konnte er sich nicht erklären. Ihm fehlen angeblich Erinnerungen über einen Zeitraum von etwa 24 Stunden. Sehr gut erinnern konnte sich hingegen ein Zeuge, der den Täter vom brennenden Gelände der Schachtanlage hat kommen sehen. "Er war sehr nervös und hatte rauchschwarze Hände", so der Kaufmann. Dessen Ausführungen waren so überzeugend, dass das Gericht keine Zweifel mehr an der Schuld sah. In Sachen Schuldfähigkeit musste allerdings einen Gutachter bemüht werden. Dieser hat den Drogenkonsum des Angeklagten vor der Tat analysiert. Den stundenlangen "Blackout" nahm Richterin Gudrun van Lessen dem seit frühester Kindheit verhaltensauffälligen Mann nämlich nicht ab. Denn mit etwa 1,4 Promille, so die Berechnungen, sei man durchaus noch einigermaßen zurechnungsfähig. Letztlich waren sich die Staatsanwaltschaft, die Verteidigung und die Jugendgerichtshilfe angesichts der Drogenproblematik einig, dass eine Jugendstrafe angemessen ist. Der 21-Jährige brauche einen festen Rahmen, um nicht vollends auf die schiefe Bahn zu kommen, erklärte die Richterin.

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