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Relikte der Feldziegelei auf Schritt und Tritt in Eilsen zu finden / Ab 1900 arbeitet die Familie Keiser unter Dampf

Von Ziegelschlägern, Brennmeistern - und Bauherren

Eilsen. Oberhalb des Golfplatzes könnten Ihnen - liebe Leserin, lieber Leser - beim Spaziergang auf den Feldern südlich des Waldrandes Ziegelsteinbrocken auffallen. Fein gemahlener Ziegelguss stammt vom früheren Feldflugplatz der britischen Besatzungstruppen nach 1945. Größere Ziegelsteinbrocken, auch Steinkohlen und Kohleschlacken aber zeugen von der Tradition der Feldziegelei in unserer Heimat.

veröffentlicht am 14.02.2007 um 00:00 Uhr

Zeugnis der Vergangenheit: Richtung Luhdener Bruch findet man an

Autor:

Friedrich Winkelhake

Die Landwirtsfamilie Drewes vom früheren Hof Nr. 6 führte dort als bäuerlichen Nebenerwerbs-Betrieb über fast 100 Jahren eine Feldziegelei. Das Tonvorkommen auf dem Luhder- und Eilser Feld muss wohl recht gut geeignet für die Ziegelproduktion gewesen sein. Die fürstlichen Bauten zum neuen Kurort Bad Eilsen versprachen auf lange Zeit einen guten Absatz ohne lange Transportwege. Richtung Luhdener Bruch findet man an einer langen, zwei Meter hohen Ziegelmauer ausgesonderte Steine mit Fehlbränden, die aber eine gute Härtequalität aufweisen. Der Ton wurde in Handarbeit gestochen, in Behältern auf dem Rücken in eine ausgehobene Mulde gebracht, mit Brunnenwasser angereichert und dann mit bloßen Füßen, wohl auch mit Pferdehufen, so lange geknetet, bis sich eine weiche Masse ergab, die man nun in eine Form werfen konnte. Überflüssiges Material wurde mit einem Holz über die Formkanten abgestrichen. Ein guter "Ziegelschläger" schaffte pro Stunde etwa 100 Steine! Es wurde in den Feldziegeleien eigentlich immer im Akkord gearbeitet. Die gefüllte Form wurde dann zur Lufttrocknung auf ein Brett gekippt. Nach zwei Tagen mussten die Steine gewendet werden, damit sie gleichmäßig trockneten. Als Wetterschutz zum Trocknen diente ein Schuppendach aus Stroh. Die getrockneten Steine wurden dann zu einem riesigen Meiler aufgestapelt. Im Inneren angelegte Hohlräume konnten mit Kohle beschickt werden. Der Brennmeister hatte eine verantwortungsvollste Aufgabe: Das Aufschichten der Steine, die Steuerung der Brenndauer und das Abdichten des Meilers mit einer Lehmschicht bestimmten die Qualität der Steine. Steine, die zu nahe am Feuer lagen, bekamen glasierte, schwarze oder bläuliche Brenngeschwüre und konnten nicht verkauft werden. Steine, die zu weit vom Feuer gestapelt worden waren, wurden nicht hart genug gebrannt. mussten als Minderware abgegeben werden. Als sich um 1900 die industrielle Ringofenziegelei durchsetzte, wurde im Gebiet des heutigen Bergkurparkes einer Dampfziegelei errichtet. Familie Keiser gründete einen Betrieb mit Ringofen, hohem Fabrikschornstein, einem Kesselhaus, dem Maschinenhaus mit Gemengemühle und Misch- sowie Förderanlagen. Kipploren brachten den Ton von den Abbaugebieten im jetzigen Bergkurpark und den angrenzenden neuen Baugebieten zur Verarbeitung heran. Mit etwas Fantasie kann man heute immer noch die Schürfgebiete erkennen. Das Werk hatte einen Gleisanschluss zur Rinteln-Stadthagener Eisenbahn und musste in den wirtschaftlichen Tiefs der Anfang-Dreißiger-Jahre geschlossen werden. Der Schornstein wurde gesprengt, die Bauten bis auf das frühere Wohn- und Bürohaus der Familie Keiser abgerissen. Viele Bad Eilser Häuser sind aus den Ziegelsteinen der Familie Drewes oder der Ziegelei Keiser gebaut worden.

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