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Hanns-Heinz Ewers - Leben voller Widersprüche / Spuknacht erinnert an berühmten Kurgast

Voodoo-Anhänger und Menschenfreund

Eilsen. In den dreißiger Jahren des vergangenen Jahrhunderts zog es einen der damals bekanntesten deutschen Schriftsteller, Hanns-Heinz Ewers, immer wieder für kurze oder auch längere Zeit nach Bad Eilsen in den Fürstenhof. Seine überall in der ganzen Welt gelesenen - aber auch sehr umstrittenen - Werke handelten von Menschenfressern, Leichenschändern, Geschlechtsumwandlungen, Mumien, Sekten, Spukgestalten, Geistern und Wahnsinn.

veröffentlicht am 12.04.2006 um 00:00 Uhr

Autor:

Friedrich Winkelhake

Was für ein Mensch muss dieser Dichter gewesen sein? In seinem Leben ließ er nichts aus. Er war dem Voodoo-Kult und auch dem Hakenkreuz verfallen. Psychosomatische Exzesse, Eskapaden der unmöglichsten und seltsamsten Art begleiteten ihn. Ewers rauchte Haschisch und Opium, war überzeugter Anarchist, interessierte sich für Okkultismus, lehrte Spießer das Fürchten, weil er seine Triebe hemmungslos auslebte. Sein Welterfolg "Alraune" wurde seit 1911 von Generationen wolllüstig verschlungen, in 28 Sprachen übersetzt und mehrmals erfolgreich verfilmt. Während seiner Aufenthalte im Bad Eilser Fürstenhof entstanden so manche Werke des Künstlers. So ganz nebenbei erregte er wegen seines manchmal unmöglichen Verhaltens Aufsehen bei den damaligen Naziführern in Bad Eilsen. Der Bad Eilser Ortsgruppenleiter beschwerte sich über Ewers bei der Reichsleitung der NSdAP in Berlin über diesen unmöglichen Parteigenossen und dessen parteischädliches Auftreten. Ein ganz anderer Hanns-Heinz Ewers begegnet uns in einem Menschen, der sich zeitlebens für verarmte Künstler, für verfolgte Menschen im Dritten Reich und besonders für Deutsche jüdischen Glaubens einsetzte. Seine subversive Haltung dem Obrigkeitsstaat gegenüber ist mutig und einfach beispielhaft. Seine Bücher fielen denn auch während der Nazizeit der "Bücherverbrennung" zum Opfer. Die Führungsspitze um Hitler setzte ihn auf die Liste der zu ermordenden Frauen und Männer des so genannten "Röhmputsches" und nur mit Hilfe von Freunden konnte er sich in Bad Eilsen verstecken. An Gott glaubt er nicht undüberlegt trotzdem, ob er nicht wieder beginnen sollte zu beten, um mit seiner Einsamkeit zurecht kommen zu können. Er hat Hochachtung vor der Arbeit der Heilsarmee und schreibt sogar Lieder für deren missionarische Arbeit in Deutschland. Seine rassistische Überzeugung ist für uns kaum zu ertragen. Gleichzeitig aber verachtet er alle Antisemiten und träumt und redet von einem Kulturstaat, in dem Juden und Germanen gemeinsam die Zukunft gestalten. Die Juden des Ostens sind für ihn Pioniere des Deutschtums. Die zionistische Idee eines Judenstaates unterstützt er und sieht darin die Parallele zur Idee eines starken deutschen Nationalstaates. Er bereist die ganze Welt, schreibt über seine Erlebnisse und Erfahrungen und lässt sich von allen möglichen Kulturen und fremden Kulten anstecken. Im ersten Weltkrieg lässt er sich als glühender Kriegsfreund in die Propaganda einspannen und arbeitet sogar als Spion für sein Land. Im zweiten Weltkrieg erkennt er ziemlich früh den Wahnsinn des Überfalles auf die Sowjetunion und verachtet die Kriegstreiber. Er schreibt viel gelesene Kinderbücher und Fabeln, aber gleichzeitig blutrünstige und irrationale Werke. Jegliche Moral lehnt er entschieden ab, und trotzdem erscheint er immer wieder als ein beachtenswerter Mensch. Im Sterben sind seine letzten Worte an die Sekretärin Jenny Guhl: "Jennylein, was war ich für ein Esel!" Die Eskapaden des Schriftstellers in Bad Eilsen wird der Heimat- und Kulturverein anlässlich einer Literarischen Spuknacht auf Schloss Arensburg in der Walpurgisnacht (30. April zum 1. Mai) mit dem bekannten Rezitator Frank Suchland und musikalischer Begleitung durch Stefan Winkelhake verraten.

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